# Trainingswissenschaften — Zusammenfassung auf Klausurniveau

**3. Semester Sport · WWU Münster · Prof. Dr. E. Eils**
**Klausur: 90 Minuten · 51 Punkte zum Bestehen**

Quellenbasis: die eigene Revision (12 Seiten). 13 Vorlesungen. die Gastvorlesung zum leichten
Schädelhirntrauma und das Krafttrainings-Seminar. Foliendeckung 583 von 614 inhaltstragenden
Folien (94 %); die restlichen 31 sind Titel-. Agenda- und Literaturfolien. Jede Aussage in diesem
Dokument ist gegen die 779 Lernkarten. 151 Vergleichstabellen und 366 Glossareinträge des
Klausurtrainers geprüft. Wo etwas gesichertes Lehrbuchwissen ist. das **nicht** auf den Folien
steht. ist es als *Ergänzung (nicht Folieninhalt)* gekennzeichnet.

## Wie dieses Dokument aufgebaut ist

Jedes der 16 Module folgt derselben Gliederung:

| Abschnitt | Wofür |
| --- | --- |
| **Leitfrage** | Die Frage. die das Modul beantwortet — daran hängt die Auswahl des Stoffs |
| **Definitionen. die sitzen müssen** | Was wörtlich oder nah am Wortlaut verlangt wird. mit Autor und Jahr |
| **Sachabschnitte** | Der Stoff mit Mechanismus: nicht nur *was*. sondern *warum es so ist und was folgt* |
| **Zahlen. Werte. Grenzen** | Jede Zahl der Vorlesung mit Einheit. Gegenstand und Quelle |
| **Trennscharf** | Alle Abgrenzungen des Moduls. jeweils mit dem Kriterium. das die Grenze markiert |
| **Klausurfallen** | Was schiefgeht. plus die Stellen. an denen Revision und Vorlesung auseinandergehen |

Am Ende steht ein Querschnitt: die Abgrenzungen. die in mehreren Modulen wiederkehren. die
dokumentierten Widersprüche und die Stellen. an denen das Material selbst lückenhaft ist.

Umfang: 34.591 Wörter über 16 Module.

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# Grundlagen

## Modul 1 · Grundlagen & Begrifflichkeiten

> **Leitfrage:** Was ist Training, was leistet die Trainingswissenschaft — und mit welchen Begriffen und Modellen beschreibt sie sportliche Leistung?

Das Modul arbeitet von außen nach innen: erst der Trainingsbegriff und die Herkunft des Wissens aus den Meisterlehren, dann das Fach, das dieses Wissen erzeugt und prüft, dann sein Gegenstand — Training, Leistungsfähigkeit, Bewährungssituation — samt einem Leistungsbegriff, der mehr umfasst als das Resultat. Es folgen die Unterscheidungen, an denen die Klausur hängt: Leisten gegen Lernen, Fähigkeit gegen Fertigkeit, konditionell gegen koordinativ. Am Ende die Modelle der sportlichen Leistungsfähigkeit, jedes mit der Kritik, die die Vorlesung an ihm übt.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Training** — planmäßige und systematische Realisation von Maßnahmen (Trainingsinhalte und -methoden) zur nachhaltigen Erreichung von Zielen im und durch Sport (Hohmann, Lames & Letzelter, 2010).
- **Trainingswissenschaft** — sportwissenschaftliche Disziplin, die sich aus ganzheitlicher und angewandter Perspektive mit der wissenschaftlichen Fundierung von Training und Wettkampf auf den Anwendungsfeldern des Sports befasst (dies., 2010).
- **Technologische Regel** (= Trainingsmethode) — handlungsanleitende Ziel-Mittel-Verknüpfung: Wenn Ziel Z erreicht werden soll, dann setze Maßnahme M ein.
- **Sportliche Leistung** — Einheit von Vollzug und Ergebnis einer sportlichen Handlung bzw. komplexen Handlungsfolge, gemessen bzw. bewertet an sozial determinierten Normen (Schnabel, Harre & Krug, 2014, S. 36).
- **Motorisches Lernen** — relativ überdauernde, erfahrungsabhängige Änderung des Verhaltenspotenzials: der koordinativen Funktionskapazitäten (Müller, 2006); im Verhalten oder Verhaltenspotenzial durch wiederholte Erfahrung in einer bestimmten Situation (Bower & Hilgard, 1983); durch Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen (Singer & Munzert, 2004).
- **Boxology** — Denken in starren Schubladen: Modelle, die Komponenten nur benennen und mit Pfeilen verbinden, ohne die Wechselwirkungen zwischen den Subsystemen abzubilden (Hohmann, Lames & Letzelter, 2010).

### Trainingsbegriff und der Weg von der Meisterlehre zur Theorie

Vier Elemente: *Mittel* (Inhalte, Methoden), *Vorgehen* (planmäßig, systematisch), *Zweck* (nachhaltige Zielerreichung), *Kontext* (Sport). **Planmäßig** ist die begründete Zuordnung von Maßnahme zu Ziel, nicht bloß Regelmäßigkeit; **systematisch** meint die **Analyse des Anwendungsfeldes**. *Im* Sport liegt das Ziel im Sport, *durch* Sport außerhalb („glückliches Altern“). Der **offene Trainingsbegriff** ließ die Einschränkung auf das Anwendungsfeld Leistungssport fallen; hinzu kamen Fitness-, Gesundheits-, Alters- und Schulsport, Zielrichtungen: Leistung steigern, Fitness erhalten, Leistungsfähigkeit wiederherstellen. Enger sind Schnabel et al. (1994) — **Handlungsfeld** zur Vervollkommnung der körperlich-motorischen Leistungsfähigkeit und ihrer personalen Voraussetzungen, pädagogisch-tätigkeitsbezogen; Hollmann & Hettinger (1990) — **Präsentation im Wettkampf**, wettkampforientiert; Martin et al. (1991) — **überschwellige Muskelanspannungen** mit morphologischen und funktionellen Anpassungen, biologisch-adaptiv; letztere erfasst ein reines Taktiktraining am wenigsten. Eine **Meisterlehre** ist personengebunden und sagt nicht, ob der Erfolg *wegen* oder *trotz* der Methode eintrat; verallgemeinert wird in vier Stufen: Meisterlehre → spezielle Trainingslehre (Gerschler übernimmt Zátopeks Methode: Freiburger Intervalltraining) → allgemeine Trainingslehre → trainingswissenschaftliche Theorie, übertragbar auf Rudern oder Schwimmen.

### Das Fach: integrativ, empirisch, angewandt

Jedes Merkmal beantwortet eine andere Frage. **Integrativ**: woher das Wissen kommt — aus mehreren Bezugsdisziplinen, eine eigene Basis-Wissenschaft fehlt (erst Sportmedizin, dann Physik/Biomechanik, Psychologie, Soziologie, zuletzt die Trainingsmethodik); der Anspruch gilt als *bisher kaum gelöst*. **Empirisch**: wie es gesichert wird — Prüfung an der Wirklichkeit über Forschungshypothesen und Verfahren, die den Testgütekriterien genügen. **Angewandt**: wozu es dient — Unterstützung praktischen Handelns im Sport. Der Preis: Vorteil „härtere“ Erkenntnisse, Nachteile **geringere Handlungsorientierung** und **Vorläufigkeit der Befunde**, denn je strenger die Absicherung, desto enger die Geltungsbedingungen. In Deutschland eigenständige Disziplin, im angloamerikanischen Raum steht die **Exercise Physiology**. Drei Wissenstypen: wissenschaftlich abgesichertes (Wissenschaft) → verallgemeinertes handlungsrelevantes (Lehre) → handlungsrelevantes Wissen (Praxis). Als überlappende Mengen vier Bereiche: nicht unmittelbar handlungsrelevantes Wissen der Wissenschaft, wissenschaftlich bewährtes und nicht wissenschaftlich bewährtes Wissen der Lehre, Praxiswissen außerhalb der Lehre (Ort der Meisterlehren); Aufgabe des Fachs ist die Überführung des dritten in den zweiten.

### Gegenstand und Leistungsbegriff

Drei Gegenstandsbereiche (mod. nach Schnabel, Harre & Krug, 2008, S. 19): **Training** als zentraler Gegenstand (Ziele, Inhalte, Methoden; Planung, Kontrolle, Auswertung; Belastung–Beanspruchung), **Leistungsfähigkeit** als motorisches Können (Modelle, Systematik und Determination der Leistungskomponenten, Leistungsdiagnostik, Entwicklung), **Bewährungssituation** (Modelle der Wettkampfleistung, Wettkampfverhalten, komplexe Wettkampfleistung). Interessant sind die sechs *benannten* Pfeile, nicht die Bereiche — das trennt die Denkfigur vom Kästchenbild und macht sie zur Antwort auf die boxology-Kritik. Der Leistungsbegriff kommt aus vier Richtungen: **Kunst und Handwerk** — Resultat in gegenständlicher Form, kategorisiert nach dem Wert, den die Gruppe dem Ergebnis *und seinem Zustandekommen* beimisst; **Naturwissenschaft** — Arbeit pro Zeiteinheit, mit biologischen Kennwerten verknüpft, dem Wesen menschlicher Leistung nur teilweise gerecht; **Sozialwissenschaft** — Abhängigkeit von sozial determinierten Werten, Interesse am Leistungsvollzug; **Sportwissenschaft** — Höhen, Weiten, Punktzahlen (Schwierigkeitsgrade plus Ausdruck), dazu Leistungsmotivation und Umgang mit Drucksituationen mit eigenen Testverfahren. Fehlt das *Leisten*, also das Bewältigen der Anforderung, fehlt der Kern; Leistung enthält immer eine Referenz — zu anderen oder zur eigenen Vorleistung.

### Leisten und Lernen

**Leistung** ist beobachtbar, vorläufig, nicht zwingend Folge des Übens und durch **Leistungsvariablen** (Rückmeldung, Motivation, Tagesform) beeinflussbar; **Lernen** ist nicht direkt beobachtbar, relativ dauerhaft, Folge des Übens und durch Leistungsvariablen nicht beeinflussbar (Magill, 2004; Beispiel: 3-Ball-Jonglage). Der Schluss auf die verborgene Größe stützt sich auf vier Leistungsveränderungen: **Verbesserung**, **Stabilität** (weniger Streuung), **Persistenz**, **Anpassbarkeit** an wechselnde Umweltbedingungen bei sinkendem Aufmerksamkeitsaufwand. In der Leistungskurve (Tracking-Aufgabe, höherer y-Wert = bessere Leistung, idealisiert) sind Verbesserung und Stabilität ablesbar. Ausgeschlossen sind Reifung und Wachstum: Der Lernprozess ist umweltbedingt; ohne Gedächtnis kein Profitieren von Erfahrung, neurophysiologische Grundlage sind Veränderungen der Neurone. *Die* Lerntheorie des Sports gibt es nicht — acht Ansätze stehen unverbunden nebeneinander: kybernetisches Lernen, Lernen als Informationsverarbeitung, klassisches und operantes Konditionieren, Gestalttheorie, spiralförmiges Lernen, natürliches Lernen, 3-Phasen-Modell.

### Fähigkeiten, Fertigkeiten und die fünf motorischen Fähigkeiten

**Fähigkeiten** sind vererbt, stabil und überdauernd, abzählbar (vielleicht 50?) und Basis für viele verschiedene Fertigkeiten; sie sind leistungsbestimmend für ganze Klassen von Bewegungen, aufgaben- und situationsübergreifend, und liegen auf der **Prozessebene** (*wie*). **Fertigkeiten** entwickeln sich durch Übung, sind durch Training einfach modifizierbar, nicht abzählbar und hängen von mehreren Fähigkeiten ab; sie sind aufgabenspezifisch, auf der **Produktebene** (*was*). Die erreichte Ausprägung hängt von beidem ab: mitgebrachten Fähigkeiten *und* Quantität und Qualität der praktischen Erfahrungen. Ob es *eine* allgemeine motorische Fähigkeit gibt (analog zum Intelligenzquotienten), prüft man über **Korrelationen** zweier Tests: hohe positive Korrelation spräche für dieselbe zugrunde liegende Fähigkeit, geringe für verschiedene, spezifische (Schmidt & Lee, 2014). *· Ergänzung (nicht Folieninhalt):* Die Annahme gilt als nicht haltbar, die Befundlage stützt die Spezifitätsannahme. Die fünf motorischen Fähigkeiten — Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit, Koordination — werden **induktiv** (Beobachtung und Tests, vom Einzelfall zur Kategorie) und **deduktiv** (Anatomie und Physiologie) erschlossen und mod. nach **Bös (1987)** in konditionelle (energetische) und koordinative (informationelle) geteilt.

### Modelle der Leistungsfähigkeit: boxology und Deduktionsketten

Ein Strukturmodell soll die wesentlichen Komponenten der Wettkampfleistung **identifizieren** *und* die Leistungsvoraussetzungen **integrieren**; nur so lassen sich begründete Handlungsempfehlungen ableiten. Modelle **ohne Kriteriumsleistung** erfüllen nur das Erste: Das in der ehemaligen DDR verbreitete Modell ordnet die Komponenten sternförmig um die sportliche Höchstleistung an, Verbindungen untereinander nur bei Taktik, Koordination und Kondition; das **Modell des sportlichen Leistungszustands** stellt Erfahrungsaspekt und psychologisch-biologischen Theorieaspekt voran und sieht den Leistungszustand als Ergebnis des Handelns der **Gesamtpersönlichkeit** — andere Komponentenauswahl, ebenfalls ohne Kriteriumsleistung. Dreifache Kritik: Beschränkung auf Benennen und Verpfeilen, **Beliebigkeit der Auswahl**, **unklare Natur der Pfeile**; solche Bilder sind **nicht falsifizierbar** und heißen besser grafische Auflistung. Modelle **mit Kriteriumsleistung** zerlegen eine konkrete Leistung in leistungsbestimmende Elemente → stellen deren Bedeutung in hierarchischen Leistungsstrukturmodellen dar → leiten Empfehlungen für das trainingsmethodische Vorgehen ab. **Deduktionsketten** (Ballreich, 1996): Weite ← W1 bis W3, W2 wirkt am stärksten, dort v0x stärker als v0z, also vorrangig horizontale Absprunggeschwindigkeit trainieren; erst deterministische, dann statistische Zusammenhänge; individuelle Diagnose durch Vergleich mit den Werten anderer Sportler. Kritik: **Abhängigkeiten der Einflussgrößen untereinander nicht erfasst**, **statistische Betrachtungsweise nicht uneingeschränkt gerechtfertigt**. Fazit (Hohmann, Lames & Letzelter, 2010): Nur wenige Modelle nehmen die Wechselwirkungen zwischen den Subsystemen auf — ohne gültiges Strukturmodell trainiert man wieder nach Meisterlehre.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **ca. 40 Jahre** — so lange ist es her, dass nach Meisterlehren trainiert wurde.
- **80–400 km pro Woche** — Langstreckenbasis bei Arthur Lydiard; **17** von ihm zu olympischen Medaillen geführte Läufer, **1961** erster Jogging-Klub. Zátopek: extrem hohe Wiederholungszahlen im Intervall. Karl Adam: „Die Struktur der Leistung ist auf allen Gebieten gleich.“
- **vielleicht 50** — geschätzte Anzahl der Fähigkeiten; deshalb gelten sie als abzählbar.
- **70 Klimmzüge** — Beispiel für individuelle Unterschiede (Tagesspiegel, 01.08.2013).
- **5** motorische Fähigkeiten · **4 + 4** Merkmale von Fähigkeiten und Fertigkeiten · **4** Leistungsveränderungen beim Lernen · **8** Lerntheorien · **4** Stufen vom Rezept zur Theorie · **3** Wissenstypen, **4** Wissensbereiche · **3** Gegenstandsbereiche mit **6** benannten Pfeilen.
- **W1 bis W3** bestimmen die Weite, **W2** am stärksten, **v0x** stärker als **v0z** (Ballreich, 1996).
- Seiten: Schnabel et al. (1994, S. 16) · Hollmann & Hettinger (1990, S. 14) · Martin et al. (1991, S. 16) · Leistung (2014, S. 36) · Gegenstandsbereiche (2008, S. 19).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Trainingswissenschaft | Trainingslehre | Die Lehre **formuliert Regeln**, die Wissenschaft **begründet und prüft** sie. |
| Leistung | Erfolg | Vollzug plus Ergebnis an einer Norm gegen Abschneiden gegen die Konkurrenz; Leistung darf sich auf die eigene Vorleistung beziehen, Erfolg nie. |
| Leisten (Produkt) | Lernen (Prozess) | Beobachtbar, vorläufig, verzerrbar gegen nicht beobachtbar, dauerhaft, Folge des Übens. |
| Lernen | Reifung und Wachstum | Umweltbedingt gegen genetische Anlage bzw. Vergrößerung von Körperbaumerkmalen — beide ohne Üben. |
| Fähigkeit (latentes Konstrukt) | Testleistung (Indikator) | Das Gemeinte gegen das Messbare; der Schluss ist indirekt und hängt an Objektivität, Reliabilität, Validität. |
| Fähigkeit | Fertigkeit | Vererbt ↔ erlernt, stabil ↔ modifizierbar, abzählbar ↔ nicht abzählbar, Basis ↔ abhängig; Bewegungsname = Fertigkeit. |
| Konditionell (energetisch) | Koordinativ (informationell) | Begrenzender Faktor: Energiebereitstellung und Zustand des Bewegungsapparates gegen Aufnahme und Verarbeitung von Information. |
| Modelle ohne Kriteriumsleistung | Modelle mit Kriteriumsleistung | Struktur der Leistung allgemein gegen konkrete, eindeutig bestimmbare Leistung; dort zu unbestimmt, hier zu isoliert. |
| Deterministischer Zusammenhang | Statistischer Zusammenhang | Mechanisch zwingend mit der Zielgröße gegen an einer Stichprobe ermittelte Einflussstärke. |
| Martin et al. (1991) | Hollmann & Hettinger (1990) | Eingrenzung über den biologischen **Mechanismus** gegen Eingrenzung über den **Zweck**. |
| Naturwissenschaftlicher Leistungsbegriff | Sozialwissenschaftlicher Leistungsbegriff | Arbeit pro Zeiteinheit gegen sozial determinierte Werte und Leistungsvollzug. |

### Klausurfallen

- **Fähigkeit und Fertigkeit vertauscht** — der Stolperstein: zugrunde liegende, nur indirekt messbare Leistungsvoraussetzung (Prozessebene) gegen erlernte, beobachtbare Bewegungshandlung (Produktebene). Dieselbe Falle stellt Leisten gegen Lernen.
- **„Abzählbar“ falsch zugeordnet.** Abzählbar sind die Fähigkeiten; die Zahl möglicher Bewegungsaufgaben ist unbegrenzt.
- **Beweglichkeit als koordinative Fähigkeit.** Sie steht mod. nach Bös (1987) konditionell; die **Schnelligkeit** liegt als „Zwitter“ am Übergang beider Äste.
- **Widersprüchliche Zuschreibung der Muskelanspannungs-Definition.** VL 1, Folie 13 nennt Martin et al. (1991, S. 16), VL 10, Folie 20 dagegen Hollmann & Hettinger (1976). Sicher ist nur der Inhalt; wird nach dem Autor gefragt, nenne beide Fundstellen. Unstrittig: Arbeitsdefinition (Hohmann, Lames & Letzelter, 2010) und wettkampfgebundene Definition (Hollmann & Hettinger, 1990, S. 14).
- **Die beiden Modellkritiken vertauscht.** *Ohne* Kriteriumsleistung: beliebige Auswahl, unklare Pfeile, nicht falsifizierbar. *Mit* Kriteriumsleistung: präzise Größen, aber unerfasste Abhängigkeiten und nicht uneingeschränkt gerechtfertigte Statistik.
- **„Fähigkeiten verändern sich über die Zeit.“** Falsch: Es ändert sich, welche Fähigkeiten benötigt werden — das Anforderungsprofil.
- **„Gemessen“ statt „gemessen bzw. bewertet“.** Gemessen wird in cgs-Sportarten (Zentimeter, Gramm, Sekunde), bewertet in Kampfrichtersportarten.
- **Hohe Übungsleistung als Lernnachweis.** Nur der Retention-Test zeigt den überdauernden Effekt; konkurrierende Erklärungen: Wachstum, Reifung, Zufall.
- **Reihenfolgefallen.** Meisterlehre → spezielle → allgemeine Trainingslehre → Theorie; Wurzeln des Fachs: erst Sportmedizin, dann weitere Bezugsdisziplinen, zuletzt die Trainingsmethodik.
- **Spezifitätsannahme als Folieninhalt ausgegeben.** Die Vorlesung stellt nur die Frage und zeigt die Korrelationsdaten; die Bewertung ist eine Ergänzung.

