# Trainingswissenschaften — was auf der Klausartrainer-Seite steht

**3. Semester Sport · WWU Münster · Prof. Dr. E. Eils · Klausur 90 Minuten, 51 Punkte zum Bestehen**

Quellenbasis: die eigene Revision (12 Seiten, inhaltlicher Schwerpunkt), 13 Vorlesungen, die Gastvorlesung zum leichten Schädelhirntrauma und das Krafttrainings-Seminar. Foliendeckung: 583 von 614 Folien mit Inhalt (94 %) — die verbleibenden 31 sind Titel-, Agenda- und Literaturfolien.

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| Module | 16, in 6 Themengruppen |
| Lehrgang | 116 Abschnitte, ~37 500 Wörter Erklärung |
| Lernkarten | 779 (davon 262 als prüfungsrelevant markiert) |
| Prüfungsfragen | 584 im Multiple-Choice-Pool |
| Vergleichstabellen | 151 |
| Schaubilder | 132 (16 Kernschaubilder + 116 Abschnittsschemata) + 8 eigene Diagramme |
| Glossar | 366 Begriffe |
| Synthese-Sätze | 128 (6–8 je Modul) |

Kartentypen: 264 Prinzip, 209 Definition, 124 Abgrenzung, 70 Fallbeispiel, 57 Ablauf, 55 Zahl.

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## Wie die Seite den Stoff anordnet

Jedes Modul läuft in drei Schritten: **1 · Info** (Lehrgang lesen), **2 · Üben** (Karten abrufen), **3 · Testen** (Prüfungsfragen im Pool). Innerhalb eines Abschnitts steht links die kompakte Fassung — Kernsatz, Schaubild, die nummerierten Aussagen, Merksatz, Begriffe. Über den Pfeil hinter einer Aussage öffnet sich rechts die Vertiefung zu genau diesem Aspekt; der Hamburger öffnet den ganzen Abschnitt am Stück.

Der Fortschritt bewegt sich nur beim Abrufen, nicht beim Lesen. Eine Karte gilt erst ab Box 4 als „sitzt" — das entspricht drei über Tage verteilten erfolgreichen Abrufen (Rawson & Dunlosky 2022). Jede Aussage trägt ihren Beleg mit Vorlesungs- und Folienangabe; Lehrbuchwissen, das nicht auf den Folien steht, ist als `· Ergänzung (nicht Folieninhalt)` gekennzeichnet.

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# GRUNDLAGEN

## Modul 1 · Grundlagen & Begrifflichkeiten
*57 Karten · 38 Fragen · 12 Tabellen*

**Leitfrage:** Was ist Training, was leistet die Trainingswissenschaft — und mit welchen Begriffen und Modellen beschreibt sie sportliche Leistung?

Das Modul beginnt bei der Arbeitsdefinition von Training (Hohmann, Lames & Letzelter 2010) und ihrer bewussten Offenheit: Zielgruppe und Anwendungsfeld bleiben unbestimmt, damit auch Schul- und Gesundheitssport hineinfallen. Dagegen stehen die engeren Definitionen von Martin et al. (1991: „überschwellige Muskelanspannungen") und Hollmann & Hettinger (1990: „Präsentation im Wettkampf") — genau die Definition, die ein reines Taktiktraining nicht mehr erfasst. Historisch führt der Weg von der **Meisterlehre** (Zátopeks Rezept, an die Person gebunden) über die spezielle und allgemeine Trainingslehre zur trainingswissenschaftlichen Theorie.

Dann die Fachbestimmung: Trainingswissenschaft ist **integrativ, empirisch und angewandt** — mit dem Preis der empirischen Ausrichtung (geringere Handlungsorientierung, Vorläufigkeit der Befunde). Sie bearbeitet drei Gegenstandsbereiche — Training, Leistungsfähigkeit, Bewährungssituation — wobei nicht die Bereiche selbst interessieren, sondern die sechs Wechselwirkungen zwischen ihnen. Trainingslehre formuliert Regeln, Trainingswissenschaft prüft sie.

Der Leistungsbegriff: sportliche Leistung ist die **Einheit von Vollzug und Ergebnis**, gemessen an sozial determinierten Normen (Schnabel, Harre & Krug). Leistung ist nicht Erfolg. Und Leisten ist nicht Lernen — Lernen ist nicht direkt beobachtbar, der Nachweis läuft nur über den **Retention-Test**, weil hohe Übungsleistungen aufgebläht sein können.

Der Prüfungskern des Moduls: **Fähigkeit gegen Fertigkeit**. Fähigkeiten sind vererbt, stabil, abzählbar, Basis vieler Fertigkeiten, auf der Prozessebene und als latente Konstrukte nur über Indikatoren erschließbar. Fertigkeiten sind erlernt, leicht modifizierbar, nicht abzählbar, von mehreren Fähigkeiten abhängig, auf der Produktebene. Darauf folgen die **fünf motorischen Fähigkeiten** in der Systematik mod. nach Bös (1987): konditionell = energetisch (Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit), koordinativ = informationell. Die Beweglichkeit steht konditionell, die Schnelligkeit ist der Zwitter am Übergang.

Zum Schluss die Modelle: **ohne Kriteriumsleistung** trifft sie der Vorwurf der *boxology* — Komponenten werden benannt und mit unbestimmten Pfeilen verbunden, ohne Wechselwirkungen abzubilden. **Mit Kriteriumsleistung** (Deduktionsketten nach Ballreich 1996, Beispiel Weitsprung) gewinnen sie Präzision, handeln sich aber einen engen Geltungsbereich und unerfasste Abhängigkeiten der Einflussgrößen ein.

**Verwechslungsfallen:** Trainingswissenschaft ↔ Trainingslehre · Leistung ↔ Erfolg · Lernen ↔ Reifung/Wachstum · Fähigkeit (latentes Konstrukt) ↔ Testleistung (Indikator) · konditionell ↔ koordinativ · boxology-Kritik ↔ Deduktionsketten-Kritik · deterministischer ↔ statistischer Zusammenhang.

**Stolperstein:** Fähigkeit und Fertigkeit werden vertauscht — dieselbe Falle stellt Leisten (Produkt) gegen Lernen (Prozess).

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## Modul 2 · Adaptation & Superkompensation
*50 Karten · 40 Fragen · 10 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie reagiert der Organismus auf eine Trainingsbelastung — und wie steuert man Training so, dass aus der Reaktion dauerhafte Anpassung wird?

Vier **Adaptationsformen**, gelesen als Reihe vom Gewebe zur Information: morphologisch (Hypertrophie, Atrophie, Hyperplasie — auf Folie 46 „strukturell" genannt), metabolisch (Enzymaktivität, Speicher, Mitochondrien, Kapillardichte, Laktatverwertung), funktionell (muskuläre Koordination, Rekrutierung, Frequenzierung) und informationell (Bewegungssteuerung, neuronale Netzwerke, Wahrnehmungs-Handlungs-Kopplung). Dazu die beiden Gesetze nach Mellerowicz & Meller (1972): das **Qualitätsgesetz** bestimmt, *was* sich anpasst, das **Quantitätsgesetz**, *wie viel* — und je näher an der Maximalleistung, desto kleiner die Steigerungsrate.

Die **Superkompensation** in vier Phasen: Belastung (reversible Beeinträchtigung durch überschwellige Reize) → Erholung/Wiederherstellung → Superkompensation (nur hier liegt die Leistungsfähigkeit über dem Ausgangsniveau) → Rückbildung. Der nächste Reiz gehört auf den Höhepunkt: zu spät = kein Fortschritt, zu früh = Rückschritt.

Und dann die vier **Kritikpunkte**, jeder gegen genau eine Annahme: überzogener Geltungsbereich (nachgewiesen nur am muskulären Glykogengehalt), Ermüdungsproblematik (Phase 1 — zentralnervöses und Herz-Kreislauf-Aktivierungsniveau nehmen zu), **Heterochronizität** (Phase 3 — Teilsysteme erholen sich zeitversetzt, kein gemeinsamer Höhepunkt), Linearität/Kontinuität (die Kurvenform, genetisch determinierte Obergrenze).

Das **Belastungs-Beanspruchungskonzept** (Rohmert 1984, aus der Arbeitswissenschaft): Belastung ist die äußere, objektiv erfassbare Vorgabe, Beanspruchung ihre individuelle Auswirkung im Menschen — der Grad der Ausschöpfung vorhandener Ressourcen. Trainingswirksam ist die Beanspruchung. Bestimmen lässt sie sich über Leistungsdiagnostik, über Faustregeln (Max-HF = 220 − Lebensalter, von der Folie ausdrücklich als unspezifisch gekennzeichnet) oder subjektiv über die **RPE-Skala** nach Borg (1974, Skala 6–20, Faustregel RPE = HF/10). Fazit der Vorlesung: Das Superkompensationsprinzip macht Zeitaussagen, die sich nicht halten lassen — das BBK macht gar keine.