## Modul 2 · Adaptation & Superkompensation

> **Leitfrage:** Wie reagiert der Organismus auf eine Trainingsbelastung — und wie steuert man Training so, dass aus der Reaktion dauerhafte Anpassung wird?

Der Organismus antwortet auf Training in vier Formen; ob eine Leistungsveränderung überhaupt eine solche Antwort ist, entscheidet sich gegen Lernen, Reifung und Wachstum. Zwei Gesetze von Mellerowicz und Meller (1972) regeln danach, *was* sich anpasst und *wie viel*. Darüber legt das Superkompensationsprinzip einen zeitlichen Verlauf, den vier Kritikpunkte in seinen Annahmen zerlegen; daneben treten das Modell der Anpassungsreserve (Martin, Carl & Lehnertz, 1991) und das Belastungs-Beanspruchungskonzept (Rohmert, 1984). Am Ende steht die Kette Belastung → Beanspruchung → Anpassung und der Regelkreis, der sie steuert (Olivier, Marschall & Büsch, 2008).

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Adaptation** — Anpassung des Organismus an spezifische Anforderungen der Umwelt. Kurzformel: Training = Setzen von Anforderungen, um Anpassungen zu bewirken.
- **Qualitätsgesetz** (Mellerowicz & Meller, 1972) — „Anwendungen spezieller funktioneller Übungsreize (Belastungen) von ansteigendem Maß lösen spezielle morphologische und physiologische Wirkungen auf den Organismus aus, die zu einer Steigerung spezieller Leistungen führen. Alle Trainingswirkungen werden von der Qualität des Trainings bestimmt.“
- **Quantitätsgesetz** (Mellerowicz & Meller, 1972) — Quantität des Trainings und Quantität der Wirkung verhalten sich nicht linear: Je näher die Leistungsfähigkeit an der maximalen liegt, umso geringer die Steigerungsrate.
- **Trainingsbelastung** — Gesamtheit der erfassbaren Einflüsse im Trainingssystem, die auf den Sportler einwirken (Rohmert, 1984).
- **Trainingsbeanspruchung** — die individuellen Auswirkungen der Trainingsbelastung auf den Sportler in Abhängigkeit von seinen Eigenschaften, Fähigkeiten und Fertigkeiten.
- **Ressourcen** — Mittel, die der Mensch einer Belastung entgegensetzen kann; Beanspruchung ist der Grad ihrer Ausschöpfung (Schönpflug, 1991).
- **Leistungssteuerung** — kurz-, mittel- und langfristige Abstimmung aller Maßnahmen für die Planung, Durchführung, Kontrolle, Auswertung und Korrektur sportlichen Trainings (Olivier, Marschall & Büsch, 2008, S. 55).

### Vier Formen, in denen der Körper antwortet

Ohne **Anforderung** keine Anpassung, und **spezifisch** heißt: Die Art der Anforderung bestimmt die Art der Anpassung — die biologische Wurzel des Qualitätsgesetzes. **Morphologisch** betrifft Gestalt und Struktur: Hypertrophie, Atrophie, Hyperplasie (Muskelhypertrophie, MacDougall, 1994); dass die Atrophie dazugehört, ist die Pointe — bei wegfallender Anforderung passt sich der Organismus ebenso spezifisch nach unten an. **Metabolisch** betrifft Energiebereitstellung und Substratumsatz: erhöhte Enzymaktivität, Veränderung der Energiespeicher, verbesserte mitochondriale Kapazität, erhöhte Kapillardichte, effizientere Laktatverwertung (Rechtsverschiebung der Laktatleistungskurve, Zintl, 1994). **Funktionell** betrifft die neuronale Ansteuerung der vorhandenen Muskulatur: muskuläre Koordination, Rekrutierung und Synchronisation, Frequenzierung, reflektorische Aktivität, Hemmungsmechanismen (EMG des M. gastrocnemius beim Drop-Jump, trainiert gegen untrainiert, Schmidtbleicher, 1988) — der Muskel wird nicht größer, sondern besser angesteuert, deshalb zeigen sich diese Anpassungen früh. **Informationell** betrifft die Informationsverarbeitung: Bewegungssteuerung und -koordination, Optimierung neuronaler Netzwerke, Aktivität kognitiver Kontrollprozesse, Kopplung von Wahrnehmung und Bewegung (Taktik, motorisches Lernen).

### Wann eine Leistungsveränderung ein Trainingseffekt ist

Leistungsfähigkeit **und** Trainierbarkeit sind genetisch disponiert und zugleich trainingsadaptiv; vererbt ist also auch, wie stark jemand reagiert. Von vier Ursachen ist nur eine ein Trainingseffekt: **Adaptation** (Training, strukturell), **Lernen** (Information, funktionell), **Reifung** und **Wachstum** (beide anlagebedingt) — Achsen der Folie: anlagebedingt ↔ erfahrungsabhängig, strukturell ↔ funktionell. Im Jugendalter überlagern sich alle drei. Die Zusammenfassung nennt fünf Phänomene: systematische Belastungen verbessern die Leistungsfähigkeit; die Wirkungen sind strukturell, metabolisch, funktional oder informationell; spezifische Belastungen erzeugen spezifische Effekte; nahe am Maximum sinkt die Steigerungsrate; Trainingserfolg erfordert optimale Trainingsquantität **und** -qualität.

### Superkompensation: vier Phasen, ein Zeitpunkt

Gezeigt wurde das Prinzip ursprünglich am **Glykogengehalt in der beanspruchten Muskulatur**, danach auf sämtliche trainingsbezogenen Anpassungen übertragen. **Belastungsphase:** Überschwellige Reize stören das dynamische Gleichgewicht der Stoffe und Leistungsfunktionen, es tritt eine reversible Beeinträchtigung ein (*Ergänzung, nicht Folieninhalt:* das ist die Homöostase). **Erholungs-/Wiederherstellungsphase:** zurück auf das Ausgangsniveau, mehr nicht. **Superkompensationsphase:** Mehrausgleich über den normalen Ausgangszustand hinaus — nur hier die Leistungssteigerung. **Rückbildungsphase:** Verlust des Effekts. Daraus die einzige Steuerungsregel des Modells: neuer Reiz auf dem Höhepunkt, woraus über mehrere Zyklen eine treppenförmige Niveausteigerung entsteht. Jahrzehntelang war es die theoretische Rahmenkonzeption für das Training der konditionellen Fähigkeiten, heute wird es immer stärker in Frage gestellt.

### Die vier Kritikpunkte und die Annahme, die jeder angreift

**1 · Überzogener Geltungsbereich** trifft die Annahme, das Modell gelte für alle Anpassungen: Nachgewiesen ist es nur am muskulären Glykogengehalt, herangezogen wurde es (z. B. nach Stiehler) für Kraft, Technik, Sehnenbelastbarkeit, Taktik. Die Vorlesung führt das an einer Kurve zum Bauchfettanteil vor, die sie selbst als „Vorsicht: Fake News“ und „Fake-News Eigenbau“ kennzeichnet.

**2 · Ermüdungsproblematik** trifft Phase 1 und damit die Voraussetzung der ganzen Kette: Nicht für alle organismischen Teilsysteme zeigt sich als spontane Belastungsreaktion eine Reduktion der Leistungsfähigkeit — zentralnervöses Aktivierungsniveau und Aktivierungsniveau des Herz-Kreislauf-Systems nehmen belastungsbedingt zu (Löllgen & Leyk, 2018). Ohne Absinken kein Wiederherstellen, ohne Wiederherstellen kein Mehrausgleich.

**3 · Heterochronizität** trifft Phase 3: Training spricht eine Vielzahl organischer Teilsysteme an, die zeitlich versetzt beansprucht und wiederhergestellt werden — Glykogengehalt der Muskelzelle gegen Sehnen. Die Folie fragt deshalb auf der Grafik „neuer Reiz ?“.

**4 · Linearitäts-/Kontinuitätsproblem** trifft die Kurvenform: konstante Veränderungsrate im Zyklus, beliebig fortsetzbare Treppe darüber hinaus. Dem widerspricht die Vorlesung selbst — es existiert eine genetisch determinierte Obergrenze der Anpassungskapazität. Das **Modell der Anpassungsreserve** (Martin, Carl & Lehnertz, 1991) trennt Trainingsleistung, aktuelle Leistungsfähigkeit (Funktionskapazität) und maximale Leistungsfähigkeit; die **Adaptationsreserve** dazwischen schrumpft mit steigendem Trainingszustand. Je näher die Trainingsleistung an die aktuelle Leistungsfähigkeit heranreicht, umso optimaler die Belastungsanforderungen.

### Belastung, Beanspruchung, Ressourcen

Grundidee des Belastungs-Beanspruchungskonzepts aus der Arbeitswissenschaft (Rohmert, 1984): In Abhängigkeit von individuellen Voraussetzungen — Fähigkeiten, Fertigkeiten, Eigenschaften — führt die gleiche Belastung zu verschiedenen Beanspruchungen. Beschreibbar wird sie über die **Komponenten der Teilbelastungen**: Aufgabe (Laufen), Situation (Wetter, Leistungsdruck), Arten der Belastung; daraus folgen Teilbeanspruchungen. Ressourcen sind doppelt unterschieden (Schönpflug, 1991): innen-strukturell Gedächtnis sowie technische und taktische Fertigkeiten, innen-konsumptiv die Energiespeicher (ATP, KP), außen-strukturell das Rennrad, außen-konsumptiv der Inhalt der Trinkflasche. Am **500-m-Sprint** zeigt die Vorlesung die Grenze: sechs Anteile — schnelligkeits-, kraftbezogene, koordinative, Ausdauer- und zweimal kognitiv bezogene Leistungsfähigkeit (Taktik, Motivation) — und keiner beziffert, es bleibt bei „? %“. Fazit: „Ermüdung“ spielt keine Rolle, damit entfallen eine Reihe möglicher Kritikpunkte, und beschrieben wird die Anpassung verschiedener organismischer Teilsysteme; dafür sind die Kenntnisse der Beanspruchungen und ihrer Effekte (Anpassung vs. Schädigung) noch defizitär, und Aussagen über den zeitlichen Verlauf erlaubt das Konzept nicht.

### Der Regelkreis der Leistungssteuerung

Anforderungsanalyse → Eingangsdiagnose → Ziel- und Normsetzung → Trainingsplanung → Trainingsdurchführung → Trainingsergebnis, geschlossen durch die Rückkopplungen **Leistungskontrolle** und **Trainingskorrektur**. Die **Anforderungsanalyse** erfolgt auf Basis von Leistungskriterien und liefert Informationen über Belastungen und Beanspruchungen in Sportart bzw. Alltag — über Literaturstudium, Fachartikel oder Olympia-Ergebnisse (Weltstandsanalyse); Normwerte etwa vom BASPO in Magglingen. Die **Eingangsdiagnose** bestimmt vor Beginn der Trainingsphase die Ressourcensituation und die Höhe der Leistungsfähigkeit über biomechanische und sportmotorische Tests (Jump-&-Reach, Fullerton Advanced Balance Scale mit dem Item *single limb stance*). Die **Ziel- und Normsetzung** legt die angestrebten Leistungsveränderungen fest und entsteht aus der Differenz beider. Die **Trainingsplanung** terminiert und beschreibt alle Maßnahmen, zerlegt den Zeitraum in Teil-Zeiträume (Periodisierung, je näher desto detaillierter) und plant Leistungskontrollen ein. Bei der **Trainingsdurchführung** werden alle Abweichungen dokumentiert — situativ (Wetter), organisatorisch (defekte Geräte), personal (Krankheit), dafür das Trainingstagebuch — und die Beanspruchung kontrolliert: objektiv über die Pulsfrequenz im Ausdauertraining, subjektiv über die Ausführungsqualität im Krafttraining.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **60 × 400 Meter in 60 s an 10 Tagen in Folge** — Extrembeispiel einer Anforderung.
- **71 %** Beanspruchung bei 10 km/h und Maximalleistung 14 km/h; **83 %** bei Maximalleistung 12 km/h.
- Belastung A < Belastung B, Beanspruchung A = B = **100 %**; Athlet B mit Belastung A bleibt darunter.
- Kraft **90 %**, Ausdauer **40 %**, Beweglichkeit **60 %** gegen Kraft **50 %**, Ausdauer **20 %** und Ausdauer **70 %** — Beanspruchungsprofile bei belastungsgesteuertem Training.
- **Max-HF = 220 − Lebensalter**, von der Folie ausdrücklich als unspezifisch gekennzeichnet.
- **RPE 6 bis 20** (Borg, 1974): 7 *very, very light* · 9 *very light* · 11 *fairly light* · 13 *somewhat hard* · 15 *hard* · 17 *very hard* · 19 *very, very hard*; Faustregel **RPE = HR / 10** (13 ≈ 130 min⁻¹), Bereich ca. 60 bis 200 min⁻¹.
- Referenzgrößen: Sprunghöhe der **2./3. Bundesliga** (Handball), kontralaterales Bein (nach Knie-OP), **DFB U12 männlich** (Fußball).
- **28–35 %** der Menschen ab **65** Jahren stürzen jährlich (WHO).
- Ziele: **+3 cm Sprunghöhe in 12 Wochen**; Kraftfähigkeit nach **3 Monaten** wie kontralaterales Bein; **10 s** Stehen auf einem Bein.
- Planung und Korrektur: **6 Wochen** detailliert, dann Leistungstest, dann zweite **6 Wochen**; Sprunghöhe verfehlt → **+6 Wochen**, Einbeinstand verfehlt → **+4 Wochen**.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
|---|---|---|
| Funktionell | Informationell | Ansteuerung eines Muskels gegen Auswahl des Bewegungsprogramms |
| Morphologisch | Metabolisch | Größe gegen Versorgung |
| Adaptation | Lernen | Beide erfahrungsabhängig; Training/strukturell gegen Information/funktionell |
| Adaptation, Lernen | Reifung, Wachstum | Erfahrungsabhängig gegen anlagebedingt |
| Qualitätsgesetz | Quantitätsgesetz | *Welcher* Reiz gegen *wie viel* Wirkung |
| Phase 2 | Phase 3 | Zurück *auf* das Ausgangsniveau gegen Mehrausgleich *darüber hinaus* |
| Reiz zu spät | Reiz zu früh | Niveau bleibt gleich gegen Ausgangsniveau sinkt |
| Kritik 1 | Kritik 3 | *Für welche Größen* gilt das Modell gegen *wann* superkompensiert welches Teilsystem |
| Kritik 2 | Kritik 3 | *Ob* überall Ermüdung eintritt gegen ob die Erholungszeiten gleich lang sind |
| Kritik 4 | Kritik 2, 3 | Form der Kurve, nicht Startpunkt (2), nicht Zeitpunkt (3) |
| Belastung | Beanspruchung | Außen und objektiv gegen innen und individuell (Ausschöpfungsgrad) |
| Arbeitswissenschaft | Sportwissenschaft | Belastung senken gegen Leistungsfähigkeit durch Belastung erhöhen; nur sportwissenschaftlich mit Fertigkeiten |
| Strukturelle Ressourcen | Konsumptive Ressourcen | Ohne Abbau gegen mit Abbau |
| Superkompensationsprinzip | Belastungs-Beanspruchungskonzept | Zeitverlauf mit konstitutiver Ermüdung gegen Teilsysteme ohne Ermüdungsbegriff und ohne Zeitaussage |
| Leistungssteuerung | Trainingsplanung | Ganzer Regelkreis gegen vierter Schritt darin |
| Anforderungsanalyse | Eingangsdiagnose | Aufgabenseite gegen Personenseite |
| Leistungskontrolle | Trainingskorrektur | Misst gegen die Norm; leitet daraus die Planungsänderung ab |

### Klausurfallen

**Belastung mit Beanspruchung gleichgesetzt** — der Stolperstein des Moduls: außen die objektive Vorgabe, innen die individuelle Reaktion. Trainingswirksam ist die Beanspruchung, deshalb fordert die Vorlesung beanspruchungsbezogene Vorgaben.

**Der Superkompensationsverlauf als einheitlicher Gesamtverlauf.** Genau das bestreitet die Heterochronizität; ohne gemeinsamen Höhepunkt wird die Regel „neuer Reiz auf dem Höhepunkt“ unbestimmt.

**Phase 2 mit Phase 3 verwechselt.** Wiederherstellung auf das Ausgangsniveau ist noch keine Steigerung.

**Kritik 1 mit Kritik 3 verwechselt** — die Vorlesung warnt ausdrücklich. Als Vierwortliste gelernt ist die Kritik ohnehin nicht anwendbar: *wofür* gilt es (1), *ob* Phase 1 stimmt (2), *wann* Phase 3 liegt (3), *wie* die Kurve verläuft (4).

**Das Superkompensationsprinzip für schlicht falsch gehalten.** Es ist ein Modell mit begrenztem Geltungsbereich, das darüber hinaus verwendet wurde; die Bauchfettkurve ist erklärter Eigenbau, kein Befund.

**„Muskuläre Koordination“ informationell verortet** — sie steht bei der funktionellen Adaptation; informationell heißt „Bewegungssteuerung und -koordination“.