Zum Schluss die **Leistungssteuerung** (Olivier, Marschall & Büsch 2008): Anforderungsanalyse → Eingangsdiagnose → Ziel- und Normsetzung → Trainingsplanung → Trainingsdurchführung → Trainingsergebnis, plus die Rückkopplungen Leistungskontrolle und Trainingskorrektur. Klausurfalle: **die Anforderungsanalyse steht vor der Eingangsdiagnose.** Ein Trainingsziel ist erst dann eines, wenn es Größe, Betrag und Zeitraum nennt.

**Zahlen:** Rechenbeispiel Beanspruchung 10 km/h bei Maximalleistung 14 km/h = 71 %, bei 12 km/h = 83 %.

**Stolperstein:** Belastung und Beanspruchung werden gleichgesetzt; der Superkompensationsverlauf wird für einen einheitlichen Gesamtverlauf gehalten, obwohl die Heterochronizität genau das bestreitet.

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# KONDITIONELLE FÄHIGKEITEN

## Modul 3 · Ausdauer: Arten, Energiebereitstellung, Methoden
*59 Karten · 39 Fragen · 11 Tabellen*

**Leitfrage:** Was ist Ausdauer, woher kommt die Energie dafür — und mit welchen Methoden trainiert man sie gezielt?

Ausdauer ist **Ermüdungswiderstandsfähigkeit**, nicht „lange laufen können" — und sie zahlt sich auch in den Pausen aus (Erholungsfähigkeit). Fünf Systematisierungskriterien, deren Grenzen Zahlen sind: **1/7 der Gesamtmuskelmasse** trennt lokale von allgemeiner Ausdauer, **2 Minuten** die Kurzzeit- von der Mittelzeitausdauer, **10 Minuten** die Mittelzeit- von der Langzeitausdauer (LZA I–IV, mit dem Ironman als LZA IV: 7:28 h Männer, 8:18 h Frauen).

Die **Energiebereitstellung**: alle Resynthesewege laufen gleichzeitig — die Zeitachse zeigt Anteilsverschiebungen, keine Schaltpunkte. Zeitmarken der Folie 14: ATP 2 s, Kreatinphosphat 10 s, anaerobe Glykolyse 2 min, aerobe Glykolyse 8 min, Lipolyse 1 h. Je weniger Reaktionsschritte, desto schneller verfügbar und desto kleiner der Vorrat. Die Ausbeute: **31 mol ATP aerob gegen 3 mol anaerob**, jeweils je Glykosyleinheit *aus Glykogen*. Aerobe KH-Verwertung bis ca. 4 mmol/l Laktat, Depot nach 30–90 min erschöpft; anaerob laktazid 4 bis über 20 mmol/l, verantwortlich für den Belastungsabbruch. Sportartzuordnung: Gewichtheben und Sprint anaerob alaktazid; 800 m, Rudern, Kanurennsport anaerob laktazid; Marathon, Skilanglauf, Biathlon aerob aus Kohlenhydraten; Langstrecken-Radsport und Nordic Walking aerob aus Fetten.

Die **vier Belastungsnormative** als Stellschrauben jeder Methode: Reizintensität (wie hart), Reizdauer (wie lange pro Reiz), Reizumfang (wie viel insgesamt), Reizdichte (Verhältnis Belastung/Erholung). Daraus die **vier Grundmethoden**: Dauermethode (ohne Pause, Grundlagen und Prävention), extensive Intervallmethode (aerobe Ausdauer, Akzent Umfang, Kapillarisierung peripher und Herzzeitvolumen zentral), intensive Intervallmethode (anaerobe Ausdauer, Akzent Intensität), Wiederholungs- und Wettkampfmethode (spezifischste und intensivste Form). Von der Dauer- zur Wettkampfmethode steigen Intensität und Spezifik, der Umfang sinkt. Intervallmethoden arbeiten mit der **lohnenden Pause** (unvollständige Erholung), Wiederholungs- und Wettkampfmethode mit weitgehend vollständiger.

Der Acht-Merkmale-Vergleich extensiv/intensiv: Intensität niedrig-mittel/hoch, Belastungsdauer mittel-lang/kurz-mittel, Pause kurz-lohnend/länger, **Erholung beide Male unvollständig** (das ist das einzige gemeinsame Merkmal), Umfang hoch/gering-mittel, Ziel Grundlagenausdauer und Fettstoffwechsel / VO₂max, anaerobe Kapazität und Laktattoleranz, System aerob / anaerob + aerob, Beispiel 30 × 200 m / 6 × 200 m hart.

Anpassung heißt **Ökonomisierung**: mehr Volumen pro Schlag, dichteres Kapillarnetz, größere Pufferkapazität. Über die Lebensspanne: absolute VO₂max bis ca. 12 Jahre gleich, danach Plateau bei Mädchen; relative VO₂max bei Jungen konstant, bei Mädchen abfallend; anaerobe Leistungsfähigkeit bei Mädchen nur bis zur Pubertät.

**Stolperstein:** Ausdauer wird mit aerober Ausdauer gleichgesetzt, obwohl die anaerobe ausdrücklich dazugehört; die Resynthesewege werden als Etappen missverstanden, obwohl sie stets gleichzeitig laufen.

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## Modul 4 · Ausdauerdiagnostik & Laktatschwellen
*46 Karten · 37 Fragen · 10 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie misst man Ausdauerleistungsfähigkeit — und wie wird aus einer Laktatleistungskurve eine konkrete Trainingsvorgabe?

Welcher Test taugt, entscheidet nicht die Apparatur, sondern der Zweck, die Person und die Frage, ob die Gütekriterien überhaupt überprüft wurden. Labor gegen Feld, sportartunspezifisch gegen sportartspezifisch.

Der zentrale Denkfehler, den das Modul ausräumt: Der gemessene **Laktatwert ist kein Produktionsmaß**, sondern das Ergebnis eines Gleichgewichts aus Bildung und Elimination. Deshalb sagt die Lage der ganzen Kurve mehr als jeder Einzelwert. Die **fixen Schwellen** (Mader 1976, Heck et al. 1985): aerobe Schwelle 2 mmol/l, anaerobe Schwelle 4 mmol/l — daraus die vier Intensitätsbereiche Regeneration, GA1, GA2 und wettkampfspezifische Ausdauer.

Die **drei Leitschwellen** unterscheiden sich auf zwei Achsen — Lage auf der Kurve *und* Bestimmungsart:

- **LT / aerobe Schwelle**: erster messbarer Laktatanstieg über den Ruhewert (~2 mmol/l), untere Grenze, Beginn intensiver GA-Belastung
- **4-mmol-Methode**: fixer Wert für alle, klassische anaerobe Schwelle, laut Revision „unpräzise, aber verbreitet"
- **IAS**: obere Dauerleistungsgrenze, ~30–60 min haltbar, Bildung und Elimination gerade noch im Gleichgewicht

Die weiteren Verfahren suchen alle die IAS, unterscheiden sich aber im Bezugspunkt: **Dickhuth** addiert 1,5 mmol auf den Laktatwert der LT, **Baldari & Guidetti** messen +0,5 mmol gegenüber der Vorstufe, **Simon** legt die 45°-Tangente an, der **Turnpoint** sucht den letzten Punkt vor dem starken Anstieg, der **Deflexionspunkt** den überproportionalen Anstieg danach. Aufschlagverfahren fragen nach dem Wert, Kurvenverfahren nach der Form. Fix ist allein 2 und 4 mmol/l — alles andere ist individuell.

Der zweite Teil: **motorische Tests und ihre Gütekriterien.** Hauptgütekriterien Objektivität, Reliabilität, Validität — in einer Hierarchie, in der jede Stufe notwendig, aber nicht hinreichend für die nächste ist. Objektivität in drei Unterformen (Durchführung, Auswertung, Interpretation), Reliabilität im Test-Retest über Korrelationskoeffizienten der Rangreihen, Einflussfaktor Übungseffekte. Nebengütekriterien: Normierung und Ökonomie.

**Absolute VO₂max** = l/min, **relative VO₂max** = ml/(kg·min), gebildet, weil ein Personenvergleich sonst nur bedingt möglich ist; im Jugendalter fällt sie bei Mädchen ab, weil die Gewichtszunahme größer ist als die Zunahme der Sauerstoffaufnahme. Messung mit dem Spirometer.

**Dokumentierte Konflikte:** In der Vorlesung ist **AS** die *aerobe* Schwelle bei 2 mmol/l, in der Revision heißt „feste AS" die *anaerobe* Schwelle bei 4 mmol/l. Und der Deflexionspunkt bezeichnet in der Revision die Laktatkurve, beim Conconi-Test die Herzfrequenzkurve.

**Stolperstein:** Fixe und individuelle Schwellenkonzepte werden vermischt — zwei Läufer mit identischer 4-mmol-Schwelle können sehr unterschiedliche individuelle Schwellen haben.

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## Modul 5 · Kraft & Muskelphysiologie
*66 Karten · 34 Fragen · 11 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie entsteht Muskelkraft — vom Sarkomer über die motorische Einheit bis zur Trainingsvorgabe, und wo hält die Belastungsdosierung der Vorlesung einer Prüfung nicht stand?

Kraft ist die trainierbare Einflussgröße, Bewegungen gegen Widerstände von mehr als **30 % der individuellen Maximalkraft** auszuführen (Olivier et al. 2008, S. 93). Darunter der Bauplan: Muskel → Faserbündel → Faser (die Zelle) → Myofibrille (ihr Bauteil) → Sarkomer, und der Gleitfilamentmechanismus — die Filamente werden nie kürzer, sie schieben sich übereinander.

Die neuronale Steuerung ist der Kern des Moduls. Weil für die einzelne motorische Einheit das **Alles-oder-nichts-Gesetz** gilt, kann der Muskel seine Kraft nur über die *Zahl* der aktiven Einheiten und deren *Feuerrate* abstufen: **Rekrutierung** (wie viele — nach dem Größenordnungsprinzip erst die kleinen Typ-I-, zuletzt die großen Typ-II-Einheiten), **Frequenzierung** (wie schnell eine bereits rekrutierte Einheit feuert), **Synchronisation** (wie gleichzeitig — steigert die Kraftanstiegsrate). Rekrutierung plus Frequenzierung ergeben die **intramuskuläre** Koordination; *intra* heißt innerhalb eines Muskels, *inter* zwischen mehreren.

Die Kraftkomponenten in ihren Definitionen — und nur die erste ist über „Kraft" definiert, die übrigen über den **Kraftstoß**:

- **Maximalkraft** = höchste Kraft bei willkürlicher Kontraktion. Was darüber hinaus im Muskel steckt, ist das **Kraftdefizit** und damit die trainierbare Reserve
- **Schnellkraft** = möglichst großer Kraftstoß in verfügbarer Zeit
- **Kraftausdauer** = möglichst hohe Kraftstoßsumme in gegebener Zeit bei über 30 % der Maximalkraft
- **Reaktivkraft** = möglichst hoher Kraftstoß im Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus

Die Strukturmodelle bauen aufeinander auf: Maximalkraft = Muskelquerschnitt + Faserverteilung + willkürliche Aktivierungsfähigkeit + Koordination; Schnellkraft = Maximalkraft + schnelle Kontraktionsfähigkeit; Reaktivkraft = zusätzlich reaktive Spannungsfähigkeit. Ist das Kraftdefizit groß, greift die **neuronale Aktivierungsmethode**, ist es klein, erst die **Muskelquerschnittsmethode**, dann die neuronale.

Der kritische Teil: Die vier Belastungsnormative sind unstrittig, die konkreten Zahlenvorgaben laut Vorlesung **„weder belegt, noch notwendig"** — sie gehen auf Zatsiorsky & Kulik (1965) zurück, gewonnen an männlichen, krafttrainierten, hochmotivierten Leistungssportlern im Bankdrücken. Muskelgruppe und Trainingszustand beeinflussen die erreichbare Wiederholungszahl, weshalb die Prozentangabe die Belastung beschreibt, nicht die Beanspruchung.

Zum Wachstum: Die Querschnittsvergrößerung beruht hauptsächlich auf **Hypertrophie** der einzelnen Faser; die **Hyperplasie** ist laut Vorlesung „praktisch ohne Belang". Erklärungsansätze sind die Energiemangel- und die Mikrotraumata-Theorie. Das **Muskelgedächtnis** (Zellkern-Hypothese) ist bislang nur im Mäuseversuch mit Testosteronzugabe bestätigt — der Nachweis durch Training steht aus. Dazu als Fallstudie zur Quellenkritik der Spinat-Mythos (35 mg gegen 3,5 mg Eisen).

**Zahlen:** 30 % Widerstandsschwelle · FT-Anteil genetisch 20–75 % · Typ-1-Anteil im M. vastus lateralis 51 ± 13 % (Frauen), 46 ± 15 % (Männer), Range 13–85 % · Startkraft F30/t30 in den ersten 30 ms, Explosivkraft ΔF/Δt, Schnellkraftindex Fmax/tmax (Bührle 1985) · DVZ-Grenze 250 ms (darunter prellend, darüber nachgebend) · Hypertrophievorgabe 60–85 %, 8–20 Wdh. (später 6–12), 5–6 Serien · 4 % Lastreduzierung.

**Stolperstein:** intramuskulär und intermuskulär werden vertauscht; Schnellkraft wird über „Kraft" statt über den Kraftstoß definiert; die Querschnittsvergrößerung wird der Hyperplasie zugeschrieben.

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## Modul 6 · Beweglichkeit & Dehnen
*40 Karten · 32 Fragen · 10 Tabellen*

**Leitfrage:** Was begrenzt die Bewegungsreichweite — und was leistet Dehnen kurzfristig, langfristig und für die Verletzungsprophylaxe wirklich?

Beweglichkeit ist die Fähigkeit, Bewegungen mit der **erforderlichen** Schwingungsweite auszuführen — Maßstab ist die Bewegungsaufgabe, nicht das anatomisch Mögliche. Aktive Beweglichkeit wird durch die Dehnbarkeit des Zielmuskels *und* die Kraft des Gegenspielers begrenzt, passive durch Dehnbarkeit und Gelenkform; passiv ist stets größer. Beweglichkeitstraining = Dehnen + Kraft + Koordination, ist also mehr als Dehntraining.

Drei Ursachen der Reichweitenbegrenzung: Anatomie, Elastizität, Dehnungsreflex — wobei die Dehnungsspannung nach neueren Untersuchungen im **Titin** der Myofibrille sitzt, nicht allein im Bindegewebe. Immobilisation (Folie 12): in Dehnung → mehr in Serie geschaltete Sarkomere, Gesamtmuskellänge unverändert, Sarkomerlänge nimmt ab; in Verkürzung → weniger Sarkomere, Gesamtlänge verkürzt sich, Kollagengehalt steigt.

Der Befund, an dem das Modul hängt: Der Spannungsabfall nach statischem Stretching ist **nach etwa einer Stunde verschwunden**. Langfristig belegt ist nicht ein nachgiebigerer Muskel, sondern eine erhöhte **Dehnungstoleranz** (sensorische Theorie, Folie 22): Eine mechanische Ursache müsste eine Rechtsverschiebung der Längen-/Spannungskurve erzeugen; beobachtet werden aber veränderte Gelenkwinkel und aufgewendete Kräfte. Eine dauerhafte Reduzierung der Dehnungsspannung ist nicht belegt; Sarkomervermehrung gilt nur bei langfristiger Immobilisation.

Die Methoden nach Schnabel et al. (2008): statisch-passiv = Stretching, statisch-aktiv = Antagonisten-Stretching, dynamisch-aktiv = ballistisches und dynamisches Dehnen, dynamisch-passiv = Partnerübungen; **PNF** steht als weitere Methode daneben und arbeitet mit zwei Hemmungen — der **autogenen** (Erregbarkeit des alpha-Motoneurons unmittelbar nach isometrischer Kontraktion vermindert, CHRS mit 6–10 s isometrisch und 20–30 s Enddehnung) und der **reziproken** (Anspannung des Gegenspielers dehnt und entspannt den Zielmuskel, AC).

Die Evidenzfrage: Klee wertet 28 empirische Untersuchungen aus — die Datenlage trägt keine Methodenempfehlung. Belegt sind der akute Schnellkraftverlust direkt nach dem Dehnen und eine steigende Evidenz für den Schutz vor Muskelverletzungen. Der Widerspruch in Zahlen: Das Systematic Review mit PEDro-Minimum 3 findet nur 2 Studien (1284 gegen 1346 Militärrekruten, 181 gegen 200 Verletzungen) und **5 % Risikoreduktion, nicht signifikant** — Folie 48 nennt dagegen **25–50 % verhinderbare Muskelverletzungen.** Es kommt darauf an, was gezählt wird. Umgerechnet: 100 Personen × 12 Wochen bzw. 23 Jahre für eine verhinderte Verletzung.

Alter und Geschlecht verändern das **Ausgangsniveau** der Beweglichkeit, nicht ihre **Trainierbarkeit**.

**Dokumentierter Konflikt:** Folie 12 sagt „Gesamtmuskellänge verändert sich nicht", die Revision (S. 9) schreibt „wird länger". Für die Klausur gilt die Folie; unstrittig ist nur die Richtung der Sarkomerzahl.

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## Modul 7 · Schnelligkeit
*32 Karten · 34 Fragen · 8 Tabellen*

**Leitfrage:** Warum lässt sich „Schnelligkeit" nicht direkt trainieren — und wie leitet man stattdessen jede Trainingsform aus einer limitierenden Einflussgröße ab?

Dieses Modul ist eine einzige Argumentationskette. Schnelligkeit ist **keine eigenständige Fähigkeit**, sondern eine „zusammengesetzte trainierbare Einflussgröße sportlicher Leistungen … sportliche Bewegungen in minimaler Zeit und mit **optimaler** Frequenz ausführen zu können" (Olivier et al. 2007, S. 217). Optimal, nicht maximal. Die Koordination ist demgegenüber die *einfach* trainierbare Einflussgröße.