**Wortwechsel auf der Zusammenfassungsfolie:** dort „strukturell“ und „funktional“ statt „morphologisch“ und „funktionell“ — gemeint ist dasselbe.

**Eingangsdiagnose vor die Anforderungsanalyse gestellt.** Ohne Anforderungsprofil weiß man nicht, worauf man testet, und ohne Referenzwert ist ein Testergebnis nur eine Zahl.

**Ziel ohne Größe, Betrag und Zeitraum** — dann fehlt das Kriterium für Leistungskontrolle und Trainingskorrektur.

**Kraftfähigkeit direkt postoperativ erhoben** — der Wert bildet den OP-Zustand ab, nicht die Ressourcensituation.

**Fehler in der Literatur:** Bei Hohmann et al. (2010), S. 165, letzter Absatz, steht fälschlich „Quantitätsgesetz“ statt „Qualitätsgesetz“ — ausdrücklicher Hinweis der Vorlesung.


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# Konditionelle Fähigkeiten

## Modul 3 · Ausdauer: Arten, Energiebereitstellung, Methoden

> **Leitfrage:** Was ist Ausdauer, woher kommt die Energie dafür — und mit welchen Methoden trainiert man sie gezielt?

Ausdauer ist Ermüdungswiderstandsfähigkeit, nicht Streckenlänge; daraus folgt eine Systematik aus fünf kombinierbaren Kriterien (Olivier et al., 2008). Die Energiebereitstellung begründet, warum die Systematik diese Grenzen zieht und warum hohe Intensität nie lange durchhaltbar ist. Darauf setzen die vier Belastungsnormative und die vier Grundmethoden auf (Hohmann et al., 2014, S. 63), zugespitzt im Achtmerkmals-Vergleich extensiv gegen intensiv. Zuletzt die Anpassungen und die Entwicklung aerober und anaerober Leistungsfähigkeit über die Lebensspanne.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Ausdauer** — Ermüdungswiderstandsfähigkeit: eine bestimmte Intensität möglichst lange aufrechterhalten, Verluste möglichst gering halten, sportliche Technik und Taktik möglichst lange stabilisieren.
- **Grundlagenausdauer** — sportartunspezifische, aerobe „Basis-Ausdauer-Leistungsfähigkeit", Fundament verschiedener Sportarten, relevant für Fitness und Gesundheit (Olivier et al., 2008, S. 143).
- **Spezielle Ausdauer** — an den Anforderungen einer Sportart orientiert, mit bestimmten aeroben *und* anaeroben Anteilen.
- **ATP** — wichtigste Speicherform chemischer Energie, universeller Energiespeicher; die **ATPase** spaltet die dritte Phosphatgruppe ab, Energie wird für die Muskelkontraktion frei, es verbleibt ADP (Güllich/Krüger, 2013).
- **Belastungsnormative** — Reizintensität (Intensität der Belastung), Reizumfang (Gesamtumfang), Reizdichte (Verhältnis Belastung/Erholung), Reizdauer (Belastungseinwirkung der Übung); so zu gestalten, dass der geforderte Energiebereitstellungsmechanismus optimal angesprochen wird.
- **Lohnende Pause** — teilweise, nicht vollständige Erholung: Der Puls fällt nicht auf Ruhepuls, die Belastung bleibt im aeroben Bereich (Zintl 1994).

### Ermüdungssymptome und die fünf Systematisierungskriterien

Der Widerstand richtet sich gegen benannte Symptome (Hohmann et al., 2007, S. 51): *subjektiv* Atemnot, Muskelschmerz, Übelkeit, Augenflimmern, Ohrensausen; *objektiv* verminderte Leistung, nachlassende Muskelkraft, sinkende Wahrnehmungsleistungen, Elektrolytverschiebungen, Laktatanstieg, pH-Veränderungen, Glykogenverarmung, veränderte elektrische Hirnaktivität. Beide Gruppen korrelieren nur **gering** — Tolerierung ist ein Bewältigungsprozess. *Direkt* leistungsbedeutsam ist Ausdauer über die Wettkampfdauer (Marathon, Ironman), *indirekt* über die Erholung: Regenerationsfähigkeit ist eine Funktion der aeroben Ausdauerleistungsfähigkeit.

Systematisiert wird nach (1) **Transferabilität** → Grundlagen-/spezielle Ausdauer; (2) **Umfang der beanspruchten Muskulatur** → lokal < 1/7 der Gesamtmuskelmasse < allgemein; (3) **vorrangiger Energiebereitstellung** → aerob (mit O₂) / anaerob (ohne); (4) **Arbeitsweise** → dynamisch (Wechsel von Anspannung und Entspannung) / statisch (Daueraktion); (5) **Zeitdauer bei höchstmöglicher Intensität** → KZA / MZA / LZA I–IV. Die Kriterien sind **kombinierbar, nicht alternativ**: 2000 m Rudern ist zugleich speziell, allgemein, dynamisch und MZA. Der Zusatz „bei höchstmöglicher Intensität" trägt die halbe Systematik — ein lockerer Dauerlauf ist submaximal, und LZA I–IV trennt neben der Dauer die jeweils höchstmögliche Intensität. Dass Ausdauer nicht gleich aerobe Ausdauer ist, zeigt der Geschwindigkeitsabfall am Ende eines 100-m-Laufs: Ermüdung binnen rund zehn Sekunden, anaerob.

### Primäre und sekundäre Energiebereitstellung

Energie wird als chemische Energie aus den Makronährstoffen Lipide, Proteine, Kohlenhydrate gewonnen, indem große energiereiche Molekülverbindungen in energiearme Grundbausteine zerlegt werden; ATP ist die gemeinsame Endwährung. **Primär** ist die Nutzung des vorhandenen ATP der Muskelzellen — „primär" heißt zuerst verfügbar, nicht am wichtigsten. **Sekundär** sind die drei Resynthesewege: Kreatinphosphat-Hydrolyse = **anaerob alaktazid**, Glykolyse (Glukose-6-Phosphat → Brenztraubensäure) = **anaerob laktazid**, oxidative Phosphorylierung in Krebszyklus und Atmungskette = **aerob**. *An-aerob* = ohne Sauerstoff, *a-laktazid* = ohne Laktat; nur der mittlere Weg bildet Laktat.

Die Zeitmarke sagt, wann ein System seinen Beitrag im Wesentlichen erschöpft hat bzw. das nächste dominiert — nicht, wann es eingeschaltet wird. Denn **alle Resyntheseprozesse laufen gleichzeitig ab, nur mit unterschiedlicher Quantität**: Auch in der ersten Sekunde arbeitet die aerobe Oxidation mit, auch nach einer Stunde wird Kreatinphosphat gespalten. Kein System ist daher isoliert trainierbar; die Normative sprechen es nur schwerpunktmäßig an. Die Reihenfolge erzwingt die Schrittzahl: ATP ist vorhanden, Kreatinphosphat überträgt seine Phosphatgruppe in einer einzigen Reaktion auf ADP, die Glykolyse ist mehrstufig, die oxidative Phosphorylierung hängt zusätzlich an der Sauerstoffanlieferung — je weniger Schritte, desto schneller verfügbar und desto kleiner die Kapazität (Schrittzahl: Lehrbuchwissen, nicht Folieninhalt).

### Ausbeute, Abbruchursachen, Sportartzuordnung

Aerob liefert eine Glykosyleinheit Glykogen **31 mol ATP**, anaerob nur **3 mol** — rund das Zehnfache, weil die Glykolyse nur bis zur Brenztraubensäure abbaut. Aerob heißt: langsam, pro Zeiteinheit klein, Gesamtmenge groß, kein Laktat (10 000-m-Lauf); anaerob: schnell, pro Zeiteinheit groß, Gesamtmenge klein, mit Laktat (400-m-Lauf). **Leistung und Kapazität verhalten sich gegenläufig.** Abbruchursachen: anaerob laktazid das Laktat selbst, aerob aus Kohlenhydraten das erschöpfte Depot, aerob aus Fetten allein die niedrige Energieflussrate. Die Reihung der Flussraten ist die der Intensitäten und Sportarten: **anaerob alaktazid** (schnellstmögliche Form, Verbrauch energiereicher Phosphate, kein Laktat) Gewichtheben, Sprint → **anaerob laktazid** 800 m, Eisschnelllauf-Sprint, Rudern, Kanurennsport → **aerob aus Kohlenhydraten** professioneller Marathon, Skilanglauf, Biathlon → **aerob aus Fetten** Langstrecken-Radsport, Nordic Walking, Langstreckenschwimmen.

### Normative, Grundmethoden, Achtmerkmals-Vergleich

Leitgröße ist die Reizintensität: Erst hohe Intensitäten drängen die Bereitstellung ins Anaerob-Laktazide; Umfang und Intensität sind gegenläufig. Weil dieselbe **Belastung** je nach Trainingszustand eine andere **Beanspruchung** erzeugt, sind Methoden nur über die *relative* Intensität definierbar: 6 × 400 m in 90 s sind für den Trainierten extensives, für den Schwächeren intensives Intervalltraining.

Die vier Grundmethoden steigern Intensität und Spezifik, während der Umfang sinkt: **Dauermethode** (kontinuierlich ohne Pausen; Grundlagen, Prävention; Anpassungen: Regeneration, Stabilisierung des Leistungsniveaus, Ökonomisierung des Bewegungsablaufs, Fettstoffwechsel, Anhebung der VO₂max, Erweiterung und ökonomische Nutzung der Glykogenspeicher) → **extensive Intervallmethode** (aerobe Ausdauer, Akzent Umfang; Kapillarisierung *peripher*, Herzzeitvolumen *zentral*) → **intensive Intervallmethode** (anaerobe Ausdauer, ATP- und CP-Bereitstellung, Akzent Intensität; Wandverdickung des Herzens, Schlagvolumen, anaerobe Speicher- und Nutzungskapazitäten) → **Wiederholungs- und Wettkampfmethode** (spezifischstes und intensivstes Training; Laktattoleranz, VO₂max unter wettkampfspezifischen Bedingungen).

| Merkmal | Extensiv | Intensiv |
| --- | --- | --- |
| Intensität | niedrig-mittel | hoch |
| Belastungsdauer | mittel-lang | kurz-mittel |
| Pause | kurz, lohnend | unvollständig, aber länger |
| Erholung | nicht vollständig | nicht vollständig |
| Umfang | hoch | gering-mittel |
| Ziel | Grundlagenausdauer, Fettstoffwechsel | VO₂max, anaerobe Kapazität, Laktattoleranz |
| Energiesystem | überwiegend aerob | anaerob + aerob |
| Beispiel | 10 × 400 m locker, 30 × 200 m | 6 × 200 m hart, 8 × 30 s Sprintintervalle |

Merksätze der Revision: „Extensiv = viel + locker", „Intensiv = hart + weniger + brennt".

### Anpassungen und Lebensspanne

Drei Systeme passen sich an: **respiratorisch** (Atemzug- und Atemminutenvolumen), **Herz-Kreislauf** (Herzvergrößerung durch Verdickung der Herzwände und Erweiterung der Kammern, Erhöhung von Schlag- und Herzminutenvolumen, verbesserte Kapillarisierung von Herzmuskel und Muskulatur), **Blut** (Blut- und Plasmavolumen, Pufferkapazität) — abhängig von Trainingszielen und -methoden. Die Revision ergänzt fünf metabolische Adaptationen: erhöhte Enzymaktivität, Veränderung der Energiespeicher, verbesserte mitochondriale Kapazität, erhöhte Kapillardichte, effizientere Laktatverwertung. Die sinkende Herzfrequenz bei gleicher Leistung folgt aus Herzminutenvolumen = Schlagvolumen × Herzfrequenz (Produktbeziehung: Lehrbuchwissen).

Über die Lebensspanne (Haywood/Getchell, 2014): Die **absolute** VO₂max verläuft bis ca. 12 Jahre gleich, danach Plateau bei den Mädchen, weiterer Anstieg bei den Jungen. Die **relative** VO₂max (je kg Körpergewicht) bleibt bei Jungen konstant und fällt bei Mädchen ab, evtl. durch Zunahme des Fettgewebes; bezogen auf die Muskelmasse nur geringer Abfall, denn die Körpergewichtszunahme ist größer als die Zunahme der Sauerstoffaufnahme. Die **anaerobe Leistungsfähigkeit** ist bei Kindern absolut geringer (weniger Muskelmasse, kleinere Energiereserven) und nimmt mit Muskelmasse, Energiereserven und der Toleranz von Stoffwechselabfallprodukten zu: bei Jungen bis ins Erwachsenenalter, bei Mädchen nur bis zur Pubertät.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **1/7 der Gesamtmuskelmasse** — Grenze lokale (<) / allgemeine (>) Ausdauer.
- **bis 2 min / 2–10 min / ab 10 min** — KZA (200/400 m Lauf) / MZA (2000 m Rudern) / LZA I–IV: I 5000 m Lauf, II 60 km Zeitfahren, III Marathon, IV Ironman.
- **7 Std 28 min (Männer) / 8 Std 18 min (Frauen)** — Ironman als LZA IV.
- **ca. 2 s / 10 s / 2 min / 8 min / 1 h** — Zeitachse Folie 14: ATP / Kreatinphosphat / anaerobe Glykolyse / aerobe Glykolyse / Lipolyse.
- **31 mol ATP aerob gegen 3 mol ATP anaerob** — je Glykosyleinheit **aus Glykogen**; aus freier Glukose netto 2 bzw. rund 30–32 ATP (Ergänzung, nicht Folieninhalt).
- **bis ca. 4 mmol/l Blut** — Laktat bei aerober KH-Verwertung; derselbe Wert dient als feste anaerobe Schwelle (Mader 1976, Heck et al. 1985).
- **4 bis > 20 mmol/l Blut** — Laktat anaerob laktazid, verantwortlich für Belastungsabbruch bzw. Intensitätsreduktion.
- **30–90 min** — bis dahin kann das KH-Depot erschöpft sein.
- **ca. 10 s** — Dauer des Ermüdungsabfalls im 100-m-Lauf.
- **ca. 12 Jahre** — bis dahin absolute VO₂max bei Jungen und Mädchen gleich.
- **8 Merkmale, davon 7 unterscheidend** — extensiv gegen intensiv (Revision, S. 7).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Grundlagenausdauer | Allgemeine Ausdauer | Transferabilität gegen beanspruchte Muskelmasse (> 1/7). 2000 m Rudern ist allgemein, aber hochspezifisch. |
| Grundlagenausdauer | Spezielle Ausdauer | Übertragbar, Fitness und Gesundheit, überwiegend aerob gegen sportartgebunden, Wettkampfleistung, aerob + anaerob. |
| Dynamisch / statisch | Aerob / anaerob | Arbeitsweise gegen Energetik; statische Arbeit *tendiert* nur ins Anaerobe (Druck drosselt die Durchblutung — Lehrbuchwissen). |
| Anaerob alaktazid | Anaerob laktazid | Beide ohne Sauerstoff, getrennt allein dadurch, **ob Laktat anfällt**. Laktat misst nur den mittleren Weg. |
| Abbruch durch Laktat | Abbruch durch leeres KH-Depot | 4 bis > 20 mmol/l nach Sekunden bis Minuten gegen ca. 4 mmol/l und leeres Depot nach 30–90 min. |
| Reizdauer | Reizumfang | Dauer *eines* Reizes gegen Summe der Einheit: 6 × 200 m und 30 × 200 m, gleiche Dauer, anderer Umfang. |
| Belastung | Beanspruchung | Von außen gesetzte Reizkonfiguration gegen individuelle Reaktion (Trennung: Lehrbuchwissen). |
| Pause | Erholung | Die Pausenlänge unterscheidet sich (intensiv länger), der Erholungsgrad nicht: beide *nicht vollständig*. |
| Lohnende Pause | Vollständige Pause | Bewusst unvollständig (Intervallmethoden) gegen nahezu abgeschlossen (Wiederholungsmethode; Lehrbuchwissen). |
| Zentrale Anpassung | Periphere Anpassung | Herz als Pumpe (Herzzeitvolumen) gegen arbeitende Muskulatur (Kapillarisierung): Angebot gegen Ausschöpfung. |
| Absolute VO₂max | Relative VO₂max | Gesamtwert, an die Körpermasse gekoppelt, kein fairer Vergleich, gegen Quotient je kg Körpergewicht. |

### Klausurfallen

- **Ausdauer = aerobe Ausdauer.** Falsch: Auch wo die Leistung bei hoher Beanspruchung schnell sinkt, wird von Ausdauer gesprochen (Ausdauerkomponente im Sprint). Nur die *Grundlagen*ausdauer ist als aerobe definiert.
- **„Nach 10 Sekunden schaltet der Körper auf die Glykolyse um."** Falsch: Alle Prozesse laufen gleichzeitig; richtig ist, dass der Anteil der Glykolyse ab einem gewissen Zeitpunkt überwiegt.
- **31 und 3 mol ATP ohne Bezugsgröße.** Beide gelten je Glykosyleinheit **aus Glykogen**; ohne diesen Zusatz sind sie falsch.
- **Die beiden 4-mmol/l-Werte verwechseln.** Ca. 4 mmol/l ist die Obergrenze der aeroben KH-Verwertung, 4 bis über 20 mmol/l der anaerob-laktazide Bereich, der den Abbruch erzwingt.
- **Kein Laktatanstieg = aerob.** Doppeldeutig: rein aerob (niedrige Intensität) oder anaerob alaktazid (sehr kurz, sehr intensiv); erst die Intensität entscheidet.
- **Widerspruch bei der intensiven Intervallmethode.** Folie 33: anaerobe Ausdauer, ATP- und CP-Bereitstellung. Folie 40: Optimierung anaerober Speicher- und Nutzungskapazitäten. Revision: VO₂max, anaerobe Kapazität, Laktattoleranz. Zielangabe nach Folie 33, Achtmerkmals-Tabelle nach der Revision; bei Anpassungsfragen beide Fassungen nennen.
- **Kapillarisierung als zentrale Anpassung.** Folie 19 nennt sie für Herzmuskel *und* Muskulatur; für die Zuordnung gilt Folie 38: Kapillarisierung peripher, Herzzeitvolumen zentral.
- **Pause und Erholung gleichsetzen.** Gefragt ist das Merkmal, das extensiv und intensiv *nicht* unterscheidet: die Erholung, nicht die Pause.
- **Zeitstufe ohne „bei höchstmöglicher Intensität".** Ein lockerer 20-Minuten-Dauerlauf ist keine LZA I, sondern submaximal; 200/400 m sind KZA, obwohl umgangssprachlich „Sprint".
- **Die Normative als geschlossene Vierergruppe.** Die Folie führt sie mit dem Zusatz „usw." auf; erst die Revision legt sie als *die vier* fest.
- **Soziokulturelle Erklärung als Tatsache.** Muskelwachstum und soziokulturelle Ansichten stellt die Vorlesung als Fragen dar: Der Verlauf ist gesichert, die Ursache nicht.
- **„Geringe Korrelation" als „kein Zusammenhang".** Subjektive und objektive Symptome treten gemeinsam auf, sind aber nicht ineinander umrechenbar.

## Modul 4 · Ausdauerdiagnostik & Laktatschwellen

> **Leitfrage:** Wie misst man Ausdauerleistungsfähigkeit — und wie wird aus einer Laktatleistungskurve eine konkrete Trainingsvorgabe?

Die Diagnose läuft in fester Reihenfolge: Testfrage klären → Stufentest fahren → Laktatleistungskurve erstellen → Schwelle bestimmen → Intensität vorgeben. Zuerst entscheidet der Zweck über Labor oder Feld und über sportartunspezifisch oder spezifisch, dann liefern Herzfrequenz, Laktat und Sauerstoffaufnahme die Kurve. Aus ihr folgen die Schwellen — fix bei 2 und 4 mmol/l oder individuell — und daraus die Trainingsbereiche samt Herzfrequenzvorgabe. Am Ende steht die Frage vom Anfang: Woran erkennt man ein brauchbares Verfahren? Darüber entscheiden die Testgütekriterien.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Stufentest** — ansteigender Belastungstest mit rampenartigem Verlauf bis zu subjektiven oder objektiven Abbruchkriterien; je Stufe ein Wertepaar aus Intensität und Stoffwechselantwort.
- **Laktatleistungskurve** — Blutlaktatkonzentration (mmol/l) gegen die Belastungsintensität (m/s bzw. Watt).
- **Aerobe Schwelle (LT, Lactate Threshold)** — erster messbarer Laktatanstieg über den Ruhewert (~2 mmol/l); untere Grenze des sinnvollen Ausdauertrainings.
- **Individuelle anaerobe Schwelle (IAS)** — obere Dauerleistungsgrenze (~30–60 min Pace), spürbare Intensivierungszone.
- **Deflexionspunkt** — Punkt, ab dem Laktat überproportional zur Belastung ansteigt, da der Körper es nicht mehr abbauen kann; markiert die anaerobe Schwelle.
- **Objektivität** — Grad, in dem die Testergebnisse unabhängig vom Untersucher und von situativen Einflüssen sind.
- **Reliabilität** — Grad der Zuverlässigkeit, mit der ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal erfasst wird.
- **Validität** — Grad der Genauigkeit, mit dem der Test das zu testende Merkmal tatsächlich misst; nicht hinreichend valide heißt wertlos.

### Testauswahl: Zweck vor Apparatur

Fünf Klärungsfragen stehen vor der Auswahl, die wichtigste zuerst: **Sind die Testgütekriterien überprüft worden?** Dazu Zweck (wozu?), Ziel (warum — Förderbedarf, Begabung?), zu prüfende Komponente (was?), Adressatengruppe, Anwendbarkeit im Schulsport.

„Sportartspezifisch" ist keine Eigenschaft des Geräts, sondern eine Relation zwischen Gerät und Person — deshalb stehen **Fahrrad- und Laufbandergometrie in beiden Listen** der Revision. Eindeutig sind nur die Randfälle: **Kletterstufentest** allein unspezifisch, **Drehkurbel-** und **Ruderergometrie** allein spezifisch, dazu die Sportarten selbst (Laufen, Schwimmen, Radrennfahren, Rudern). Unspezifische Tests prüfen die allgemeine aerobe Ausdauerleistungsfähigkeit, spezifische die Wettkampfbewegung mit derselben Muskulatur und damit die spezielle Ausdauer.

Labor und Feld tauschen konstante Bedingungen gegen sportartspezifische Belastung (De Marées, 2003): Das Labor schaltet Wind, Untergrund und Temperatur als Störgrößen aus und sichert Objektivität und Reliabilität, der Feldtest belastet sportartspezifisch und erlaubt die Testung mehrerer Sportler:innen gleichzeitig. Beides zugleich ist nicht zu haben. Für Sportspiele zeigt die Vorlesung den **Yo-Yo-Test** (Shuttle-Run-Prinzip, Herzfrequenz gegen Yo-Yo-Stufe).

### Von der Messgröße zur Trainingsvorgabe

Erhoben werden **Herzfrequenz** (Brustgurt, Pulsuhr) als Maß der zentralen Kreislaufbeanspruchung, **Laktat** am Ohrläppchen als Anzeiger allein der anaerob-laktaziden Energiebereitstellung und die **Sauerstoffaufnahme** per Spirometer, die die aerobe Leistungsfähigkeit direkt misst; die ersten beiden dominieren wegen ihrer einfachen Messbarkeit. Weil die **absolute VO₂max** (l/min) mit Körper- und Muskelmasse wächst, ist der Personenvergleich nur bedingt möglich — deshalb die **relative VO₂max** (ml/(kg · min)).

Der gemessene Laktatwert ist kein Produktionsmaß, sondern das Ergebnis eines **Gleichgewichts aus Bildung und Elimination** — deshalb sagt die Lage der ganzen Kurve mehr als der Einzelwert. Sie verläuft flach, zeigt beim ersten Anstieg über den Ruhewert die aerobe Schwelle, knickt am Deflexionspunkt ab und steigt zuletzt steil an; eine Rechtsverschiebung bedeutet höhere Geschwindigkeit bei gleichem Laktatwert.

Die **fixen Schwellen** nach **Mader (1976)** und **Heck et al. (1985)** gelten für alle gleich: aerobe Schwelle [AS] 2 mmol/l, anaerobe Schwelle [AnS] 4 mmol/l. Daraus vier Bereiche — unterhalb **Regeneration**, leicht oberhalb **GA1**, an der anaeroben Schwelle **GA2**, oberhalb **wettkampfspezifische Ausdauer**; je höher, desto größer der anaerobe Anteil und desto kürzer die durchhaltbare Dauer. Fünf Intensitäten nach steigender Belastung stammen aus Dickhuth, 2000, S. 207: **RL**, **LDL**, **MDL**, **TDL**, **ETL**. Faustformeln sind nur sinnvoll, wenn die Herzfrequenz an der Laktat-Leistungs-Kurve **kalibriert** wird — sie ist individuell verschieden, und erst die Kalibrierung überträgt den Befund in eine kontinuierlich messbare Steuergröße.

### Die individuellen Verfahren und ihr Bezugspunkt

Ein Fixwert trifft die Dauerleistungsgrenze nur zufällig: Sie liegt individuell deutlich unter oder über 4 mmol/l, und der Messwert hängt zusätzlich vom Testprotokoll (Stufendauer, Stufenhöhe) und vom Zustand der Glykogenspeicher ab. Zu hoch angesetzt, wird die GA2-Einheit zur Wettkampfbelastung; zu niedrig, bleibt der Reiz aus. Die IAS ist deshalb ein **Konzept**, die Rechenregeln sind Verfahren, es zu treffen.

**Aufschlag- und Differenzverfahren** rechnen mit Laktatwerten: Die **+1,5-mmol-Regel** addiert 1,5 mmol/l auf den gemessenen LT-Wert (LT 1,8 → 3,3, unter 4; LT 2,8 → 4,3, darüber — genau das ist der Gewinn gegenüber dem Fixwert); die **Dickhuth-Methode** ist im Rechenweg identisch und steht in der Revision separat als „LT + 1,5 mmol (ähnlich)", Bedeutung „präziser Ansatz zur IAS-Bestimmung"; **Baldari & Guidetti** fordern über 0,5 mmol/l Anstieg gegenüber der **Vorstufe** — dynamische Schwellenbestimmung, weil nicht die Höhe, sondern die Veränderung zählt. **Kurvenverfahren** bewerten die Form: **Simon** sucht rechnerisch den Punkt mit **45°**-Steigung; der **Turnpoint** ist der letzte Punkt vor dem starken Anstieg (klassische anaerobe Schwelle, sportpraktisch wichtig, kein Kürzel in der Revision); der **Deflexionspunkt** beschreibt denselben Knick vom Anstieg danach her.

Jeder Vorzug kostet eine Abhängigkeit: Die LT hängt von Messgenauigkeit und Stufenabstufung ab und reicht jeden Fehler an +1,5-Regel und Dickhuth weiter; das +0,5-Kriterium hängt an der Stufenhöhe (grobe Stufen finden die Schwelle früher); ein Winkel ist nur bei festgelegter Achsenskalierung definiert; Turnpoint und Deflexionspunkt werden visuell abgelesen — ein Problem der Auswertungsobjektivität. Als weiteres Verfahren führt die Vorlesung den **Conconi-Test** auf (Folie 31, nur Titel und Abbildung): Feldstufentest, Herzfrequenz gegen Geschwindigkeit, gesucht ist das Abflachen der linearen Kurve — ohne Blutentnahme, aber nicht bei allen auffindbar. *(Beschreibung und Kritik: Ergänzung, nicht Folieninhalt.)*

### Testgütekriterien und reale Testverfahren

Motorische Tests beschreiben Leistungszustände, **interindividuelle** Differenzen und **intraindividuelle** Veränderungen. Ihre Einsatzbereiche zerfallen danach, ob eine Messung genügt — Screening, Eingangsdiagnose, Leistungsprofil, Defizitanalyse, Charakterisierung von Subpopulationen — oder zwei nötig sind: Entwicklungsverläufe, Evaluation von Interventionen, Kohorteneffekte (nach Bös et al., 2009).

**Hauptgütekriterien** sind Validität, Reliabilität, Objektivität — unabdingbar; **Nebengütekriterien** Normierung und Ökonomie (räumlich, zeitlich, personell, gerätespezifisch durchführbar). Hierarchie: **Objektivität → Reliabilität → Validität**, jede Stufe notwendig, keine hinreichend. Ein nicht objektiver Test ist nicht reliabel und damit nicht valide; ein objektiver und reliabler muss dagegen nicht valide sein. Objektivität hat drei Unterformen — **Durchführungs-**, **Auswertungs-**, **Interpretationsobjektivität** — und setzt hohe Standardisierung von Aufbau, Materialien und Testanweisungen voraus; erfüllt ist sie erst, wenn das Testmanual präzise Angaben macht *und* die Anwendenden sich daran halten. Reliabilität wird im **Test-ReTest** über Korrelationskoeffizienten der Rangreihen geprüft, Einflussfaktor sind Übungseffekte.

Vom **Münchener Fitness-Test** rät die Vorlesung ausdrücklich ab: keine Aussagen zu den Gütekriterien, unklare Durchführungsanweisungen (Materialzustand wie das Prellverhalten der Bälle nicht vorgegeben), nicht optimal gewählte Übungen, keine repräsentative Normstichprobe. Der **DMT 6-18** ist in genau diesen vier Punkten das Gegenstück: aufwändige Konstruktion mit Einordnung in die Systematik motorischer Fähigkeiten, transparent überprüfte Gütekriterien, klare und mit Videomaterial unterstützte Anweisungen, repräsentative Stichprobe. Die **Normierung** rechnet Ergebnisse in **T-Werte** um. Auch der DMT behält Fehlerquellen: unterschiedlich streng bewertete Sit-ups (Abhilfe: Schulung und feste Versuchsleiter:innen an einer Station, deren Maßstab dann konstant wirkt), modifizierte Liegestütze, uneinheitliche Motivierung. Ergebnisse dürfen niemals unkommentiert weitergegeben werden; sie helfen einzuordnen, sind aber kein alleiniges Maß der Beurteilung im Sportunterricht.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **2 mmol/l** aerobe Schwelle [AS], **4 mmol/l** anaerobe Schwelle [AnS] — fix, Mader (1976) und Heck et al. (1985); 4 mmol/l laut Revision „unpräzise, aber verbreitet".
- **+ 1,5 mmol/l** Aufschlag auf den LT-Wert (+1,5-Regel, Dickhuth) · **> 0,5 mmol/l** Anstieg gegenüber der Vorstufe (Baldari & Guidetti) · **45°** Tangentensteigung (Simon).
- **~30–60 min** an der IAS haltbare Pace · **4 bis > 20 mmol/l** steiler Endteil bis zum Belastungsabbruch.
- **l/min** absolute, **ml/(kg · min)** relative VO₂max (Spirometer); Einheiten: Ergänzung. Bis **ca. 12 Jahre** absolut bei beiden Geschlechtern gleich, danach nur bei Jungen steigend; relativ bei Mädchen fallend.
- Intensitätsachse: **m/s** (Laufband) bzw. **Watt** (Fahrrad).
- Yo-Yo-Folie: Herzfrequenzskala **80 bis 240**, beschriftet mit **30 sek** und **120 sek**.
- Rechenbeispiel +1,5-Regel: LT **1,8 → 3,3** mmol/l, LT **2,8 → 4,3** mmol/l.
- MFT-Normierungen: **N = 269, 1991** (Sportförderunterricht 11–14, Kinder 9–17) · **N = 1169, 1994** (bayerische Gymnasiasten) · **N = 750 000, 2005** (niedersächsische Schulen, von Sportlehrern zurückgeschickt, keine Qualitäts-/Durchführungskontrolle, mögliche Positivauswahl). Tabellen **1995 vs. 2005**: dieselbe Rohleistung ergibt Leistungsklasse **1** bzw. **3**.
- Autoren: **De Marées, 2003** (Labor/Feld) · **Dickhuth, 2000, S. 207** (RL, LDL, MDL, TDL, ETL) · **Bös et al., 2009** (DMT 6-18).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Unspezifischer Test | Spezifischer Test | Relation von Gerät und Person, nicht das Gerät; eindeutig nur Kletterstufentest gegen Drehkurbel-/Ruderergometrie |
| Labortest | Feldtest | konstante Bedingungen (Objektivität, Reliabilität) gegen sportartspezifische Belastung und mehrere Personen gleichzeitig (Validität) |
| Absolute VO₂max | Relative VO₂max | Aufnahme pro Zeit gegen Bezug auf das **Körpergewicht** |
| LT | IAS | **Lage**: unten (~2 mmol/l) gegen oben (Dauerleistungsgrenze) |
| IAS | Feste 4-mmol-Schwelle | **Bestimmungsart**: individuelle Kurve gegen Fixwert für alle |
| +1,5-mmol-Regel | Baldari & Guidetti | Aufschlag auf den **LT-Wert** gegen Differenz zur **Vorstufe** |
| +1,5-mmol-Regel | Dickhuth-Methode | Rechenweg identisch („ähnlich"): einmal Rechenregel, einmal Autor und Ziel |
| Simon (45°) | Baldari & Guidetti | Tangentenverfahren (Steigung) gegen Differenzverfahren (Sprung) |
| Turnpoint | Deflexionspunkt | letzter Punkt *davor* gegen Anstieg *danach* — dieselbe Stelle |
| Deflexionspunkt (Laktat) | Deflexionspunkt (Conconi) | gleicher Begriff, verschiedene **Messgröße** |
| Objektivität | Reliabilität | unabhängig vom **Untersucher** gegen stabil über die **Wiederholung** |
| Reliabilität | Validität | „wie genau?" gegen „das Richtige?"; valide → reliabel, nicht umgekehrt |
| Haupt- | Nebengütekriterien | unabdingbar gegen verzichtbar: ohne Normierung nur Vergleich mit sich selbst |
| Interindividuell | Intraindividuell | Vergleich mit anderen (Normierung) gegen mit sich selbst (Reliabilität) |
| Sit-ups (DMT) | Modifizierte Liegestütze | Objektivitätsproblem, behebbar durch Schulung, gegen Validitätsproblem: koordinative Bewältigung statt Kraftausdauer |

### Klausurfallen

- **Fixe und individuelle Konzepte vermischen** (Stolperstein): 4 mmol/l ist ein Fixwert für alle, die IAS kommt aus der individuellen Kurve. Gleiche 4-mmol-Schwelle, verschiedene IAS: LT 1,8 ergibt 3,3, LT 2,8 ergibt 4,3 mmol/l.
- **Turnpoint und Deflexionspunkt für zwei Punkte halten:** dieselbe Stelle, von zwei Seiten beschrieben.
- **2 und 4 mmol/l vertauschen:** 2 ist unten und aerob, 4 oben und anaerob; sonst fallen alle vier Bereiche falsch aus.
- **AS am Buchstaben lesen:** Revision „4-mmol-Methode (feste AS)" meint die **anaerobe** Schwelle; in der Vorlesung ist AS die **aerobe** bei 2 mmol/l, AnS die anaerobe bei 4 mmol/l. Am Zahlenwert ablesen.
- **Revision gegen Vorlesung bei GA2:** Die Revision markiert mit der aeroben Schwelle den „Beginn intensiver GA-Belastung (GA1 → GA2)", die Vorlesung (Folie 28) verortet GA2 an der anaeroben Schwelle. **In der Klausur gilt die VL-Systematik**; die Revision ist nur so zu lesen, dass oberhalb der LT der GA-Bereich überhaupt beginnt. Sonst trainiert man rund 2 mmol/l zu niedrig.
- **Revisionsfehler zur IAS:** „Laktatbildung > Abbau" ist als Beschreibung der Schwelle *selbst* falsch, sonst wäre sie keine Dauerleistungsgrenze. Richtig: **an** der Schwelle Gleichgewicht, **darüber** Akkumulation. *(Ergänzung, nicht Folieninhalt.)*
- **Bezugspunkt bei Dickhuth:** In der Klausur reicht „individueller Basiswert + 1,5 mmol/l"; streng genommen ist es das **Minimum des Laktat-Äquivalents**. *(Ergänzung, nicht Folieninhalt.)*
- **Deflexionspunkt ohne Messgröße nennen:** dazusagen, ob Laktat- oder Herzfrequenzkurve.
- **Schwelle ohne Verfahren angeben:** Dieselbe Kurve liefert je nach Kriterium verschiedene Werte; die Spanne stammt nicht aus Messfehlern.
- **Reliabilität für Validität nehmen:** Ein objektiver und reliabler Test kann zuverlässig das Falsche messen.
- **Große Stichprobe für gute Norm nehmen:** N = 750 000 sagt ohne Durchführungskontrolle nichts über Repräsentativität.
- **Faustformeln ungeprüft anwenden:** ohne Kalibrierung an der Laktat-Leistungs-Kurve systematisch zu hart oder zu locker.

## Modul 5 · Kraft & Muskelphysiologie

> **Leitfrage:** Wie entsteht Muskelkraft — vom Sarkomer über die motorische Einheit bis zur Trainingsvorgabe, und wo hält die Belastungsdosierung der Vorlesung einer Prüfung nicht stand?