Die Kette: kein deduktives Korrelat (Folie 13) → energetische und informationelle Aspekte (Folie 14) → nur Koordination und Kraft sind limitierend *und* trainierbar (Folie 15) → Schnelligkeitstraining ist Koordinations- plus Schnellkrafttraining (Folie 28). Die Folien 9 bis 12 sind kein Zahlensammelsurium, sondern die Belegkette für den einen Satz, der erst auf Folie 15 ausgesprochen wird: Kraft ist eine limitierende Einflussgröße der Schnelligkeit.

**Hicks Law**: RZ = BZ + IV × log₂(N). Die Reaktionszeit wächst nicht mit der Zahl der Alternativen, sondern mit deren Logarithmus — jede Verdopplung von N kostet denselben konstanten Betrag IV. Bei N = 1 gilt RZ = BZ.

Aus dem **SAQ-Konzept**: **Agility** ist die Bewegungsantwort (das Ausführen des Richtungswechsels), **Quickness** die Wahrnehmungs- und Entscheidungsseite (Dawes & Roozen 2012). Bei festem Parcours misst ein Agility-Test deshalb überwiegend die Richtungswechselgeschwindigkeit; der Wahrnehmungsanteil bleibt weitgehend unerfasst.

Die vier Methodenaussagen (Folie 28): Schnelligkeitstraining = Koordinations- plus Schnellkrafttraining · Reaktionsschnelligkeit = Antizipationstraining · Frequenzschnelligkeit = Fertigkeitstraining für die intermuskuläre Koordination · komplexes Schnelligkeitstraining = Fertigkeitstraining mit unterschiedlichen Widerständen.

**Zahlen:** T-Test Prozentrang 50 = 10,18 s bei Mittelwert 10,30 s (rechtsschief), Referenzwerte 8,9 s bis 12,5 s als Gruppenmittelwerte; 30 m Hochstart 3,8–3,9 s gegen 30 m fliegend 2,9–3,0 s (rund 0,9 s Beschleunigungsanteil). Kleiner ist besser: Prozentrang 90 steht bei 9,90 s, Prozentrang 10 bei 10,90 s.

**Stolperstein:** Schnelligkeit wird als eigenständige konditionelle Fähigkeit behandelt, die man als Ganzes trainieren könnte; Agility und Quickness werden gleichgesetzt.

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# KOORDINATIVE FÄHIGKEITEN

## Modul 8 · Koordination
*43 Karten · 39 Fragen · 9 Tabellen*

**Leitfrage:** Gibt es generelle koordinative Fähigkeiten, die man sportartübergreifend trainieren kann — oder trainiert man immer nur Fertigkeiten?

Die Vorlesung endet nicht bei der Systematik, sondern bei deren Infragestellung. Koordinative Fähigkeiten sind definiert als *generelle, bewegungs- und sportartübergreifende* Leistungsvoraussetzungen, die das Niveau wesentlicher Vorgänge bei Steuerung und Regelung von Willkürbewegungen charakterisieren — und genau dieser Anspruch steht am Ende zur Debatte.

Zwei Wege zu den Anforderungsklassen: **induktiv** (Puni 1961 — 20 Sportarten, 5 Klassen; Blume 1978 — 4 Disziplinen, 7 Kategorien, übernommen von Hirtz 1997) und **deduktiv** (Roth 1982 — 2 Kriterien). Weil jeder Theoretiker seine eigene Perspektive einnimmt, entsteht eine uneinheitliche Vielzahl von Fähigkeiten — deshalb am Ende das **Vereinigungsmodell** von Neumaier/Mechling (1995).

Die **sechs Druckbedingungen**: Zeitdruck (Zeitminimierung/Geschwindigkeitsmaximierung), Präzisionsdruck (höchstmögliche Genauigkeit), **Komplexitätsdruck** (viele *sukzessive*, hintereinandergeschaltete Anforderungen — die Kette), **Organisationsdruck** (viele *simultane*, gleichzeitige Anforderungen — das Bündel), Belastungsdruck (unter physisch-konditionellen Belastungen), Variabilitätsdruck (unter wechselnden Umgebungsbedingungen). Zeit- und Präzisionsdruck gehen auf Roth zurück.

Dann die Umkehrung der Logik: Aus Druckbedingungen werden Übungen. Die **methodische Grundformel** wörtlich — stabil beherrschte motorische Fertigkeiten, informationell-variabel mit den Druckbedingungen „gewürzt". Es darf immer nur eine Baustelle offen sein: beim Techniklernen die Technik, beim Fähigkeitstraining die Bedingungen. Die Fertigkeit ist hier nicht Lerngegenstand, sondern **Vehikel**.

Der Prüfungsschwerpunkt ist die Kontroverse: **Fähigkeitsansatz** (generell, mit Transferannahme — der Skiläufer übt skiunspezifische Gleichgewichtsaufgaben) gegen **fertigkeitsorientierten Ansatz** (Olivier et al. 2008; Schmidt & Lee 2014: Fertigkeiten sind gelernte Koordinationsmuster, Koordinationstraining ist Fertigkeitstraining — der Skiläufer übt Kurventechniken je Geländeform). Der Beleg: Windsurfer und Wellenreiter schneiden auf dem **Stabilometer** besser ab als Turner → hohe Fertigkeitsspezifität der motorischen Kontrolle. Der Test misst die Nähe zur trainierten Aufgabe, nicht „die" Fähigkeit. Position der Vorlesung: nicht widerlegt, sondern zunehmend fraglich — ein Generalitäts-Spezifitäts-Kontinuum, die Grundformel bleibt brauchbar.

Praxis: Weil Belastungsnormative fehlen, gibt die Vorlesung eine Rangfolge der Intensitätssteigerung — Variation der Bewegungsausführung → Wiederholungszahl → kürzere Pausen → Stress. Müde wird zuletzt trainiert, und nur wenn es gewollt ist. „**Wiederholen ohne Wiederholung**" (Golle et al. 2019) meint Variation statt identischer Wiederholung und ist *nicht* dasselbe wie das differenzielle Lernen (Schöllhorn et al. 2004). Hirtz: goldenes Lernalter 10–13 Jahre.

**Stolperstein:** Komplexitäts- und Organisationsdruck werden vertauscht; Fähigkeit und Fertigkeit werden gleichgesetzt, obwohl genau daran die Kontroverse hängt.

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# TECHNIK & TAKTIK

## Modul 9 · Techniktraining
*46 Karten · 38 Fragen · 9 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie bringt man eine sportliche Technik so bei, dass sie nicht nur im Training gelingt, sondern im Wettkampf unter Druck abrufbar bleibt?

Die Definitionen zuerst: **technische Fertigkeit** = erprobte, zweckmäßige und effektive Bewegungsfolge zur Lösung einer definierten Aufgabe in Sportsituationen; **sportliche Technik** = die Sammelbezeichnung dafür; **technisches Leistungsniveau** = Disposition zur Ausführung in hoher Qualität; **Technikleitbild** = optimale, personenunabhängige Bewegungsfolge. Technik hat drei Funktionen — Eintrittskarten-, Integrations- und Leistungsfunktion: Sie ist die Instanz, die alle anderen Voraussetzungen erst in ein Ergebnis übersetzt.

Das Modul lebt davon, **vier Vierergruppen** auseinanderzuhalten:

| Gruppe | Inhalt |
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| **Prinzipien** (aus Alltagstheorien erfolgreicher Trainer rekonstruiert) | Komplexität, Einsicht, perzeptive Führung, Funktionalität |
| **Verdichtungsstufen/Ebenen** nach Roth | Analyse → Modellierung → Vermittlung → Optimierung |
| **Zielkategorien** | Erwerben, Variieren, Anpassen, Abschirmen |
| **Informationsarten** | KR, KP, Cue, Transition |

Die Zielkategorien sind vier Ziele **nebeneinander**, keine vier Phasen nacheinander. Ihr Ordnungsprinzip: intern/korrekte Ausführung = Erlernen, extern/korrekte Ausführung = Anpassen, intern/erfolgreiche Lösung = Variieren, extern/erfolgreiche Lösung = Abschirmen — bei geschlossener Aufgabenstruktur entfallen Anpassen und Abschirmen.

Der Technikerwerb nach **Bernstein**: Freezing (Einfrieren der Freiheitsgrade) → Releasing (Freisetzen) → Exploiting (gezieltes Ausbeuten). Dazu das **differenzielle Lernen**: ständig wechselnde Ausführungen, Vermeiden von Wiederholungen, keine Fehlerkorrekturen, möglichst viele Randbedingungen — was am Ende steht, muss keinem Leitbild gleichen.

Gesteuert wird im Techniktraining nicht die energetische, sondern die **informationelle Beanspruchung** — Laktat und Herzfrequenz geben hier nichts her.

Der Feedback-Befund, der die Praxis verändert: **Mehr Rückmeldung ist nicht besseres Rückmeldung.** 100 % Rückinformation führt zunächst zu schnellerer Aneignung, langfristig aber nicht selten zu schlechteren Behaltensleistungen als 50 %. Relative Rückmeldungshäufigkeit 10 % heißt 10 Informationen auf 100 Ausführungen. Zeitlich: Schnellinformation 0 < t < 30 s (Kurzzeitgedächtnis), Spätinformation t > 30 s (Langzeitgedächtnis), synchron = während der Ausführung. **KR** ist das Ergebnis, **KP** die Ausführung; **Cue** sagt, worauf zu achten ist, **Transition**, was zu ändern ist.

Und der zweite Befund: Instruktionen auf den **Effekt der Bewegung in der Umwelt** (externer Fokus) sind wirksamer als Instruktionen auf die eigene Körperbewegung (interner Fokus). Nicht zu verwechseln mit dem internen/externen *Anstoß* zur Bewegung von Folie 8.

Zum Schluss die Sportspiele: Fertigkeiten werden **aus dem Spiel** gelernt, nicht das Spiel durch isoliert gelernte Fertigkeiten.

**Dokumentierter Fehler:** Der Zusatz „Fokus auf Bewegungen" hinter „extern" ist ein Fehler der Revision — das beschreibt den internen Fokus.

**Stolperstein:** Leisten und Lernen werden gleichgesetzt; häufiges Feedback wird für gutes Feedback gehalten.

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## Modul 10 · Taktik & Entscheidungshandeln
*52 Karten · 40 Fragen · 10 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie kommt eine taktische Entscheidung im Wettkampf zustande — und wie trainiert man sie, wenn sie unter Zeitdruck gar nicht bewusst getroffen wird?

Drei Definitionen: Hohmann et al. (2010) — System von Handlungsplänen und Entscheidungsregeln, das Trainings- *und* Wettkampfverhalten reguliert; Olivier et al. (2008) — Teilaspekt der sportlichen Leistungsfähigkeit, individuell und kollektiv; Hottenrott & Hoss (2013) — Nutzung des durch Regelwerke festgelegten Spielraums. Die Grenze, die zählt: **Strategie ist vor dem Wettkampf geplant, Taktik im engeren Sinne während des Wettkampfes entschieden** — und beides zusammen heißt wieder Taktik.

Die Bedeutsamkeit der Taktik steigt mit vier Einflussfaktoren: Regelfreiheitsgrade, Kooperation, äußere Bedingungen, Gegnereinfluss. Merkregel für die Komponentenfrage: Steht „klassisch" in der Aufgabe, sind es drei (Kondition, Technik, Taktik); steht „Säulen" da, sind es vier (plus Kognition).

Der Kern sind die **vier Modelle**, jedes mit einer eigenen Frage:

- **Mahlo (1965)** — Wahrnehmen → Entscheiden → Ausführen, parallel und permanent. Beschreibt die **Phasenstruktur der Handlung**
- **Roth** — Programmauswahl (Was?) plus Variation (Wie?). Beschreibt die **Binnenstruktur der Entscheidung**
- **Raab** — Top-down und Bottom-up gleichwertig, wechselseitig abgestimmt, im Konflikt in Rivalität. Beschreibt, **welche Instanz** gewinnt
- **Hoffmann (1993)** — antizipative Verhaltenskontrolle. Erklärt gar nicht die Auswahl, sondern den **Wissenserwerb**

Getrennt werden Top-down und Bottom-up über die **Verbalisierbarkeit**: Kannst du die Regel nennen, war es top-down. Der **Zeitdruck-Effekt** (Raab): Unter Zeitdruck dominieren die schnelleren Bottom-up-Prozesse; unter äquivalenten Randbedingungen der Komplexität führen eher die kognitiv erlernten Regeln. Der Effekt sagt, *welche Instanz* sich durchsetzt — die **Heuristik** sagt, *nach welcher Regel* entschieden wird.

Die beiden Heuristiken (Faustregeln unter Zeitdruck, Unsicherheit und eingeschränktem Wissen): **Take-the-Best** wählt den besten Hinweisreiz (Volleyball — bei gleicher Basisrate wird der „heiße" Spieler angespielt), **Take-the-First** die zuerst kognizierte Handlung (Handball — die Qualität sinkt mit der Zahl der Lösungsvarianten; Experten wählen weniger, dafür situationsangepasstere Optionen).

Methodisch: **konvergente** taktische Denkfähigkeit = Spielintelligenz (die eine richtige Lösung), **divergente** = Kreativität (Originalität, Flexibilität, Flüssigkeit). **Explizites** Training benennt die Wenn-dann-Regel — mit drei Grenzen nach Roth: unvollständige Abdeckung, Vergröberung durch Wenn-dann-Klassen, kognitive Ressourcenbeanspruchung. **Implizites** Training arrangiert die Situation: gezielte Spielformen mit hoher Dichte entscheidungsrelevanter Merkmale plus selektive Aufmerksamkeitslenkung. Reihenfolge: vom impliziten zum expliziten Lernen.

Die **Straßenspielhypothese** führt fehlende taktische Kreativität nicht auf das Vereinstraining selbst zurück, sondern auf seine zeitliche Vorverlegung vor die freie Spielerfahrung. Und die Konzepte: **SMART** setzt an der Situation an, **TGfU** am Spielverständnis, **Decision Training** an der Druckbedingung. Prüfstein jeder Übungsform: Muss wahrgenommen und ausgewählt werden?

**Stolperstein:** Die vier Modelle werden vertauscht; Zeitdruck-Effekt und Heuristik werden gleichgesetzt.

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## Modul 11 · Wechselwirkungen & Concurrent Training
*38 Karten · 30 Fragen · 7 Tabellen*

**Leitfrage:** Wann fördern sich zwei Trainingsinhalte gegenseitig, wann hemmen sie sich — und was folgt daraus für Reihenfolge, Umfang und Abstand?

Die Grundregel: **Wechselwirkungen sind gerichtet.** Die Wirkung von A auf B ist nicht die Wirkung von B auf A. Erst die Pfeilrichtung, dann das Urteil — und ohne Art, Umfang, Intensität und zeitliche Anordnung gar kein Urteil.

**Concurrent Training** = gleichzeitiges Training mehrerer Fähigkeiten, klassisch Kraft und Ausdauer. **Wechselwirkung** (Olivier et al. 2008) = das Training einer Einflussgröße wirkt auch auf andere, weil Trainingsbelastungen immer mehrere Teilsysteme beanspruchen. Der **Interferenzeffekt** trifft die **Kraft**, nicht die Ausdauer — und er zeigt sich erst im Verlauf der Wochen.

Hicksons Studie (1980): drei Gruppen, 10 Wochen, dieselben Muskelgruppen — S 30 min an 5 Tagen/Woche, E 40 min an 6 Tagen/Woche, S&E kombiniert. Ergebnis: E erhöht die Kraft nicht, S erhöht sie, S&E zeigt erst Zuwachs, dann Abfall. Die Meta-Analyse verschiebt die Frage von *ob* zu *unter welchen Bedingungen* — drei Moderatoren: Art und Weise, Häufigkeit, Dauer. Empfehlung: Ausdauertraining **nicht länger als 20–30 min und nicht öfter als 3× pro Woche**. Für Explosivkraft und hohe Kraftanstiegsraten das gleichzeitige Training *einschränken*; für Maximalkraft und Hypertrophie das Ausdauertraining *sportartspezifisch auswählen*.

**Akut gegen chronisch** — die Unterscheidung, an der die Klausurfrage hängt: **akut** = Stunden bzw. eine Einheit, Ursache reduzierte Energiespeicher (Glykogen, Kreatinphosphat) und abgesenkter intrazellulärer pH-Wert, **nur** bei übereinstimmenden Muskelgruppen, Gegenmittel getrennte Einheiten und ausreichende Erholung. **Chronisch** = über Wochen, betrifft die Anpassung selbst, Ursache von der Vorlesung **nicht** benannt. Bei Untrainierten keine negativen Effekte; bei erfahrenen Athleten wirkt alleiniges Krafttraining stärker (Nóbrega et al. 2005: 4 Gruppen, 12 Wochen).

Die übrigen Paare: Statisches Dehnen kostet kurzfristig etwas Schnellkraft; Beweglichkeit gewinnt nur, wer Beweglichkeit trainiert. Koordination fördert jede komplexe Leistung; umgekehrt stört Kondition sie nur kurzfristig und nur lokal — Technik zuerst, Kondition danach.

**Was die Vorlesung ausdrücklich nicht sagt:** keine Reihenfolgeempfehlung Kraft/Ausdauer innerhalb eines Tages, keine Stundenzahl für den Erholungsabstand, kein Mechanismus für den chronischen Kraftabfall. Studienlage: bestätigt Dudley & Djamil (1985) und Kraemer et al. (1995); **nicht bestätigt** Sale et al. (1990) — was nicht heißt: widerlegt. Leitsatz: „So einfach ist es nicht."