Kraft ist über eine Zahl definiert: mehr als 30 % der individuellen Maximalkraft (Olivier et al., 2008, S. 93). Der Bauplan des Muskels erklärt, wie eine Faser Kraft erzeugt; das Alles-oder-nichts-Gesetz, warum ihre Abstufung über Rekrutierung und Frequenzierung laufen muss. Darauf setzen die vier Komponenten mit ihren Strukturmodellen auf, aus denen Ziel, Prinzip und Methode folgen — zuletzt die Herkunft der Zahlenvorgaben.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Kraft** — trainierbare Einflussgröße sportlicher Leistungen; Teilaspekt der Leistungsfähigkeit, sportliche Bewegungen gegen höhere Widerstände ausführen zu können (Olivier et al., 2008, S. 93). „Höhere Widerstände" = mehr als 30 % der **individuellen** Maximalkraft.
- **Maximalkraft** — höchste Kraft bei einer **willkürlichen** Kontraktion; nicht das physiologische Maximum, das heißt **Absolutkraft** (100 %).
- **Schnellkraft** — möglichst großer **Kraftstoß** in der zur Verfügung stehenden Zeit.
- **Kraftausdauer** — möglichst hohe **Kraftstoßsumme** in gegebener Zeit bei Bewegungswiderstand über 30 % der Maximalkraft; auch **(lokale) Muskelausdauer**.
- **Reaktivkraft** — möglichst hoher Kraftstoß im **Dehnungs-Verkürzungs-Zyklus (DVZ)**.
- **Motorische Einheit** — ein alpha-Motoneuron und die von ihm innervierten Fasern eines Typs; es gilt das **Alles-oder-nichts-Gesetz**. Alle Einheiten eines Muskels = **Motoneuronenpool**.
- **Kraftdefizit** — Differenz zwischen Absolutkraft und willkürlich realisierbarer Maximalkraft.
- **Kraftstoß** — Produkt aus Kraft und Wirkungszeit (Ergänzung, nicht Folieninhalt); über ihn sind Schnellkraft, Kraftausdauer und Reaktivkraft definiert, nicht die Maximalkraft.

### Schwelle, Blickwinkel, Bauplan

Die Schwelle ist prozentual formuliert: 25 kg sind bei 100 kg Maximalkraft ein Ausdauer-, bei 60 kg ein Kraftreiz. Die Definition ist verhaltenswissenschaftlich — Kraft als Disposition, nicht als physikalische Größe oder sportmethodische Erscheinungsform; Sprung- und Wurfkraft sind keine eigenen Fähigkeiten. Der Muskel ist fünffach gegliedert: Muskel → Muskelfaserbündel → **Muskelfaser = Muskelzelle** → Myofibrille → Sarkomer (Olivier et al., 2008, S. 40) — darüber Verbünde vieler Zellen, darunter Bauteile einer einzigen. Das Sarkomer, begrenzt von Z-Scheiben (Ergänzung), ist die kleinste funktionelle Einheit; deren Riss setzt die Mikrotraumata-Theorie voraus. Beim **Gleitfilamentmechanismus** gleiten die dünnen Actinfilamente an den dicken Myosinfilamenten entlang und verkürzen so die Myofibrillen; die Filamente werden nie kürzer, es ändert sich nur ihr Überlappungsgrad (Ergänzung). **Typ-I-Fasern** (S, slow) kontrahieren langsam und halten lange (oxidativ: Ergänzung), **Typ-II-Fasern** (F, fast) rasch und kräftig, ermüden aber schnell (glykolytisch: Ergänzung); in Typ II ist **2A** vergleichsweise ermüdungsresistent, **2X** am schnellsten und am schnellsten ermüdend.

### Faserverteilung und die Dosierung der Kontraktionskraft

Beschrieben wird die Verteilung über **Anzahl** und **Flächenanteil**; funktionell zählt der Flächenanteil (Toigo, 2019), weil die Kraft am physiologischen Querschnitt hängt (Ergänzung). Beide sind gegenläufig: Bei Männern ist Typ 1 zahlenmäßig häufiger als 2A, flächenmäßig kleiner; die Rangfolge der Flächen kippt (Frauen Typ 1 > 2A > 2X, Männer 2A > Typ 1 > 2X), erklärt über den Testosteronspiegel in der Pubertät. Bei den *Anteilen* sind die Geschlechter fast gleich; aussagekräftig ist die Spannweite: Die interindividuelle Streuung übertrifft den Geschlechtsunterschied.

Weil für die motorische Einheit das Alles-oder-nichts-Gesetz gilt, bleiben zwei Stellschrauben. Die **Rekrutierung** schaltet Einheiten zu, nach dem **Größenordnungsprinzip** erst die kleinen, niederschwelligen mit Typ-I-, zuletzt die großen, hochschwelligen mit Typ-II-Fasern (kleine Motoneurone haben den höheren Eingangswiderstand: Ergänzung); Typ II ist deshalb nur über hohe Last oder Ausbelastung erreichbar. Die **Frequenzierung** steigert die Kraft über die Feuerrate eines *bereits* rekrutierten Motoneurons, bis die Einzelzuckungen zum **Tetanus** verschmelzen (Ergänzung); beide bilden die **intramuskuläre Koordination**. Die **Synchronisation**, das zeitgleiche Feuern mehrerer Einheiten, ändert weder Zahl noch Feuerrate, wirkt auf den Kraftanstieg und erhöht die mittlere Kraft nicht (Ergänzung; Semmler, 2002).

### Koordination, Aktionsformen, Hemmung

*Inter* meint das Zusammenspiel verschiedener Muskeln (Agonist und Antagonist bei zyklischen Bewegungen, Fuß-, Knie- und Hüftstrecker beim Strecksprung), *intra* die Ansteuerung eines Muskels; beide sind neuronale Größen. Die **funktionelle (neuronale) Adaptation** umfasst muskuläre Koordination, Rekrutierung und Synchronisation, Frequenzierung, reflektorische Aktivität (Dehnungsreflex) und Hemmungsmechanismen — eine von vier Adaptationsformen neben der morphologischen, metabolischen und informationellen. **Hemmungsmechanismen** begrenzen die abrufbare Kraft: autogen nach isometrischer Kontraktion (Erregbarkeit des alpha-Motoneurons sinkt), reziprok am Gegenspieler; **Golgi-Sehnenorgane** melden Spannung, **Muskelspindeln** Dehnung und Dehnungsgeschwindigkeit. Am Liegestütz kreuzt die Vorlesung Arbeitsweise, Kontraktionsform und Abstand Ansatz–Ursprung: überwindend/**konzentrisch** (Abstand kleiner), nachgebend/**exzentrisch** (größer), haltend/**isometrisch** (gleich) — maßgeblich ist der Abstand, nicht die Bewegungsrichtung; der DVZ ist keine vierte Aktionsform, sondern deren schnelle Kopplung.

### Die vier Komponenten und ihre Strukturmodelle

„Höchste" meint einen Einzelwert, „willkürlich" grenzt gegen die Absolutkraft ab — nur deshalb kann Kraft fehlen. Die Struktur der Maximalkraft bilden Muskelquerschnitt und Faserverteilung (**morphologisch**, Weg zur MQM) sowie willkürliche Aktivierungsfähigkeit und intra- wie intermuskuläre Koordination (**neuronal**, Weg zur NAM); realisierbar sind exzentrische, isometrische und konzentrische Maximalkraft. Das **Kraftdefizit** ist eine Trainingsempfehlung in Zahlenform: groß → mangelnde neuronale Aktivierung; klein → mangelnde Muskelquantität, erst Querschnitt *und dann* neuronale Aktivierung. Die Maximalkraft gilt als *relativ unabhängige* Einflussgröße mit Einfluss auf die *phänomenorientierten* Größen Schnellkraft und Kraftausdauer.

Die **Schnellkraft** ist über den Kraftstoß definiert, weil die verfügbare Zeit oft kürzer ist als die bis zur Maximalkraft; aus der Kraftanstiegskurve liest man nach Bührle (1985) **Startkraft** (Boxen), **Explosivkraft** (Würfe, Stöße, Schüsse) und **Schnellkraftindex** (dynamisches Kraftmaximum, Ringen) ab. Schnellkraft = Maximalkraft + **schnelle Kontraktionsfähigkeit** aus Muskelfaserzusammensetzung (genetisch determiniert) sowie inter- und intramuskulärer Koordination. **Kraftausdauer** verlangt Widerstand über 30 %, große Einzelkraftstöße und geringe Reduktion über die Zeit; begrenzend ist nicht das Herz-Kreislauf-System, sondern die **anaerobe Energiebereitstellung** und die lokalen Stoffwechselprozesse. Die **Reaktivkraft** setzt den Kraftstoß in den DVZ (Springen, Sprinten, Peitschenbewegungen); hoch reaktive Sportler zeichnen ein spezielles Innervationsmuster und die Zwischenspeicherung mechanischer Energie im Gewebe aus. Die **reaktive Spannungsfähigkeit** beruht auf passiven Elastizitätskräften von Muskeln und Sehnen *und* auf zusätzlicher neuronaler Aktivierung; kurzer DVZ prellend (Knee-Tuck Jump), langer nachgebend (Scissors-Jump).

### Belastungsnormative und die Kritik an ihrer Dosierung

Krafttraining führt **in Abhängigkeit von der Trainingsmethode** zu kurz- und langfristigen Anpassungen (Olivier et al., 2008) — morphologisch (Muskelquerschnitt), metabolisch (anaerober Stoffwechsel), neuromuskulär (intramuskuläre Koordination); zuerst die neuronalen, später messbare Querschnittszuwächse (Ergänzung). Vier **Belastungsnormative** ordnen das Training: Intensität in Prozent der Maximalkraft, Serien und Wiederholungen, Pausen, Durchführung (Arbeitsweise, Kontraktionsgeschwindigkeit). Die Literatur mache dazu „sehr genaue Vorgaben, diese sind aber weder belegt, noch notwendig" — kritisiert wird die Präzision der Zahlen, nicht die Systematik. Sie führen über **Schmidtbleicher** auf die Kurve von **Zatsiorsky & Kulik (1965)** zurück, gewonnen an männlichen, krafttrainierten, hochmotivierten Leistungssportlern im **Bankdrücken**. Tatsächlich hängt die maximale Wiederholungszahl von der Kraftübung ab, streut zwischen den Versuchspersonen und ist auch innerhalb einer Person variabel; Schnellkraftathleten zeigen eher flach-lineare Verläufe, Ausdauerathleten Funktionen im Stil y = 1/x. Dahinter die Leitfrage **Belastung ↔ Beanspruchung**: Die Prozentangabe beschreibt die Vorgabe, nicht die Ausschöpfung. Die Konfigurationen des Kraftausdauertrainings heißen deshalb „nicht realisierbar" (Güllich & Schmidtbleicher, 1999, S. 232; Fröhlich, 2003, S. 64).

### Ziel, Prinzip, Methode — und warum der Muskel wächst

Zu jedem Ziel gehören ein Prinzip und daraus die Methode: **neuronale Aktivierungsfähigkeit** → maximale neuronale Aktivierung → **NAM** (Maximalkraftmethode), maximale und explosive Kontraktionen; **Hypertrophie** → Energiemangel- und Mikrotraumata-Theorie → **MQM**, submaximale Kontraktionen bis zur Erschöpfung; **Kraftausdauer** → Beanspruchung pro Serie induzieren und Belastung über die Serien reduzieren → dynamische submaximale Krafteinsätze; **Reaktivkraft** → Schulung der reaktiven Spannungsfähigkeit im DVZ → sportmethodische Übungsformen, z. B. Sprünge. Erst die Ausbelastung der MQM erreicht über das Größenordnungsprinzip die hochschwelligen Einheiten, obwohl die Last submaximal bleibt.

**Energiemangel-Theorie:** hohe Widerstände → Abbau von Muskelproteinen über Energiemangel → in der **Ruhephase** verstärkte Proteinsynthese und Faserhypertrophie. **Mikrotraumata-Theorie:** Zerstörung von Myofibrillen (Hohmann et al., 2007, S. 73), nach Riss der Z-Scheiben Aufspleißung der Sarkomere in Längsrichtung, Rekrutierung von **Satellitenzellen** mit stammzellenähnlichen Eigenschaften, aus der Tochterfibrille wird eine neue Muskelfaser. Folie 58 ordnet ein: Beides kann beitragen, doch die Faserhyperplasie ist „ziemlich gering und praktisch ohne Belang" (Zatsiorsky & Kraemer, 2006). Im Exkurs **Muskelgedächtnis** ist das klassische Modell symmetrisch: Hypertrophie bringt langfristig Zellkerne über Satellitenzellen und höhere Proteinsynthesekapazität, Atrophie baut sie durch **Apoptose** ab (Folie 63). Das neue Modell (Folien 64–66) ist nur bei **Mäusen unter Testosteronzugabe** bestätigt, **nicht** durch Training; die Versuche **laufen noch** (Gundersen, 2016).

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **> 30 % der individuellen Maximalkraft** — „höhere Widerstände" (Folie 5) und Widerstand der Kraftausdauer (Folie 32); darunter Ausdauerbeanspruchung.
- **20 bis 75 %** — genetisch determinierter FT-Anteil (Folie 31).
- **Faseranteile M. vastus lateralis** (Typ 1 · 2A · 2X, Frauen/Männer, Toigo, 2019) — 51 ± 13 % (13–85 %) / 46 ± 15 % (15–79 %) · 37 ± 10 % / 39 ± 12 % · 12 ± 9 % / 15 ± 9 %.
- **Faserflächen** (dieselbe Ordnung) — 4044 ± 846 / 4591 ± 1058 · 3594 ± 818 / 4958 ± 1177 · 2837 ± 884 / 4439 ± 1254 µm².
- **F30/t30 · ΔF/Δt · Fmax/tmax** — Startkraft (erste 30 ms), Explosivkraft, Schnellkraftindex (Bührle, 1985, S. 68); Maximalkraftaufbau 300 ms gegen 150 ms Bodenkontakt.
- **250 ms** — Kopplungszeit: darunter prellend, darüber nachgebend.
- **60–85 % · 8–20 Wiederholungen (später 6–12) · 5–6 Serien** — Hypertrophievorgabe (Folie 49) nach Zatsiorsky & Kulik (1965).
- **90 % und 50 % EWM** (Einer-Wiederholungs-Maximum; Ergänzung) — Beinpresse gegen Bizeps-Curl (Folie 46).
- **4 %** — Lastreduzierung an der Beinpresse bei konstanter Wiederholungszahl: Umfang erheblich gesteigert, Maximalkraft gleich.
- **35 mg gegen 3,5 mg Eisen je 100 g Spinat** — von Bunge (1890), Replikationen: Faktor 10.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Muskelfaser | Myofibrille | Die Zelle gegen ihr Bauteil. |
| Rekrutierung | Frequenzierung | Wie viele gegen wie schnell. |
| Beide Steuergrößen | Synchronisation | Folie 14 gegen Adaptation der Revision: Zahl und Feuerrate gegen Abstimmung. |
| Intramuskulär | Intermuskulär | Innerhalb eines Muskels gegen zwischen mehreren. |
| Absolutkraft | Maximalkraft | Physiologisches Maximum gegen höchste *willkürliche* Kraft; die Differenz ist das Kraftdefizit. |
| Schnellkraft | Kraftausdauer | Ein Kraftstoß gegen die Summe; dort zählt der Kraftanstieg, hier nicht. |
| Schnellkraft | Reaktivkraft | Nur die Reaktivkraft verlangt die vorausgehende Dehnung. |
| Belastung | Beanspruchung | Vorgabe von außen gegen Ausschöpfung der Stoffwechselprozesse. |
| Hypertrophie | Hyperplasie | Faser dicker gegen mehr Fasern — Letzteres praktisch ohne Belang. |

### Klausurfallen

- **Intra- und intermuskuläre Koordination vertauschen.** *Intra* = innerhalb eines Muskels (Frequenzierung, Rekrutierung), *inter* = zwischen mehreren Muskeln.
- **Schnellkraft über „Kraft" definieren.** Richtig: möglichst großer **Kraftstoß** in verfügbarer Zeit.
- **Die Querschnittsvergrößerung der Hyperplasie zuschreiben.** Sie beruht hauptsächlich auf der Hypertrophie der einzelnen Faser; ausgeschlossen ist die Hyperplasie aber nicht — beide Halbsätze gehören dazu.
- **Die Reihenfolge beim kleinen Kraftdefizit abschneiden.** Erst Querschnitt *und dann* neuronale Aktivierung; beim großen Defizit ist sie limitierend (Maximalkraft- bzw. IK-Training).
- **„Die Belastungsnormative sind unbelegt."** Unbelegt sind nur die *Zahlenvorgaben*.
- **Die 30 % absolut angeben.** Ohne das Wort *individuell* ist die Definition falsch.
- **Synchronisation unter die Steuergrößen der Kontraktionskraft nehmen.** Folie 14 nennt nur Frequenzierung und Rekrutierung, die Revision führt sie unter den Adaptationen; bei Adaptationsfragen beide Fassungen nennen.
- **„Typ IIB" schreiben.** Die Vorlesung schreibt durchgängig **2X**. Und „schnell" meint die Kontraktionsgeschwindigkeit der Faser, nicht die Ausführung: Auch eine langsame Wiederholung rekrutiert Typ II, wenn die Last hoch genug ist.
- **Die MQM auf „schwer heben" verkürzen.** Das Merkmal ist *submaximal bis zur Erschöpfung*; beide Hypertrophietheorien verlangen die Ausbelastung, und bei der 4-%-Regel bleibt die Wiederholungszahl konstant, angepasst wird die Last.
- **Das Muskelgedächtnis als „bewiesen" oder „widerlegt" wiedergeben.** Drei Einschränkungen gehören zusammen: Tiermodell, pharmakologischer Reiz statt Training, laufende Versuche.
- **Jede Sprungübung für Reaktivkrafttraining halten.** Ohne vorausgehende Dehnung ist es Schnellkraft-, nicht Reaktivkrafttraining.

## Modul 6 · Beweglichkeit & Dehnen

> **Leitfrage:** Was begrenzt die Bewegungsreichweite — und was leistet Dehnen kurzfristig, langfristig und für die Verletzungsprophylaxe wirklich?

Beweglichkeit ist über die *erforderliche*, nicht die maximale Reichweite definiert; daraus folgen die Trennung von aktiv und passiv und der Dreiklang des Beweglichkeitstrainings. Die drei Ursachengruppen der Reichweitenbegrenzung beantworten, woher der Widerstand kommt, den man beim Dehnen spürt. Darauf setzt der Streitpunkt der Sitzung auf: mechanische Theorien gegen die sensorische Theorie der Dehnungstoleranz. Erst danach lohnen die Methoden; zuletzt prüft die „Gerüchteküche" die versprochenen Wirkungen an Zahlen.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Beweglichkeit (sportmotorisch)** — die Fähigkeit, Bewegungen mit der **erforderlichen Schwingungsweite** ausführen zu können (Hohmann, Lames & Letzelter, 2010; Folie und Revision drucken „Homan").
- **Beweglichkeit (Einordnung)** — „eine **trainierbare zusammengesetzte Einflussgröße** sportlicher Bewegungen … sportliche Bewegungen mit **optimaler Reichweite** ausführen zu können" (Olivier et al., 2008).
- **Aktive Beweglichkeit** — Reichweite der über das Gelenk ziehenden eigenen Muskulatur; begrenzt durch Dehnbarkeit des Zielmuskels *und* Kraft des Gegenspielers (mod. nach Schneider, Spring & Tritschler, 1989).
- **Passive Beweglichkeit** — Reichweite durch andere Kräfte (Partner, Schwerkraft, Geräte); begrenzt durch Dehnbarkeit des Zielmuskels *und* Form des Gelenks; stets größer als die aktive.
- **Beweglichkeitstraining** — Kombination aus Dehntraining, Krafttraining und Koordinationstraining.
- **Stretching** — „gehaltenes Dehnen" (Knebel, 1985): behutsames Heranführen, Halten über längere Zeit, dann langsames Einnehmen einer neuen Dehnposition.
- **PNF** — *Proprioceptive Neuromuscular Facilitation*, ursprünglich Rehabilitationsprogramm zur Muskelentspannung; nutzt autogene und reziproke Hemmung.
- **Dehnungstoleranz** — Ausmaß an Dehnungsspannung, das eine Person hinnimmt; die langfristig belegte Anpassung des Dehntrainings.