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# KOGNITION & WAHRNEHMUNG

## Modul 12 · Kognitives & mentales Training, Talent
*47 Karten · 38 Fragen · 8 Tabellen*

**Leitfrage:** Wie viel sportliche Leistung entsteht im Kopf — beim Training der bloßen Bewegungsvorstellung ebenso wie bei der Frage, ob ein Talent gefunden oder erarbeitet wird?

Erste Abgrenzung: **Psychologisches (= mentales) Training** übt mentale Fertigkeiten; **kognitives Training** übt die Informationsverarbeitung, aus der die sportliche Leistung selbst entsteht. Das **Bewegungsvorstellungstraining (BVT)** gehört zum zweiten.

Warum eine bloße Vorstellung wirkt — zwei konkurrierende Erklärungsfamilien: das **ideomotorische Prinzip** (Vorstellung aktiviert die Muskulatur geringer als die Ausführung, unterschwellig im EMG nachgewiesen; die Rückinformation optimiert die motorische Programmierung — Kritik: die Rückinformation unterscheidet sich erheblich, und die Wirkung tritt auch ohne muskuläre Aktivität ein) und die **kognitiven Theorien** (Aufbau und Ausdifferenzierung der zentralen Repräsentation, wirksam nur bei direkt umsetzbarem Innervationsmuster). Folie 22 postuliert beide. **Funktionelle Äquivalenz**: Vorstellung und Ausführung greifen weitgehend auf dieselben neuronalen Strukturen zurück — äquivalent in der Ansteuerung, nicht in der Rückmeldung, und nicht gleichwertig im Effekt.

**Motor Imagery** ist die interne Perspektive (sehen *und* fühlen), **Mental Imagery** die externe (visuell). Rangfolge der Wirksamkeit: BVT + körperliches Training > körperliches Training allein > BVT allein.

**IMK-Training** erzeugt echte Kraftgewinne, weil ein Teil des Kraftzuwachses zentralnervös entsteht: isometrische Fingerabduktion über 4 Wochen, IMK plus leichte physische Ausführung über 20 % Zuwachs, leichte Ausführung allein keiner. Bei Immobilisation bremsen 3 mentale Übungsphasen pro Tag zu je 5 Minuten über 10 Tage den Verlust — dazugewinnen lässt sich so nichts.

Der zweite Modulteil: **Talent.** Talent ist ein Zuschreibungs- und Prognosebegriff — zugeschrieben wird ein Potenzial, beobachtbar ist immer nur die aktuelle Leistung. Die Definition (mod. nach Hohmann & Carl 2002) verlangt: unter Berücksichtigung des bereits realisierten Trainings, im Vergleich mit Referenzgruppen ähnlichen biologischen Entwicklungsstandes und ähnlicher Lebensgewohnheiten überdurchschnittlich leistungsfähig — und begründbar anzunehmen, dass später Spitzenleistungen erreicht werden. Güllich (2013): Ohne Belastbarkeit, Trainingsmöglichkeiten, -motivation oder soziale Unterstützung gilt jemand folglich nicht als Talent.

Warum die Prognose scheitert: Jede **Cut-off-Schwelle** auf der jugendlichen Leistung erzeugt beide Fehlertypen — verschieben lassen sie sich, beseitigen nicht (Vier-Felder-Schema: erwartete Top-Athleten, unerwartete Top-Athleten, erwartete und unerwartete „Nicht-Erreicher"). Dazu die **Relative-Age-Effect-Kette**: Altersunterschiede bis zu einem Jahr innerhalb der Gruppe → mehr Größe, Schnelligkeit, Kraft → mehr Aufmerksamkeit und Förderung → größere Leistungsentwicklung. Der Stichtag verteilt Vorteile, die Förderung verstetigt sie — nicht zu verwechseln mit dem biologischen Entwicklungsstand (früh- oder spätreif).

Der **Expertiseansatz** (retrospektiv, Zugang sichern) gegen den **Begabungsansatz** (prospektiv, sichten): Nicht die Menge des Trainings macht den Experten, sondern Menge mal Qualität über mindestens zehn Jahre (**Deliberate Practice**). Die 10-Jahres-Regel sagt *wie lange*, das Phasenmodell *in welcher Reihenfolge*, das Einstiegsalter *ab wann* (mindestens 10 Jahre vor dem Höchstleistungsalter — ein Abstand, kein Alter), das Schwellenkonzept *für wie viele*. Abschluss: die sechs Rahmenleitlinien von Lames & Werninger (2011), Kern — prozessuale Talentdiagnostik statt Alles-oder-Nichts-Sichtungen.

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## Modul 13 · Propriozeption & Mechanorezeptoren
*46 Karten · 38 Fragen · 8 Tabellen*

**Leitfrage:** Welche Information liefern die Sensoren von Haut, Muskeln und Sehnen — und was geschieht mit der Bewegung, wenn diese Rückmeldung ausfällt?

Begriffliche Weichenstellung: **Propriozeptive Wahrnehmung** ist die weite Fassung (Haut + Muskel + Gelenk, andernorts somatosensorische Wahrnehmung), **Propriozeption** im engen Sinne meint nur die Muskulatur. Mechanorezeptoren übersetzen mechanische Kraft in Nervenimpulse (Transduktion); unterscheidbar wird der Reiz über vier Merkmale — adäquater Reiz, Empfindlichkeit, Größe des rezeptiven Feldes und Adaptationsverhalten.

Das **Vier-Felder-Raster der Hautrezeptoren** — zwei Achsen (Feldgröße × Adaptation) trennen sie vollständig:

| Rezeptor | Reiz | Adaptation | Feld | Dichte / Auflösung |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| **Merkelzellen** | Druck, Form, Kanten | langsam | klein | 100/cm², < 1 mm |
| **Meissnerkörperchen** | leichte Berührung, Bewegung auf der Haut | rasch | klein | 150/cm², < 3 mm |
| **Pacinikörperchen** | Vibration, schnelle Druckänderung | rasch | groß | kaum Ortsauflösung |
| **Ruffinikolben** | Hautdehnung, Gelenkstellung | langsam | groß | Stellungswahrnehmung |

Merkel drückt, Meissner streicht, Pacini vibriert, Ruffini zieht. Wer weiterfeuert, meldet den Zustand; wer nur bei Beginn und Ende feuert, meldet die Änderung. Rauigkeit entsteht nicht aus einem Rezeptor, sondern aus dem Vergleich zweier Antworten — Tasten heißt bewegen, Rauigkeit ist eine Frequenz, keine Form.

Die zweite große Abgrenzung — **Länge gegen Spannung**: Die **Muskelspindel** liegt *parallel* im Muskelbauch, misst Dehnung *und* Dehnungsgeschwindigkeit (Afferenzen Ia und II), löst den monosynaptischen, **erregenden** Dehnungsreflex aus und wird über die γ-Motoneurone über den ganzen Längenbereich empfindlich gehalten. Das **Golgi-Sehnenorgan** liegt am Übergang Muskel–Sehne, *in Reihe*, misst Muskelspannung und Kraft (Afferenz Ib) und wirkt über ein Interneuron **hemmend** (Eigenhemmung, Schutz vor Überlastung). Gelenkrezeptoren in Kapsel und Bändern melden Winkel- und Geschwindigkeitsveränderungen und liefern auch in Ruhe Stellungsinformation.

Was passiert, wenn die Rückmeldung ausfällt — fünf Belege: **Ian Waterman** (Bewegung nur noch zentral gesteuert und visuell kontrolliert; Schmerz und Temperatur bleiben, weil sie über getrennte Bahnen laufen — Hinterstrang-Lemniscus-medialis-System gegen Vorderseitenstrang). **Alter und diabetische Polyneuropathie** (Mikrotraumata, Druckgeschwüre, Teufelskreis bis zur Amputation). **Handschuhe** (veränderte Griffkraft, schlechtere Erkennung von Unebenheiten, aber intaktes sensomotorisches Gedächtnis — Park et al. 2016). **Eiswasserstudie** (Anstieg der Körperschwankung, veränderte Abrollstrategie — Taylor et al. 2004). **Deafferentiation** (wiederholtes Umknicken; unklar bleibt, ob Sensorerregbarkeit oder neuromuskuläres Zusammenspiel besser werden). Erst der reversible Ausfall macht den Beitrag eines Sinneskanals messbar.

**Zahlen:** Haut rund 2 m² und 10 kg · Braille 1 mm Erhebung, 2,3 mm Punktabstand, 3 Reihen × 2 Spalten, bis 600 Buchstaben pro Minute — der Daumen scheitert an der zu großen Zweipunktschwelle, nicht an der Empfindlichkeit · Eiswasserstudie 6 Versuche normal, 2 pro Durchgang unter Eis, Abrollanalyse bei 2, 16, 29, 50 und 75 % der Bodenkontaktphase.

**Drei Begriffsfallen:** propriozeptive Wahrnehmung (weit) gegen Propriozeption (eng) · Adaptation ist allein das Zeitverhalten, nicht die Empfindlichkeit · Rezeptordichte ist nicht Auflösung — Meissner ist dichter, Merkel löst feiner auf.