### Optimal statt maximal, passiv größer als aktiv

Optimal statt maximal trennt zwei Arten sportlicher Leistungen: Turnen und rhythmische Sportgymnastik **erfordern maximale** Bewegungsreichweite, bei Sprüngen und im Hürdensprint ist sie **anderen Zielen untergeordnet**, etwa einem optimalen Beschleunigungsweg. Mehr Amplitude verlängert den Beschleunigungsweg, kostet aber Zeit und kann die günstige Muskelvorspannung zerstören. *Zusammengesetzt* heißt: aus anatomischen, morphologischen, koordinativen und psychischen Faktoren; die Maximalkraft heißt bei denselben Autoren *relativ unabhängige* konditionelle Einflussgröße (VL 5).

Aktiv und passiv teilen die **erste** Grenze, die Dehnbarkeit des Zielmuskels, und unterscheiden sich in der **zweiten**: aktiv die Kraft des Gegenspielers, passiv die Form des Gelenks. Weil die Antagonistenkraft regelmäßig vor der anatomischen Grenze endet, ist passiv stets größer. Daraus folgt das Training: **Dehnen** wirkt auf die gemeinsame Grenze → **Kraft** auf die Kraft des Gegenspielers → **Koordination** auf den Einfluss von Längen- und Spannungsrezeptoren auf die Muskelspannung. Wer nur dehnt, gewinnt passive, nicht aktiv nutzbare Reichweite.

### Drei Ursachen der Reichweitenbegrenzung

**Anatomische Bedingungen** sind Körperaufbau, knöcherner und bindegewebiger Gelenkaufbau (Bänder/Sehnen) und Muskellänge; die ersten drei sind kaum trainierbar.

Bei der **Elastizität** hat sich die Lehrmeinung verschoben. Bis vor wenigen Jahren galt das **Bindegewebe als alleinige Quelle der Dehnungsspannung** (Klee 2003); neuere Untersuchungen sehen die **Myofibrillen** als **strukturelles Korrelat** — die Elastizität des **Titinmoleküls**, auf den **I-Band-Bereich beschränkt**. Die Dehnungsspannung entsteht damit in der Muskelzelle: Dasselbe Sarkomer erzeugt über den Gleitfilamentmechanismus die aktive Kraft, über Titin die **passive** — es verbindet Z-Scheibe und Myosinfilament wie eine Feder (Ergänzung, nicht Folieninhalt). An einer Feder ist bleibende Verformung nicht plausibel: Die mechanische Erklärung verliert ihren Träger.

Unter den **physiologischen Gegebenheiten** steht der **Dehnungsreflex**; seine Stärke hängt von der **Dehngeschwindigkeit** ab. **Muskelspindeln** melden Muskeldehnung und Dehnungsgeschwindigkeit, **Golgi-Sehnenorgane** die Muskelspannung (Revision, S. 12). Diese Grenze ist als einzige unmittelbar beeinflussbar — daran setzen PNF und die Dehnungstoleranz an.

Immobilisationsversuche: **gedehnt** ruhiggestellt → mehr in Serie geschaltete Sarkomere, Gesamtmuskellänge unverändert (Sarkomerlänge nimmt ab), Kollagengehalt unverändert; **entdehnt** → weniger Sarkomere, verkürzte Gesamtlänge, steigender Bindegewebsanteil. Nur die Verkürzungsrichtung verändert **beide** Größen; sie ist die schädlichere Variante.

### Statisches Stretching: zwei kurzfristige Effekte, eine langfristige Anpassung

Zwei kurzfristige Anpassungen zeigen dasselbe viskoelastische Verhalten aus zwei Blickrichtungen (Ulrich/Gollhofer 1994). Bei der **längenkonstanten Relaxation** bleibt der Gelenkwinkel gleich und die Kraft sinkt: F1 erreicht die Position, F0 hält sie (F0 < F1). Beim **Creeping-Effekt** bleibt die Kraft gleich, die Länge wächst von l0 auf l1. **Nach einer Stunde** ist die Dehnungsspannung wieder auf Ausgangsniveau — mehr Zeitfenster hat Dehnen nicht.

Vier **mechanische Theorien** erklären die Dehnbarkeitserweiterung über eine Gewebeveränderung, jede nur unter einer Bedingung: **viskoelastische Deformation** nur kurzzeitig; **plastische Deformation des Bindegewebes** *unklar*, in Tierversuchen nachgewiesen und sonst nicht bestätigt; **Zunahme der Sarkomerzahl** nur bei langfristiger Immobilisation; dazu die **neuromuskuläre Relaxation (PNF)**. Im normalen Dehntraining ist keine dieser Bedingungen erfüllt.

Die **sensorische Theorie** prüft die mechanische Erklärung an deren eigener Vorhersage: Eine mechanische Ursache müsste eine **Rechtsverschiebung der Längen-/Spannungskurve** erzeugen — bei gleicher Spannung wäre der Muskel länger. Beobachtet werden stattdessen veränderte **Gelenkwinkel** und **Kräfte**; Erklärung ist die **Erhöhung der Dehnungstoleranz**. Eine dauerhafte Reduzierung der Dehnungsspannung ist **nicht belegt**: Sie sinkt im mittleren und steigt im höheren Dehnbereich — die Person hält mehr Spannung aus.

### Die Methoden und ihre Systematik

Zwei Achsen kreuzen sich bei Schnabel et al. (2008): **Dehnart** — Position gehalten (statisch) oder wiederholt angesteuert (dynamisch); **Muskelaktion** — Dehnung durch die eigene Muskulatur (aktiv) oder eine äußere Kraft (passiv).

| Dehnart | aktiv | passiv |
| --- | --- | --- |
| dynamisch | ballistisch, intermittierend/dynamisch | Partnerübungen |
| statisch | Antagonisten-Stretching | Stretching |

**PNF** passt in keines der vier Felder, weil es Anspannung und Dehnung kombiniert. **Dynamisches Dehnen** vermeidet die negativen Effekte von ballistischem Dehnen und Stretching: kleinere, kontrolliertere Bewegungen, Dynamik nach dem **Trainingszustand**, **relevante Zielbewegungen** statt gehaltener Position — und die **Dehnungsspannung nimmt danach nicht ab**. Ballistisch arbeitet gegen den Widerstand, den es beseitigen will: Die Reflexstärke hängt an der Dehngeschwindigkeit.

Das **CHRS-Dehnen** läuft in vier zwingend geordneten Schritten: **Pre-Stretching** bis zum *point of mild discomfort* → **Contract–Hold**, isometrisch 6–10 Sekunden → **Relax** → **Stretch** im vergrößerten ROM über 20–30 Sekunden. Der Gewinn entsteht im Relax-Fenster: Die **Erregbarkeit des alpha-Motoneurons** ist unmittelbar nach isometrischer Kontraktion vermindert — **autogene Hemmung**. Bei der **Antagonist Contraction (AC)** spannt der Gegenspieler an und dehnt und entspannt damit den Zielmuskel — **reziproke Hemmung**. Die **Kombination CHRS + AC** schiebt sie als Schritt 4 vor die Enddehnung ein und heißt in der Revision **CR-AC-Stretching** (Abläufe: Jeffreys 2008; Hemmungsphysiologie: Bear et al. 2018).

### Die Gerüchteküche: Leistung, Schnellkraft, Verletzungsprophylaxe

Klee (2003) hat **28 empirische Untersuchungen** zur Effektivität von Dehnmethoden ausgewertet; die Revision hält daraus fest, Contract → Relax → Antagonist Contract sei die **beste Methode für langfristige Beweglichkeit**. Unmittelbar danach bremst dieselbe Vorlesung: „Schlechte empirische Datenlage. Keine konkreten Handlungsempfehlungen möglich" — die Zuordnung erfolge **erfahrungsgeleitet**, das Wissen sei **keineswegs gefestigt**. Eine *breite* Auswertung ist keine *gute* Datenlage.

Eine **Leistungssteigerung** ist zu erwarten, **wenn die erforderliche Bewegungsamplitude ohne Dehntraining nur schwer zu erreichen ist**: Beweglichkeit ist leistungsrelevant, solange sie limitiert. Für **Schnellkraftleistungen** gilt: **ja**, eine Beeinträchtigung **direkt im Anschluss** an das Dehnen; **nein** bei normaler zwischenzeitlicher Aktivierung durch vorbereitende Bewegungsabläufe. Statisches Dehnen senkt die Dehnungsspannung; für Schnellkraft- und Reaktivleistungen ist die Vorspannung des Muskel-Sehnen-Systems aber funktional — sie trägt die Zwischenspeicherung mechanischer Energie (VL 5). Zur Vorbereitung deshalb dynamisch dehnen.

Bei der **Verletzungsprophylaxe** zeigt die Vorlesung erst die Schlagzeile „Stretching does not prevent injuries" (Herbert & Gabriel 2002; Pope et al. 2000) und prüft sie dann: Nach der **PEDro-Skala** mit Einschlussgrenze 3 von 10 blieben zwei Studien übrig, beide an Militärrekruten über 12 Wochen Grundausbildung; gepoolt 5 % Risikoreduktion, **nicht signifikant**. Neuere Studien ergeben, die Limitationen berücksichtigt, 25–50 % verhinderbare **Muskelverletzungen**.

### Alter, Geschlecht und das Fazit der Vorlesung

**Gewebeeigenschaften** unterscheiden sich nach Alter und Geschlecht und beeinflussen die Beweglichkeit; die **Trainierbarkeit** ist davon **unabhängig** und **auch im Alter gegeben**. Bei Kindern ist Dehntraining nur bei sportartspezifischen Anforderungen notwendig. Die maximale Bewegungsreichweite beeinflussen drei Komponentengruppen: **morphologisch** Muskel- und Bindegewebseigenschaften, **koordinativ** Längen- und Spannungsrezeptoren, **psychisch** die **Schmerztoleranz** — genau die Ursachengruppen vom Sitzungsanfang. Die Zusammenfassung ordnet den Wissensstand nach Sicherheit: gesichert Systematik und Einsetzbarkeit in jedem Alter, ungesichert die Zuordnung von Methode zu Ziel, in Bewegung die Verletzungsprophylaxe („steigende Evidenz, dass Dehnen vor Muskelverletzungen schützt").

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **1 Stunde** — danach ist die Dehnungsspannung nach statischem Stretching wieder auf Ausgangsniveau (Folie 19; mod. nach Klee 2003).
- **6–10 Sekunden isometrisch, 20–30 Sekunden Enddehnung** — CHRS (Revision, S. 10; Folie 34 nennt keine Sekundenwerte).
- **28 empirische Untersuchungen** — Klees Auswertung zur Effektivität von Dehnmethoden (Habilitationsschrift).
- **PEDro-Skala 1–10 mit Minimum 3** — Einschlussgrenze des Systematic Review; nur 2 Studien blieben übrig.
- **n = 1284 gegen n = 1346 bei 181 gegen 200 Verletzungen** — randomisierte Stretch- gegen Kontrollgruppen: neue Militärrekruten, 12 Wochen Grundausbildung.
- **5 % Risikoreduktion** — gepoolte Schätzung, statistisch nicht signifikant (Folie 47).
- **100 Personen × 12 Wochen bzw. 23 Jahre** — dieselbe Schätzung, umgerechnet auf eine verhinderte Verletzung (Folien 43 und 47).
- **25–50 %** — Anteil der durch vorheriges Dehnen verhinderbaren Muskelverletzungen (Folie 48).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Aktive Beweglichkeit | Passive Beweglichkeit | Zweite Grenze: Kraft des Gegenspielers gegen Form des Gelenks. |
| Optimale Reichweite | Maximale Reichweite | Maßstab ist die Aufgabe; maximal nur, wo die Amplitude selbst zählt. |
| Zusammengesetzte Einflussgröße | Relativ unabhängige konditionelle Einflussgröße | Beweglichkeit gegen Maximalkraft (Olivier et al.). |
| Dehnungsspannung | Dehnungstoleranz | Mechanisch, nach einer Stunde zurück, gegen sensorisch, langfristig erhöht. |
| Längenkonstante Relaxation | Creeping-Effekt | Position fest, Kraft fällt (F0 < F1), gegen Kraft fest, Länge wächst (l1 > l0). |
| Mechanische Theorien | Sensorische Theorie | Gewebe gegen Wahrnehmung; Prüfstein ist die ausbleibende Rechtsverschiebung. |
| Immobilisation in Dehnung | Immobilisation in Verkürzung | Mehr Sarkomere, Länge und Kollagen gleich, gegen weniger, kürzer, mehr Kollagen. |
| Ballistisches Dehnen | Dynamisches Dehnen | Gleiche Zelle; graduell in Amplitude, Geschwindigkeit, Zielbewegung, Nachwirkung. |
| Stretching | Antagonisten-Stretching | Beide statisch; es trennt, wer die Dehnung erzeugt. |
| Autogene Hemmung | Reziproke Hemmung | Anspannung des Zielmuskels (CHRS) gegen Anspannung des Antagonisten (AC). |
| Ausgangsniveau | Trainierbarkeit | Alters- und geschlechtsabhängig gegen davon unabhängig. |

### Klausurfallen

- **Kurzfristige und langfristige Wirkung verwechseln.** Der Spannungsabfall ist nach etwa einer Stunde weg; der Zugewinn beruht auf Dehnungstoleranz, nicht auf neuen Sarkomeren.
- **Die zweite Grenze vertauschen.** „Form des Gelenks" gehört zur passiven, „Kraft des Gegenspielers" zur aktiven Begrenzung.
- **Widerspruch zur Immobilisation.** Folie 12: „Gesamtmuskellänge verändert sich nicht" — die Sarkomere werden kürzer, ihre Anzahl steigt. Revision, S. 9: „wird länger". **Es gilt die Folie**; unstrittig nur die Richtung der Sarkomerzahl.
- **„Dehnen macht den Muskel länger."** Die Sarkomervermehrung gilt nur bei langfristiger Immobilisation, und eine dauerhafte Reduzierung der Dehnungsspannung ist nicht belegt — im höheren Dehnbereich ist sie danach größer.
- **Die Dehnungstoleranz unter die Ursachen schreiben.** Sie ist die Anpassung; die Ursachen sind Anatomie, Elastizität, Dehnungsreflex.
- **CR-AC ohne Vorbehalt als „beste Methode" verkaufen.** Als Tendenz aus Klees Auswertung vertretbar, als Handlungsempfehlung nicht (Folien 41 und 51).
- **Die 28 mit den 2 verwechseln.** 28 Untersuchungen wertet Klee zu den Dehnmethoden aus; 2 Studien überstanden die PEDro-Prüfung.
- **Ballistisch und dynamisch als klar getrennte Methoden behaupten.** Die Vorlesung mahnt zweimal: „die Grenzen sind fließend".
- **Die reziproke Hemmung in die Relax-Phase des CHRS legen.** Dort wirkt die autogene; die reziproke kommt erst mit der Antagonistenanspannung.
- **PNF in das Vier-Felder-Schema pressen.** Es kombiniert Anspannung und Dehnung. Ebenso falsch: der Ablauf ohne Zeiten — die Demonstrationsvideos kürzen sie.
- **„Dehnen macht schwach."** Richtig ist: kein statisches Dehnen unmittelbar vor einer Schnellkraftleistung.
- **Nicht signifikant als Wirkungslosigkeit lesen.** Die 5 % zählen alle Verletzungen bei Militärrekruten, die 25–50 % nur Muskelverletzungen.
- **„Im Alter lohnt Dehnen nicht mehr."** Vermengt Ausgangsniveau und Trainierbarkeit; nur das Erste ist alters- und geschlechtsabhängig.

## Modul 7 · Schnelligkeit

> **Leitfrage:** Warum lässt sich „Schnelligkeit" nicht direkt trainieren — und wie leitet man stattdessen jede Trainingsform aus einer limitierenden Einflussgröße ab?

Das Modul beginnt mit einem Problem statt mit einer Methode: Die Systematik motorischer Fähigkeiten führt die Schnelligkeit induktiv als Fähigkeit auf, deduktiv fehlt ihr aber jedes Korrelat. Aus dieser Lücke folgt alles Weitere — der Definitionsversuch vermeidet das Wort „Fähigkeit", Hicks Law und das SAQ-Konzept modellieren die informationelle Seite, die Diagnostik ersetzt das fehlende Korrelat durch eine Testbatterie, und eine Belegkette aus Längsschnitt, Gewichtheberwerten, DFB-Normen und Wisløff et al. (2004) sichert die energetische Seite. Am Ende steht die Auflösung: Weil nur Koordination und Kraft limitierend *und* trainierbar sind, ist Schnelligkeitstraining Koordinations- plus Schnellkrafttraining — mit der genetisch festgelegten Muskelfaserstruktur als Obergrenze. In der Revision des Studenten fehlt dieses Thema vollständig; maßgeblich ist allein die Vorlesung.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Schnelligkeit** — „eine **zusammengesetzte trainierbare Einflussgröße** sportlicher Leistungen. Sie beschreibt den Teilaspekt der sportlichen Leistungsfähigkeit, sportliche Bewegungen **in minimaler Zeit und mit optimaler Frequenz** ausführen zu können" (Olivier et al., 2007, S. 217; ebenso Güllich & Krüger, 2013, S. 474).
- **Koordination** — demgegenüber die **einfach trainierbare Einflussgröße**: das zielgerichtete Zusammenwirken der Teilsysteme und Teilprozesse der Sportmotorik (Olivier et al., 2008).
- **Handlungsschnelligkeit** — komplexeste Form der Schnelligkeit (Hohmann et al., 2010), vierfach determiniert: konditionell, koordinativ, kognitiv-taktisch, perzeptiv-taktisch; entscheidend in „situativen" Sportarten, genannt werden Kampf- und Spielsport.
- **Hicks Law** — RZ = BZ + IV × log2(N): Die Reaktionszeit setzt sich aus der Bewegungszeit und der Entscheidungszeit in Abhängigkeit des Informationsgehalts zusammen.
- **SAQ** (Dawes & Roozen, 2012) — **Speed**: Bewegungsgeschwindigkeit, häufig gemessen an der linearen Sprintgeschwindigkeit; **Agility**: Fähigkeit zur schnellen Richtungs- oder Geschwindigkeitsänderung als Reaktion auf einen Reiz; **Quickness**: psychophysische Fähigkeit, auf Reize oder Signale schnell zu reagieren — unter ihr sind die kognitiven Einflussfaktoren von Agility zusammengefasst.
- **Bewertungsziffer** — Notenskala für Sprintzeiten in den DFB-Sprintleistungen (Bund Deutscher Fußball-Lehrer, 2005): Mit der Ziffer 5 verlässt man den Leistungsbereich leistungsstarker Spieler; ein Kriteriums- bzw. Cut-off-Wert, kein Mittelwert.
- **Schnelligkeitstraining** — Kombination aus Koordinations- und Schnellkrafttraining: je eine Maßnahme pro Einflussgröße. Ein „Schnelligkeitstraining an sich" gibt es nicht.

### Zwitter ohne Korrelat: Einordnung, Definitionsversuch, Erscheinungsformen

Die motorischen Fähigkeiten werden nach ihrer **Determinante** in zwei Obergruppen sortiert (mod. nach Bös, 1987). Begrenzt die **Energiebereitstellung**, handelt es sich um **konditionelle (energetische) Fähigkeiten** — Ausdauer und Kraft; begrenzt die **Informationsverarbeitung**, also Steuerung und Regelung, um die **koordinativen Fähigkeiten i. e. S.** Im Schema stehen außerdem Schnelligkeit und Beweglichkeit; gezeigt wird es zweimal, vor und nach dem Definitionsversuch (Folien 3 und 5), in VL 2 zusätzlich mit der Quelle Hohmann, Lames & Letzelter (2010) bei identischem Aufbau. Das Einordnungskriterium ist energetisch gegen informationell, nicht schnell gegen langsam. Die Schnelligkeit lässt sich keinem der Pole zuordnen, weil eine Schnelligkeitsleistung **muskulär-energetische** Aspekte enthält — Kraftentfaltung und Energiebereitstellung im Muskel — *und* zugleich **nerval-informationelle**: Ansteuerung, Reaktion, Bewegungsfrequenz (Schnabel, Harre & Krug, 2008, S. 170). Daher der Zwitterstatus; die Beweglichkeit steht im selben Schema, erhält diese Doppelbegründung aber nicht.

Die Systematik ist **induktiv** gewonnen, aus Beobachtung und Tests — darin liegt ihre Schwachstelle. Geht man **deduktiv** vor, von Anatomie und Physiologie her, bleibt ein Fragezeichen: Es gibt kein Organ, kein Gewebe und keinen Stoffwechselweg „Schnelligkeit". Bestritten wird damit allein der Status als eigenständiges physiologisches Konstrukt, nicht die Veränderbarkeit. Der Definitionsversuch zieht die begriffliche Konsequenz: Olivier et al. sprechen durchgängig von **Einflussgrößen sportlicher Leistungen** statt von Fähigkeiten (2007, S. 91). *Zusammengesetzt* heißt, dass die Schnelligkeit **kein eigenständiger Zugriffspunkt** ist, sondern aus mehreren Einflussgrößen besteht. Limitierend und trainierbar sind genau zwei: **Koordination** (Reaktions- und Frequenzschnelligkeit) und **Kraft** (Schnellkraft aus Kraftanstieg und Explosivkraft) (Olivier et al., 2008, S. 224) — exakt die beiden Aspekte der Doppelbegründung. „Diese Komponenten sind zu verändern, um Verbesserungen der komplexen Schnelligkeitsleistung zu erreichen." Nicht genannt werden Ausdauer, Beweglichkeit und Anthropometrie.

Vier Erscheinungsformen kommen namentlich vor: **Reaktionsschnelligkeit** (auf ein Signal antworten; Modell ist Hicks Law), **Frequenzschnelligkeit** (hohe Bewegungsfrequenz bei zyklischen Bewegungen), **komplexe Schnelligkeitsleistung** (die zusammengesetzte Wettkampfleistung, auf die das Training zielt) und **Handlungsschnelligkeit**. Die zugehörige Abbildung stammt aus Hohmann et al. (2007, S. 87); die Lehrbuchgliederung dahinter trennt elementar Reaktions- von **Aktionsschnelligkeit** und diese in azyklische (Einzelbewegungsschnelligkeit — Schlag, Wurf, Absprung) und zyklische, also die Frequenzschnelligkeit (Ergänzung, nicht Folieninhalt). Reaktion endet mit dem Bewegungs*beginn*, Aktion betrifft die Bewegungs*ausführung*; erst beides ergibt die komplexe Leistung.

### Hicks Law: was jede Verdopplung der Alternativen kostet

Die Vorlesung schreibt **RZ = BZ + IV × log2(N)**. **RZ** ist die Reaktionszeit, **BZ** die Bewegungszeit, **IV** die Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, **N** die Zahl der Auswahlmöglichkeiten; der Produktterm **IV × log2(N)** ist die *Entscheidungszeit in Abhängigkeit des Informationsgehalts*. BZ ist der von N unabhängige Sockel, IV eine Personeneigenschaft. Datengrundlage sind **Hymans Daten (1953)** für vier Versuchsteilnehmer A–D; aufgetragen wird die Reaktionszeit in ms einmal gegen N, einmal gegen die Auswahlmöglichkeiten in bit. Der Logarithmus zur Basis 2 misst den Informationsgehalt und macht aus der gekrümmten Kurve eine **Gerade**, deren Steigung IV und deren Achsenabschnitt BZ ist. Die Formel schließt die drei Folien zu den Wahlreaktionszeiten ab (Folien 16–18).

Rechnerisch folgt: log2(2N) − log2(N) = 1 bit, jede **Verdopplung** von N verlängert die Reaktionszeit um genau IV. N = 2 → BZ + 1 × IV, N = 4 → BZ + 2 × IV, N = 8 → BZ + 3 × IV. Der Sprung von zwei auf vier Alternativen kostet damit so viel wie der von vier auf acht, obwohl absolut doppelt so viele hinzukommen — es zählt die relative, nicht die absolute Zunahme. Bei **N = 1** ist log2(1) = 0, der Entscheidungsanteil entfällt vollständig, es bleibt RZ = BZ: die **einfache Reaktion** (Startschuss, nur eine mögliche Antwort) gegenüber der **Wahlreaktion** mit N > 1. Umgekehrt gelesen: Wer die Zahl der ernsthaft erwogenen Alternativen halbiert, spart ebenfalls genau IV — darin liegt der spätere Ansatzpunkt des Trainings.

### SAQ, das Agility-Modell und was ein Agility-Test misst

Für die Schnelligkeit im Sportspiel setzt die Vorlesung das SAQ-Konzept dagegen (Dawes & Roozen, 2012), samt einem Anwendungsbeispiel aus der NFL: Gefordert sind dort nicht lineare Sprints, sondern Antworten auf Reize und Richtungswechsel. Quickness steckt in der Agility mit drin, denn sie bündelt deren kognitive Einflussfaktoren. Das Agility-Modell teilt sich in *perception and decision making* — visual scanning, anticipation, pattern recognition, knowledge of situations — und *change of direction speed* mit vier Bausteinen: **technique**, **straight sprinting speed**, **anthropometric variables** und **leg muscle qualities** (strength, power, reactive strength). Es trennt damit dieselben Seiten wie die Doppelbegründung des Zwitterstatus, nur für den Richtungswechsel ausbuchstabiert. Ein schlechter Agility-Wert hat deshalb zwei ganz verschiedene mögliche Ursachen; erst die Zuordnung zu einem Ast bestimmt die Maßnahme. Die anthropometrischen Merkmale erklären Leistungsunterschiede, taugen aber nicht als Trainingsansatz, weil sie nicht trainierbar sind. „Optimale Technik ist Grundlage für effektives Starten und Stoppen von Bewegung in verschiedene Richtungen" (Dawes & Roozen, 2012, S. 17 ff.): Der Richtungswechsel besteht aus Abbremsen und Wiederbeschleunigen, und **foot placement**, **adjustment of strides to accelerate and decelerate** sowie **body and posture** entscheiden, wie verlustarm der Übergang gelingt. In deutscher Terminologie liegt Quickness nahe an der Reaktionsschnelligkeit, Agility an der komplexen Schnelligkeitsleistung.

Als Agility-Tests nennt die Vorlesung den **T-Test** und den **3-Cone-Drill**, beide über die benötigte Zeit in Sekunden ausgewertet. Ein fester Parcours nimmt dem Test jedoch genau den Anteil, der Agility ausmacht: Wer den Weg vorher kennt, muss weder scannen noch antizipieren, gemessen wird überwiegend die *change of direction speed*. Die Diagnostik erfasst also nur einen Ast des Konstrukts.

### Die Belegkette Kraft ↔ Schnelligkeit und die operationale Ersatzdefinition

Die Folien 9 bis 12 sind kein Sammelsurium von Zahlen, sondern vier Datentypen mit einem einzigen Ziel: Sie bereiten die Aussage vor, dass Kraft eine der beiden limitierenden, trainierbaren Einflussgrößen ist — ausgesprochen wird sie erst auf Folie 15. **Längsschnitt** → Entwicklung von Sprintleistung und Maximalkraft im langjährigen Trainingsprozess nach Letzelter & Letzelter (1986), übernommen aus Frey & Hildenbrandt (2002), S. 107; die Folie besteht nur aus der Abbildung, prüfbar sind Titel, Autoren und Funktion, **keine Kurvenwerte**. Zugleich zeigt die Längsschnittperspektive: Schnelligkeit entsteht über Jahre, nicht in Wochen. **Querschnitt** → Gewichtheber trainieren weder Sprint noch Sprung und erreichen dennoch Werte auf Sprinter-Niveau. **Norm** → mit der Bewertungsziffer 5 verlässt man den Leistungsbereich leistungsstarker Spieler; Sprintleistung wird im Spitzenfußball normiert diagnostiziert. **Korrelation** → Wisløff, Castagna, Helgerud, Jones & Hoff (2004, S. 287) zeigen den Zusammenhang zwischen Kniebeuge-Maximalkraft und 10-m-Sprintleistung bei Profi-Fußballspielern; auf so kurzer Strecke wird fast ausschließlich beschleunigt, die maximale Laufgeschwindigkeit noch gar nicht erreicht, und Beschleunigung ist Kraftentfaltung gegen die eigene Körpermasse (Ergänzung, nicht Folieninhalt). Die Grenze bleibt: ein Zusammenhang, kein Interventionsnachweis.

Dass 30 m aus dem Hochstart und 30 m fliegend nebeneinander gemessen werden, hat denselben diagnostischen Sinn. Der Hochstart beginnt aus der Ruhe und erfasst überwiegend die **Beschleunigungsleistung**, die fliegende Variante startet mit Anlauf und erfasst die erreichte **maximale Laufgeschwindigkeit**; rund 0,9 s Differenz auf identischer Distanz sind der Preis des Starts aus der Ruhe. Zwei Sportler mit gleicher fliegender Zeit, aber deutlich verschiedener Hochstart-Zeit unterscheiden sich folglich in der Beschleunigung, also auf der Kraft- und Schnellkraftseite — dieselbe Logik wie beim 10-m-Sprint. Die Ergänzung dazu: Ein Sprint gliedert sich in Beschleunigungsphase, Phase der maximalen Geschwindigkeit und Phase abnehmender Geschwindigkeit; die beiden Testvarianten decken die ersten beiden ab, die dritte wird über 30 m gar nicht erreicht (Ergänzung, nicht Folieninhalt). **MATASS**, die Magdeburger Talentstudie an sportbetonten Schulen (Hohmann, 2009, S. 145), beantwortet die Kehrseite: Was im Komplex Schnelligkeit getestet wird, ist nie eine Größe, sondern eine **Testbatterie**. Weil kein deduktives Korrelat existiert, muss die Schnelligkeit operational über Tests bestimmt werden — faktisch entscheidet dann die gewählte Batterie, was „Schnelligkeit" heißt. Prüfbar sind Name, Autor und diese Funktion, nicht die Einzelitems.

### Trainiert wird die Einflussgröße: die vier Methodenaussagen und ihre Grenzen

Die Leitidee lautet wörtlich, eine „Beziehung zwischen Einflussgrößen der Schnelligkeit und den dafür relevanten Trainingsformen herstellen" (Olivier et al., 2008, S. 224–228). Sie ist die direkte Folge aus dem fehlenden Korrelat und aus der Beschränkung auf zwei Einflussgrößen: Eine Maßnahme ohne benannte Einflussgröße ist nicht begründbar. Vier Aussagen leitet die Vorlesung daraus ab (Folie 28):

| Einflussgröße / Trainingsziel | Relevante Trainingsform |
| --- | --- |
| Schnelligkeit insgesamt | Kombination aus Koordinations- und Schnellkrafttraining |
| Reaktionsschnelligkeit | Antizipationstraining |
| Frequenzschnelligkeit | Fertigkeitstraining zur Verbesserung der intermuskulären Koordination |
| Komplexe Schnelligkeit | Fertigkeitstraining mit unterschiedlichen Widerständen |

Drei der vier sind Koordinations- oder Fertigkeitstraining: Die informationelle Seite dominiert die Methodik, obwohl die Schnelligkeit im Schema bei den konditionellen Fähigkeiten steht. Praktisch folgt daraus ein doppeltes Verdikt — wer nur sprintet, trainiert keine der beiden Größen gezielt; wer nur Kraft trainiert, verbessert Reaktions- und Frequenzanteil nicht. **Antizipationstraining** setzt nicht am schnelleren Losdrücken an, sondern am früheren Erkennen: Von den drei Termen hängt BZ an Kraft und Technik, IV ist ein kaum veränderbares Personenmerkmal, angreifbar bleibt allein log2(N) — wer die Situation liest, muss nicht mehr aus allen Alternativen auswählen. Genau diese Leistungen führt das Agility-Modell unter *perception and decision making* auf. Die Verknüpfung von Hicks Law und den Methodenaussagen stellt die Vorlesung allerdings nicht ausdrücklich her; sie ist die naheliegende Herleitung aus beiden Folien (Ergänzung, nicht Folieninhalt). Ihre Grenze: Antizipation ist sportart- und situationsgebunden, beruht auf Erfahrung mit typischen Mustern und verlangsamt die Reaktion sogar, wenn der Gegner täuscht. Die beiden Fertigkeitstrainings unterscheiden sich im Zugriff — bei der Frequenzschnelligkeit begrenzt das Zusammenspiel von Agonist und Antagonist, eine **inter**muskuläre und keine energetische Aufgabe (Ergänzung, nicht Folieninhalt); beim komplexen Schnelligkeitstraining wird die Wettkampfbewegung selbst geübt und nur der **Widerstand** variiert, weshalb es als einzige der vier Aussagen Kraft- und Koordinationsseite zugleich anspricht.

Die Obergrenze setzt die Muskelfaserstruktur (De Marées, 2003). Langfristiges Ausdauertraining kann sie verändern, doch die Verteilung ist **genetisch festgelegt**, und Training bewegt sich nur innerhalb einer Bandbreite. Niederfrequente Elektrostimulation erzeugt nach Wochen faser-I-typische Eigenschaften, etwa erhöhte Kapillardichte und aerobe Energiebereitstellung; der umgekehrte Weg zu Typ-II-Fasern verlangt abgeschaltete niederfrequente und stattdessen diskontinuierlich hochfrequente Stimulation und gelingt in der Praxis kaum. Insgesamt ist der Einfluss von Ausdauertraining auf die Schnelligkeit eher gering, weil die Koordination davon kaum beeinträchtigt wird. Der Fasertyp ist die nicht verhandelbare Randbedingung, Schnellkraft und Koordination sind die Stellschrauben. (Hintergrund: Typ-II-Fasern besitzen eine schnellere Myosin-ATPase und damit eine höhere Verkürzungsgeschwindigkeit, ermüden dafür rascher — Ergänzung, nicht Folieninhalt.)