**Dokumentierter Widerspruch:** VL 12 Folie 7 schreibt die Slip Detection den Meissnerkörperchen zu, Folie 9 das Melden des Rutschens den Ruffinikörperchen.

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## Modul 14 · Lernen & visuelle Wahrnehmung
*47 Karten · 37 Fragen · 9 Tabellen*

**Leitfrage:** Was verändert sich beim Lernen im Nervensystem — und wie entsteht aus Licht auf der Netzhaut die Wahrnehmung, auf die sich Sportler verlassen?

Wieder zuerst die Abgrenzung: **Leistung** ist beobachtbar, vorläufig, nicht zwingend Folge des Übens und durch Leistungsvariablen beeinflussbar. **Lernen** ist nicht direkt beobachtbar, relativ dauerhaft, Folge des Übens, nicht durch Leistungsvariablen beeinflussbar und nicht auf Reifung und Wachstum zurückzuführen. Nachweis nur über den Retention-Test.

Die **Kandel-Kette**, vollständig und in dieser Reihenfolge: Cajal (1906) — innerhalb der Nervenzelle läuft die Information elektrisch (Aktionspotenzial), zwischen den Zellen chemisch (Neurotransmitter); nur Chemie ist regelbar, also sitzt das Gedächtnis an der Synapse. → **Aplysia**, die Meeresschnecke mit wenigen, sehr großen Zellen, und der Kiemenrückziehreflex am Siphos. → **Habituation** (leichte Berührung, Reflex wird schwächer, **LTD**) und **Sensitivierung** (Elektroschock am Kopf, Reflex wird stärker, **LTP**) — verändert wird weder Reiz noch Muskel, sondern die Übertragungsstärke der Synapse dazwischen, und zwar **parallel** zur Verhaltensänderung. → Hebb: „what fires together, wires together". → Einmalige Anregung = mehr Transmitter (Kurzzeitgedächtnis, einige Minuten); wiederholte Anregung = Genaktivierung und **neue Synapsen** (Langzeitgedächtnis). Kurzzeit heißt: dieselben Synapsen arbeiten stärker. Langzeit heißt: es gibt mehr Synapsen. Dazu die Unterscheidung deklaratives (explizites) gegen nicht-deklaratives (implizites, prozedurales) Gedächtnis.

Das **Auge**: Cornea (Hornhaut) liefert vorn die feste Grundbrechkraft, die Linse innen die verstellbare Feineinstellung über den Ciliarmuskel; Iris = Blende, Pupille = Öffnung. Fovea centralis = Zentrum des Blicks mit vielen Zapfen, Peripherie = viele Stäbchen und bewegungssensibel. Stäbchen sind 1000-mal lichtempfindlicher und liefern Graustufen, Zapfen das Farbsehen in drei Arten. Der blinde Fleck ist das Loch, an dem der Sehnerv das Auge verlässt.

Vom Sehfeld zum Cortex: Blick geradeaus rund **190°**, davon nur **1–2°** wirklich scharf (Fovea, rund ein Prozent) — deshalb muss der Blick aktiv geführt werden. Zentral = Objektidentifizierung, peripher = Raum-, Orientierungs- und Bewegungseindrücke. Der Weg: Retina → Sehnerv → Kreuzung → **CGL** → V1 → V2–V6, mit V1 Eingang, V2 Formen, V3 Ecken und Kanten, V4 Farben, V5 Körperteile und Bewegung, V6 Tiefe und Entfernung. **Ventraler Pfad** = „Was" (Form, Farbe, V4), **dorsaler Pfad** = „Wo" (Bewegung, V5). Sehen ist Konstruktion, nicht Abbildung — Illusionen sind der Preis dafür, dass das System Tiefe und Konstanz überhaupt erzeugt.

**Antizipation** = gedankliche Vorwegnahme eines Bewegungsereignisses mit dem Ziel, die eigene Handlung daran auszurichten. Reicht die Zeit nach dem Ereignis nicht mehr, muss die Handlung vorher beginnen. Drei Methoden: **zeitliche Verschlusstechnik** (temporal occlusion — Abbruch zu verschiedenen Zeitpunkten, Frage *Wann*, überzufällig gegen 50 % Raten), **räumliche Verdeckungstechnik** (spatial/event occlusion — Frage *Wo*, kausal: Arm und Hand notwendig, Handgelenkswinkel kritisch), **Eye-Tracking** (korrelativ: häufig fixiert = bedeutsam). Generelles Wahrnehmungstraining: Forschungslage unbefriedigend, Nutzen unklar; sportartspezifisch: positive Befunde. Studien: Müller et al. (2006) Cricket, Farrow et al. (1998) Tennis, Loffing et al. (2012, 2013), Woodman & Hardy (2003) Putt-Experiment.

**Stolperstein:** Leisten wird mit Lernen gleichgesetzt; Cornea und Linse werden verwechselt. Merkhilfe zur Revision: Ciliarmuskel = Scharfstellen ✓, Fovea = Zentrum ✓, Peripherie = Stäbchen ✓, Iris = Blende ✓ — aber **Cornea = Linse ✗**.

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# SONDERTHEMEN

## Modul 15 · Leichtes Schädelhirntrauma (Concussion)
*60 Karten · 35 Fragen · 9 Tabellen*

**Leitfrage:** Was ist ein leichtes Schädelhirntrauma, woran erkennt man es auf dem Platz — und wie führt man Betroffene sicher zurück in Schule und Sport?

Der Definitionskern: **Nicht der Kopftreffer macht die Gehirnerschütterung, sondern die Beschleunigung.** Ein direktes Trauma am Kopf ist keine Voraussetzung — Beschleunigung bzw. Entschleunigung genügt; ebenso wenig gehören Bewusstlosigkeit oder ein radiologischer Befund zur Definition. Abgegrenzt wird das LSHT gegen das mindestens mittelschwere SHT.

Die drei Begriffe, die verwechselt werden: **Second Impact** ist das Ereignis (zweite oder weitere Gehirnerschütterung), das **Second Impact Syndrom** die akute Komplikation (teils erhebliche Hirnschwellungen, kann tödlich sein), die **CTE** die progressive degenerative Hirnerkrankung nach *wiederholten* Kopftraumata — kognitiv, motorisch und psychiatrisch im Verlauf, neuropathologisch diagnostiziert (McKee et al. 2014; NFL-Risiko 0,1). Ereignis, Komplikation, Dauerfolge.

Die Lokalisation übersetzt sich in Symptome: Stirn = Planung und Impulskontrolle, Scheitel = Raumverarbeitung, Schläfe = Gedächtnis und Sprachverständnis, Hinterkopf = Sehen — motorische Sprache liegt frontal, Sprachverständnis temporal. An der Seitenlinie wird Funktion geprüft, nicht Struktur (King-Devick-Test, SCOAT6).

Das **Stufenschema** nach dem Amsterdam-Konsensus 2022: 4 Stufen Return-to-Learn plus 6 Stufen Return-to-Sport = 10, gesteuert nicht über die Zeit, sondern über die **Symptomtoleranz**. Start mit 5–15 min/Tag; Stufe 2A bis ca. 55 %, 2B bis ca. 70 % maxHR (maxHR = 220 − Alter). „Leichte und kurzzeitige Verschlimmerung" heißt: höchstens 2 Punkte auf der Skala 0–10, unter 1 Stunde, gemessen am Ausgangswert vor der Aktivität. Bei Stufen 1–3 wird unterbrochen und am nächsten Tag fortgesetzt; bei Stufen 4–6 geht es zurück auf Schritt 3. Return-to-Learn dauert bei 93 % rund 10 Tage. Reihenfolge: erst kognitiv, dann kardiovaskulär, dann sportartspezifisch, dann Kontakt.

**Belasten statt schonen** — der **Buffalo Concussion Treadmill Test**: Start 0° Steigung bei 3,2–3,6 mph (5,2–5,8 km/h), nach 1 min auf 1°, danach +1° pro Minute bei konstanter Geschwindigkeit; Abbruch bei Ende des Laufbands, Symptomverschlimmerung, Müdigkeit oder RPE ≥ 17. **HRt** ist die mittlere Herzfrequenz der letzten Testminute, **ΔHR** = HRt − HR-Ruhe. Und hier die Richtung, an der die Klausur hängt: Eine **niedrige** HRt (≤ 135 bpm, Odds Ratio ≈ 45) bzw. ein **niedriges** ΔHR (≤ 50 bpm) sagen die *verlängerte* Erholung voraus — wenig Belastungstoleranz heißt lange Erholung. **Die Revision behauptet das Gegenteil und ist an dieser Stelle falsch.** Therapie mit 80 % der Schwelle, 20 min/Tag (Haider et al. 2019); normale Erholung ≤ 30 Tage.

Der **Kopfball** (Weber et al. 2022): 5,7 Kopfbälle je Feldspieler und Spiel; 34 Spiele, 3827 Kopfbälle, 37 kritische Ereignisse. Exposition frontal 81,3 %, temporal 9,6 %, parietal 4,8 %, occipital 3,6 %, facial 0,7 %. Kritische Ereignisse dagegen facial 28,0 %, temporoparietal 26,7 %, occipital 21,3 %, frontal 16,0 %, neck 8,0 % — **Häufigkeit ist nicht Gefährlichkeit.** Stewart et al. (2017): über 46 heading activities in 2 Wochen *oder* ein einziger unerwarteter Kopfstoß erhöhen ZNS-Symptome. Andersen et al. (2004, Elitefußball Norwegen/Island 1999–2000): injury rate 1,7 und concussion 0,5 je 1000 player hours.

Kopfballtraining **frühestens ab 14 Jahren**, weil Nackenkraft und radiale Bewegungswahrnehmung erst spät ausreifen (unter 8 Jahren keine Geschwindigkeitsunterscheidung, mit 14 Jahren erst 78 % bzw. 61 %). Regelungen: USA unter 10 Jahren keine, 11–13 eingeschränkt; UK unter 12 keine; Deutschland keine rechtlichen Einschränkungen.

Prävention nach GRADE-Evidenzgrad: Bodychecking-Verbot *high*, neuromuskuläres Aufwärmprogramm *moderate* (FIFA 11+ Kids, FUNBALL, Knee Control in Handball). Kraft erhöht die Belastbarkeit, Regeln senken die Exposition, Technik verbessert die Ausführung. Auch unterschwellige Kopfbelastung verändert die weiße Substanz — eine ausreichend lange Pause kann das zurückbilden.

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## Modul 16 · Training im Schulsport & Leistungsdiagnostik
*50 Karten · 35 Fragen · 10 Tabellen*

**Leitfrage:** Wird im Schulsport trainiert — und mit welchen Verfahren lässt sich zuverlässig messen, ob es etwas bewirkt?

Der Rahmen: 3 Sportstunden pro Woche (Klassen 5–6: 3 (+1); Klassen 7–10: 3 (−1)), 3 Kompetenzbereiche × 9 Bewegungsfelder = **27 Pflichtkombinationen**, 6 Inhaltsfelder, in Jahrgangsstufe 5 105 Stunden Obligatorik und 15 Stunden Freiraum — dazu die Notenpflicht. Der **Kernlehrplan** sagt, was gekonnt werden muss; der **schulinterne Lehrplan**, wann, woran und wie lange. Ausdauer ist curricular ausdrücklich vorgesehen — knapp ist nicht die Legitimation, sondern die Zeit.

Die Grundsatzfrage entscheidet die gewählte Definition, nicht der Unterricht:

- **Hollmann & Hettinger (1976)** — „systematische Wiederholung gezielter überschwelliger Muskelanspannungen mit morphologischen und funktionellen Anpassungserscheinungen zum Zwecke der Leistungssteigerung": Definition über das **Ergebnis**
- **Hohmann, Lames & Letzelter (2010)** — „planmäßige und systematische Realisation von Maßnahmen zur nachhaltigen Erreichung von Zielen im und durch Sport": Definition über das **Vorgehen**

Nur nach der zweiten ist der Schulsport ein reguläres Anwendungsfeld der Trainingswissenschaft.

Die Befundlage kippt an der **Häufigkeit**, nicht an der Härte. Thienes (2008, S. 283) im Wortlaut: „… dass weniger eine zu geringe Intensität oder ein zu geringer Gesamtumfang pro Sportstunde als vielmehr eine zu geringe Trainingshäufigkeit das Hauptproblem kennzeichnen." Einmal pro Woche 20–30 Minuten sind unzureichend; nötig sind längerfristige Zeiträume mit regelmäßig wiederkehrenden Anforderungen. Ausdauer: gute Einschätzung, uneinheitlicher Befund (Müller 1991: 8 % im 8-Minuten-Lauf). Kraft: schlechte Einschätzung — 80 % der Lehrkräfte nennen schlechte Bedingungen —, aber vorsichtig positiver Befund, überdauernde Effekte in Kombination mit zusätzlichem Krafttraining über 12 Wochen. Dazu die Abgrenzung Einsatztraining gegen sanftes Krafttraining.

Der zweite Teil ist die **Testtheorie**, und sie ist der Prüfungsschwerpunkt. Ein sportmotorischer Test erfasst den motorischen **Kern** — die schulsportliche Leistung ist mehrperspektivisch. Interindividuelle Differenzen (zwischen Personen) gegen intraindividuelle Veränderungen (innerhalb einer Person).

Die Hierarchie der Hauptgütekriterien (Folie 49) wörtlich: Ein valider Test ist auch reliabel und objektiv. Ein Test, der nicht objektiv ist, wird auch nicht reliabel und somit nicht valide sein. Ein objektiver und reliabler Test **muss nicht** valide sein.

- **Objektivität** = Anwenderunabhängigkeit, in drei Unterformen (Durchführung, Auswertung, Interpretation), gesichert durch Manual plus dessen Einhaltung
- **Reliabilität** = Zuverlässigkeit, geprüft im Test-Retest über die Korrelation der Rangreihen, Einflussfaktor Übungseffekte
- **Validität** = inhaltlicher Wert (Inhalts-, Kriteriums-, Übereinstimmungs-, Vorhersagevalidität) — fehlt sie, ist der Test wertlos

Merkbild: **Streuung = Reliabilität, Treffpunkt = Validität.** Nebengütekriterien: Normierung und Ökonomie.

Normwerte: z = (x − M)/SD, **T = 50 + 10 · z** — Mittelwert 50, Standardabweichung 10, die Spanne 40 bis 60 umfasst rund zwei Drittel. Dieselbe Rohleistung ergibt je nach Normtabelle Leistungsklasse 1 oder 3; und ein großer Stichprobenumfang (N = 750 000) ist keine repräsentative Normstichprobe.

Der Praxisvergleich **MFT gegen DMT 6-18** an genau den vier Punkten, an denen sich Testqualität entscheidet: Gütekriterien nicht transparent überprüft / transparent überprüft · Durchführungsanweisungen unklar / klar und mit Videomaterial · Übungen nicht optimal gewählt / aufwändige Konstruktion mit Einordnung in die Systematik motorischer Fähigkeiten · keine repräsentative Normstichprobe / repräsentative Normstichprobe. Regel für die Praxis: Ergebnisse niemals unkommentiert weitergeben; Tests sind kein alleiniges Maß der Beurteilung. Und die Zweckfrage: Beschreibung des aktuellen Zustands (Screening) gegen Prognose (Zulassungsauswahl).

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# Was sich quer durch die Module zieht

**Die Abgrenzungen, die mehrfach auftauchen** — sie sind erfahrungsgemäß die Klausurfragen:

| Paar | Wo |
| --- | --- |
| Fähigkeit ↔ Fertigkeit | m1, m8, m9 |
| Leisten (Produkt) ↔ Lernen (Prozess) | m1, m9, m14 |
| Belastung (außen) ↔ Beanspruchung (innen) | m2, m5, m9 |
| intramuskulär ↔ intermuskulär | m5, m7 |
| Komplexitätsdruck (sukzessiv) ↔ Organisationsdruck (simultan) | m8, m9 |
| Objektivität → Reliabilität → Validität | m4, m16 |
| aerobe (2 mmol/l) ↔ anaerobe Schwelle (4 mmol/l) | m3, m4 |
| Antizipation (was kommt) ↔ Entscheidung (was tun) | m10, m12, m14 |

**Die dokumentierten Widersprüche** — bewusst nicht geglättet, jeweils mit beiden Fassungen auf der Karte:

- **m4** — „AS" heißt in der Vorlesung *aerobe*, in der Revision *feste anaerobe* Schwelle
- **m6** — Folie 12: „Gesamtmuskellänge verändert sich nicht" gegen Revision S. 9: „wird länger"
- **m6** — 5 % Risikoreduktion (nicht signifikant) gegen 25–50 % verhinderbare Muskelverletzungen
- **m9** — Revision schreibt „extern (Fokus auf Bewegungen)"; das beschreibt den internen Fokus
- **m13** — VL 12 Folie 7 gegen Folie 9: Slip Detection bei Meissner oder Ruffini
- **m14** — Revision setzt Cornea = Linse; falsch
- **m15** — Revision dreht die HRt-Vorhersagerichtung um
- **m16 / m1** — Martin (1991) und Hollmann & Hettinger (1976) stehen für dieselbe Definitionsstelle

**Zwei offene Lücken**, sichtbar markiert statt erfunden: Die vier Roth-Prinzipien des Techniktrainings haben in keiner Quelle eine ausformulierte Erklärung, und der LSHT-Symptomkatalog liegt in den Folien nur als Bild vor.

**Ein Foliennummern-Versatz** von +1 zwischen Marker und gedruckter Seitenzahl besteht in VL 5 (ab ca. F31), VL 7 Schnelligkeit und VL 10 — dokumentiert auf Karte m1-97.