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **RZ = BZ + IV × log2(N)** — Hicks Law. log2(1) = 0 → RZ = BZ; log2(2) = 1, log2(4) = 2, log2(8) = 3 bit. Jede Verdopplung von N kostet genau IV. Daten: Hyman (1953), vier Versuchsteilnehmer A–D, Reaktionszeit in ms.
- **T-Test-Normtabelle, Team** (Reiman & Manske, 2009; in der Vorlesung über Olivier et al., 2008, S. 55) — Prozentrang 90 = 9,90 s · 80 = 10,01 s · 70 = 10,08 s · 60 = 10,13 s · 50 = 10,18 s · 40 = 10,37 s · 30 = 10,53 s · 20 = 10,67 s · 10 = 10,90 s. Kennwerte: MW = 10,30 s, SD = 0,42 s, n = 40. Kleiner ist besser.
- **Verteilungsform** — MW 10,30 s gegen Median (Prozentrang 50) 10,18 s: rechtsschief. Abstände oben eng, unten weit: Prozentrang 90 bis 70 nur 0,18 s, Prozentrang 30 bis 10 dagegen 0,37 s.
- **T-Test-Referenzwerte nach Sportart** (Reiman & Manske, 2009) — College Basketball (men) 8,9 s · College Baseball (men) 9,2 s · College Tennis (men) 9,4 s · College Basketball (women) 9,9 s · College Tennis (women) 11,1 s · Recreational athletes (women) 12,5 s. Spanne 3,6 s; Freizeitsportlerinnen 1,4 s hinter College-Tennisspielerinnen und 2,6 s hinter College-Basketballerinnen. Eine Deutung der Rangfolge gibt die Folie nicht.
- **Sprint- und Sprungleistungen von Gewichthebern** (Bundestrainerforum „DLV-Kraftkonferenz", 2008, Potsdam) — Schlussweitsprung 3,10–3,40 m · Schlussdreisprung 10,50–11 m · 30 m Hochstart 3,8–3,9 s · 30 m fliegend 2,9–3,0 s · CMJ 88 cm. Differenz Hochstart gegen fliegend rund 0,9 s.
- **Bewertungsziffer 5** — DFB-Sprintleistungen (Bund Deutscher Fußball-Lehrer, 2005): untere Grenze des Bereichs leistungsstarker Spieler, Kriteriums- bzw. Cut-off-Wert.
- **10 m** — Sprintstrecke, deren Leistung bei Wisløff et al. (2004, S. 287) mit der Kniebeuge-Maximalkraft korreliert.
- **Ohne Zahlenwerte** — die Längsschnittabbildung nach Letzelter & Letzelter (1986) aus Frey & Hildenbrandt (2002), S. 107: keine hinterlegten Kurvenwerte, also nicht als Zahl prüfbar.
- **Seitenangaben** — Definitionsversuch Olivier et al., 2007, S. 217 (ebenso Güllich & Krüger, 2013, S. 474); Einflussgrößen statt Fähigkeiten S. 91; limitierende Größen Olivier et al., 2008, S. 224; Methoden S. 224–228; Zwitterbegründung Schnabel, Harre & Krug, 2008, S. 170; Erscheinungsformen Hohmann et al., 2007, S. 87; MATASS Hohmann, 2009, S. 145; Technik Dawes & Roozen, 2012, S. 17 ff. Vorlesungsgrundlage sind die Folien 1–31; zur Nachbereitung nennt sie Hohmann et al. (2010), S. 86–92, Schnabel, Harre & Krug (2008), S. 168–178, Olivier et al. (2008), S. 217–229 und Güllich & Krüger (2013), S. 474–480.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Zusammengesetzte trainierbare Einflussgröße (Schnelligkeit) | Einfach trainierbare Einflussgröße (Koordination) | Gleich gebaute Definitionen, ein Wort Unterschied. *Zusammengesetzt* = kein eigener Zugriffspunkt, Training nur über Koordination und Kraft; *einfach* = unmittelbar ansteuerbar. |
| Kein deduktives Korrelat | Nicht trainierbar | Bestritten wird der Status als eigenständiges physiologisches Konstrukt, nicht die Veränderbarkeit — der Definitionsversuch nennt die Schnelligkeit ausdrücklich trainierbar. |
| Induktion | Deduktion | Von Beobachtung und Tests zu den Fähigkeiten gegen von Anatomie und Physiologie her; nur der zweite Weg findet für die Schnelligkeit nichts. |
| Konditionell (energetisch) | Koordinativ (informationell) | Kriterium ist die Determinante — Energiebereitstellung gegen Informationsverarbeitung, nicht schnell gegen langsam und nicht die Belastungsdauer. |
| Reaktion | Aktion | Reaktion endet mit dem Bewegungs*beginn*, Aktion betrifft die Bewegungs*ausführung*. |
| Reaktionsschnelligkeit | Handlungsschnelligkeit | Rein signalbezogen gegen zusätzlich Situationsbewertung und Handlungsauswahl (kognitiv- und perzeptiv-taktisch). |
| Einfache Reaktion | Wahlreaktion | Allein die Alternativenzahl: N = 1 → RZ = BZ gegen N > 1 → zusätzlich IV × log2(N). |
| BZ = Bewegungszeit | BZ = Bewertungsziffer | Dasselbe Kürzel für zweierlei: Term in Hicks Law gegen DFB-Notenskala für Sprintzeiten. Der Zusammenhang entscheidet. |
| Agility | Quickness | Agility ist die Bewegungsantwort (Ausführen des Richtungswechsels), Quickness die Reaktionsseite (Wahrnehmen und Entscheiden) — Quickness steckt in der Agility. |
| Agility | Speed | Speed ist die lineare Sprintgeschwindigkeit und erscheint im Modell nur als *straight sprinting speed*, einer von vier Bausteinen der change of direction speed. Ein schwacher Agility-Wert schließt hohe lineare Sprintgeschwindigkeit nicht aus. |
| T-Test, 3-Cone-Drill | 30-m-Sprints, CMJ | Agility-Tests gegen Verfahren für lineare Schnelligkeit bzw. Sprungkraft — die zweite Gruppe misst keine Agility. |
| Prozentrang-Normtabelle | Referenzwerte nach Sportart | Relative Einordnung in einer Stichprobe (n = 40, MW 10,30 s, SD 0,42 s) gegen Gruppenmittelwerte verschiedener Stichproben; keine Normtabelle, kein gemeinsamer Maßstab. |
| Bewertungsziffer 5 | Prozentrang 50 | Inhaltlich gesetzte Leistungsschwelle (Cut-off) gegen Median einer Stichprobe, der für sich nichts über gut oder schlecht sagt. |
| 30 m Hochstart | 30 m fliegend | Start aus der Ruhe, überwiegend Beschleunigungsleistung, gegen Start mit Anlauf, maximale Laufgeschwindigkeit — rund 0,9 s Differenz auf gleicher Distanz. |
| Intermuskuläre Koordination | Intramuskuläre Koordination | Zusammenspiel *mehrerer* Muskeln (Agonist/Antagonist bei hoher Frequenz, Koordinationsseite) gegen Rekrutierung und Frequenzierung *innerhalb* eines Muskels (Schnellkraft, Kraftseite). |
| Training der Frequenzschnelligkeit | Komplexes Schnelligkeitstraining | Beides Fertigkeitstraining: dort intermuskuläre Koordination bei hoher Frequenz, hier die komplette Wettkampfbewegung unter variiertem Widerstand. |

### Klausurfallen

- **Schnelligkeit als eigenständige konditionelle Fähigkeit behandeln**, die man als Ganzes trainieren könnte. Falsch: Sie ist eine zusammengesetzte Einflussgröße ohne anatomisch-physiologisches Korrelat; jede Trainingsform wird aus einer einzelnen limitierenden Einflussgröße abgeleitet.
- **„Maximale Frequenz".** Im Wortlaut steht *optimal*. Die Fortbewegungsgeschwindigkeit ist das Produkt aus Schrittlänge und Schrittfrequenz; ab einem Punkt geht mehr Frequenz zu Lasten der Schrittlänge (Ergänzung, nicht Folieninhalt).
- **„Fähigkeit" statt „Einflußgröße" und „einfach trainierbar" statt „zusammengesetzt".** Beides kippt die zentrale Aussage: „Einfach trainierbar" ist die Bestimmung der Koordination. Wer stattdessen „nicht trainierbar" schreibt, macht den dritten Fehler in derselben Definition.
- **„Kein Korrelat" als „nicht trainierbar" lesen.** Bestritten wird nur der Konstruktstatus. Was folgt, ist der Umweg über die Einflussgrößen, nicht der Verzicht auf Training.
- **Reaktionszeit proportional zur Alternativenzahl.** Falsch: Sie wächst mit dem Logarithmus. Acht statt vier Alternativen kosten genau IV, ebenso wie vier statt zwei — nicht das Doppelte.
- **Die Bewegungszeit für den Reaktionsanteil halten.** BZ ist der von N unabhängige Sockel und in einfacher wie Wahlreaktion enthalten; verlängert wird durch mehr Alternativen ausschließlich der Entscheidungsanteil.
- **BZ verwechseln.** In Hicks Law die Bewegungszeit, in den DFB-Sprintleistungen die Bewertungsziffer.
- **Beim T-Test „größer ist besser" annehmen.** Es ist eine Zeitmessung: Prozentrang 90 steht bei 9,90 s, Prozentrang 10 bei 10,90 s.
- **Mittelwert und Median gleichsetzen.** MW 10,30 s, Prozentrang 50 aber 10,18 s — die Verteilung ist rechtsschief, einzelne langsame Werte ziehen den Mittelwert nach oben.
- **Die Sportart-Referenzwerte als Normtabelle verwenden.** Es sind Gruppenmittelwerte verschiedener Stichproben; ein Männer-Frauen-Vergleich ist daraus nicht als Fähigkeitsdifferenz interpretierbar, und der beste Sportartwert (8,9 s) liegt unter dem besten Prozentrang der Normtabelle (9,90 s).
- **Wisløff et al. (2004) als Interventionsnachweis lesen.** Gezeigt ist eine Korrelation; dass jede Kraftsteigerung die Sprintzeit verbessert, folgt daraus nicht. Auch Gewichtheberwerte, DFB-Normen und Längsschnittabbildung sind Quer-, Norm- und Verlaufsdaten, kein Nachweis.
- **Kurvenwerte der Längsschnittabbildung lernen.** Sie sind im Foliendokument nicht hinterlegt; prüfbar sind Titel, Autoren (Letzelter & Letzelter, 1986; Frey & Hildenbrandt, 2002) und die Funktion im Argument.
- **Anthropometrische Merkmale als Trainingsansatz nennen.** Sie stehen im Agility-Modell, sind aber nicht trainierbar; ebenso sind Technik und Anthropometrie dort Bestandteile der Richtungswechselgeschwindigkeit, nicht limitierende Einflußgrößen der Schnelligkeit.
- **Guten T-Test-Wert als Agilität im Spiel deuten.** Der feste Parcours misst überwiegend die change of direction speed; der Wahrnehmungs- und Entscheidungsanteil bleibt weitgehend unerfasst.
- **Antizipationstraining als schnelleres Losdrücken.** Trainiert wird das frühere Erkennen, also der Term log2(N). Zu beachten: Die Verknüpfung von Hicks Law und dieser Methodenaussage stellt die Vorlesung nicht selbst her (Ergänzung, nicht Folieninhalt).
- **Inter- und intramuskulär vertauschen.** Ein Buchstabe entscheidet, auf welcher Seite der Zweiteilung man sich befindet — und damit über die Trainingsform.
- **Ausdauertraining ins Schnelligkeitstraining aufnehmen.** Sein Einfluss auf die Schnelligkeit ist eher gering, weil die Koordination davon kaum betroffen ist; „einfach viel sprinten" wiederum lässt sich keiner Einflussgröße zuordnen.
- **Fasertypen trainieren wollen.** Die Verteilung ist genetisch festgelegt, Training bewegt sich in einer Bandbreite; der Weg zu Typ-II-Fasern gelingt praktisch kaum.
- **Auf die Revision bauen.** In der Revision des Studenten fehlt dieses Thema vollständig — es besteht keinerlei Revisionsdeckung, geprüft wird nach der Vorlesung.


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# Koordinative Fähigkeiten

## Modul 8 · Koordination

> **Leitfrage:** Gibt es generelle koordinative Fähigkeiten, die man sportartübergreifend trainieren kann — oder trainiert man immer nur Fertigkeiten, und was folgt daraus für die Praxis?

Die Vorlesung endet nicht bei der Systematik der koordinativen Fähigkeiten, sondern bei deren Infragestellung; ihr Aufbau in drei Blöcken — Roth, Olivier et al., Kritik — ist selbst prüfungsrelevant, denn die ersten beiden sind konkurrierende Antworten auf dieselbe Frage. Auf den Generalitätsanspruch (Roth 1989) folgen die zwei Wege zu den Anforderungsklassen, das Vereinigungsmodell, die Grundformel — und erst dann die Kritik. In der Revision fehlt das Thema; anschlussfähig ist allein die Unterscheidung Fähigkeit/Fertigkeit (Revision, S. 3).

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Koordinative Fähigkeiten** — generelle, bewegungs- und sportartübergreifende Leistungsvoraussetzungen, die das Niveau wesentlicher Vorgänge bei der Steuerung und Regelung menschlicher Willkürbewegungen charakterisieren (Folie 7).
- **Fertigkeiten** — aufgabenspezifisch, gelernt, geringe Transferabilität; bei Olivier et al. (2008) **gelernte Koordinationsmuster** für spezifische motorische Aufgaben.
- **Koordination** — „eine einfach trainierbare Einflussgröße sportlicher Leistungen … das zielgerichtete Zusammenwirken der Teilsysteme und Teilprozesse der Sportmotorik" (Olivier et al., 2008).
- **Informationsanforderungen** — erste Anforderungsklasse: efferente Verarbeitung (Umfang der Muskelgruppen), afferente Verarbeitung (führende Sinnesorgane/Analysatoren). Zweite Klasse: die **Druckbedingungen**, unter denen die Leistung zu erbringen ist.
- **Methodische Grundformel („Kochformel")** — die entscheidenden „Zutaten" sind jeweils stabil beherrschte motorische Fertigkeiten, die informationell-variabel mit den aufgeführten Druckbedingungen „gewürzt" werden.
- **Wiederholen ohne Wiederholung** — Wiederholungen bei gezielter Variation der Bewegungsausführung (Golle et al., 2019).

### Der Generalitätsanspruch und seine Begründung

Roth (1989) schreibt den koordinativen Fähigkeiten die denkbar größte Rolle zu: Sie sind — *nach vorherrschender Meinung* — die zentrale Basis für motorische Intelligenz, Lernfähigkeit, Begabung und Talent. Eine Zuschreibung, keine Beweisführung; träfe sie zu, müsste ihr Training auf alle Bewegungsformen durchschlagen — die **Transferannahme**. Trainierbar „von klein auf" sind sie, weil das **ZNS** anderen Wachstums- und Reifungsprozessen weit vorausläuft (die steuernde Instanz ist früher entwickelt als der Bewegungsapparat) und die **Aufnahme vieler Umweltinformationen** Kinder nachahmungsfähig macht; daher variantenreich und nicht spezialisiert trainieren. Die Kurve der Zuwächse der Gesamtkörperkoordination heißt ausdrücklich irreführend, weil sie die Entwicklung mit dem Jugendalter abgeschlossen erscheinen lässt; Folie 6 stellt die **gesamte Lebensspanne** dagegen.

Jedes Wort der Definition trägt: „generell, bewegungs- und sportartübergreifend" ist der Generalitätsanspruch; „Leistungsvoraussetzungen" meint nicht Bewegungen, sondern deren nicht beobachtbare Bedingungen; „Niveau wesentlicher Vorgänge" die Güte der Prozesse statt des Ergebnisses; „Willkürbewegungen" schließt Reflexe aus. Aus der Anschlussfrage nach den Einzelfähigkeiten und ihrer Abgrenzung entsteht das Klassifikationsproblem.

### Induktiv, deduktiv, Vereinigungsmodell

Immer derselbe Weg: Vermutete **Steuerungs- und Regelungsanforderungen** werden zu **Anforderungsklassen** zusammengefasst, aus denen auf die koordinativen Lösungsmöglichkeiten, also Fähigkeiten, geschlossen wird. **Induktiv** heißt sportpraktische Sicht: **Puni (1961)** analysiert Wettkampfsituationen in 20 Individual- und Mannschaftssportarten → **5 Anforderungsklassen** (Zeit, Raum, Rhythmus, Genauigkeit, Geschicklichkeit); **Blume (1978)** geht von den Profilen von Gerätturnen, Schwimmen, Boxen und Fußball aus → **7 Kategorien** (Orientierung, Differenzierung, Kopplung, Gleichgewicht, Reaktion, Rhythmus, Umstellung), von **Hirtz (1997)** übernommen, seither „die sieben koordinativen Fähigkeiten". **Deduktiv** heißt theoretische Sicht: **Roth (1982)** klassifiziert aus psychologischen und neurophysiologischen Modellvorstellungen zur motorischen Kontrolle danach, ob eine Aufgabe Ausführungsgeschwindigkeit oder Ausführungsgenauigkeit verlangt und ob konstante oder variable Umgebungsbedingungen herrschen; ebenso **Zimmermann (1987)**.

Weil jeder Theoretiker seine eigene Perspektive einnimmt, entsteht eine **uneinheitliche Vielzahl von Fähigkeiten**: Wer eine Klasse „Gleichgewichtsanforderungen" bildet, postuliert damit eine Gleichgewichtsfähigkeit — gewonnen aus der Aufgabenbeschreibung, nicht unabhängig nachgewiesen. Die pragmatische Antwort ist das **Vereinigungsmodell** von Neumaier/Mechling (1995), das Rhythmus- und Geschicklichkeits- (Puni), Orientierungs- und Kopplungs- (Blume), Reaktions- und Gleichgewichts- (Hirtz) sowie Zeitdruck- und Präzisionsdruckanforderungen (Roth) verbindet, Liste ausdrücklich offen. Es löst das Problem nicht, es umgeht es. Daraus die zwei Klassen: **Informationsanforderungen** — efferent feinmotorisch bis großmotorisch, afferent optisch oder vestibulär, kombiniert etwa zu *großmotorisch-vestibulär* — und die **Druckbedingungen**.

### Die sechs Druckbedingungen

**Zeitdruck** = Zeitminimierung und/oder Geschwindigkeitsmaximierung, wobei beides zusammenfallen kann, aber nicht muss. **Präzisionsdruck** = höchstmögliche Genauigkeit. **Komplexitätsdruck** = viele hintereinandergeschaltete (sukzessive) Anforderungen. **Organisationsdruck** = viele gleichzeitige (simultane) Anforderungen. **Belastungsdruck** = Anforderungen unter physisch-konditionellen Belastungen. **Variabilitätsdruck** = Anforderungen unter wechselnden Umgebungs- und Situationsbedingungen.

Zeit- und Präzisionsdruck stammen aus Roths erstem Kriterium, der Variabilitätsdruck aus seinem zweiten. Präzisionsdruck erzeugt man durch ein kleineres Ziel oder eine vorgeschriebene Bewegungsform, nicht durch Tempo (Ergänzung). Komplexität ist die Kette, Organisation das Bündel: noch eine Station gegen eine parallele Aufgabe. Belastungsdruck verändert den Zustand des Ausführenden statt der Aufgabe und ist bewusst gesetzt, kein Nebenprodukt zu langen Trainings.

### Umkehrung der Logik und die Kochformel

Das wichtigste Prinzip des allgemein-koordinativen Trainings ist eine **Umkehrung der Logik des Fertigkeitslehrens**. Wer komplexe spezifische Bewegungsformen vermittelt, setzt Vereinfachungsstrategien ein und vermeidet allgemein-koordinative und/oder konditionelle Überforderungen; soll dagegen unter vielfältigen efferenten und afferenten Anforderungen mit Druckbedingungen geübt werden, müssen die spezifischen Fertigkeitsanforderungen **gering gehalten** werden. Beide Male gilt: nur eine Baustelle.

Die Grundformel hat drei Bestandteile: stabil beherrschte Fertigkeit → informationell-variables Üben → Druckbedingung. „Stabil beherrscht" ist die entscheidende Einschränkung: Ist die Fertigkeit noch Lerngegenstand, entsteht die koordinative Anforderung durch die Technik statt durch die gesetzte Bedingung. Deshalb greift die Vorlesung zu **Elementarfertigkeiten** — Gehen, Laufen, Springen, Rollen, Klettern, Prellen, Werfen —, die bei allen sitzen; das Beispiel erzeugt komplexe Anforderungen an die Analysatoren und induziert Zeit-, Präzisions-, Komplexitäts- und Belastungsdruck, nicht aber Organisations- und Variabilitätsdruck. Die Beispiele gehen in die Breite oder akzentuieren gezielt — variable Informations- und Druckbedingung, vestibulärer Analysator, Organisationsdruck. Einzusetzen auf **allen Altersstufen**, als Aufwärmprogramm oder Hauptinhalt.

### Der Stabilometer-Befund und die Kontroverse

Die Tragfähigkeit des Fähigkeitsansatzes wird **zunehmend in Frage gestellt** (Schmidt & Lee, 2014). Testfall ist die Gleichgewichtsfähigkeit aus Blumes Siebenerliste: in jeder Sportart vorhanden und mit verschiedenen Geräten messbar — **Stabilometer** und **Schwebebalken**. Gegen die Erwartung erzielen **Windsurfer und Wellenreiter bessere Stabilometer-Leistungen als Turner**, obwohl bei beiden Gruppen die Gleichgewichtsfähigkeit ausgeprägt sein sollte. Ursache ist die Übereinstimmung der Testaufgabe mit ihrer Sportart: Gleichgewicht auf beweglicher, aber starrer Unterlage regulieren; der Schwebebalken verlangt eine schmale, feste. Gäbe es eine generelle Gleichgewichtsfähigkeit, müsste dieselbe Gruppe unabhängig vom Testgerät vorn liegen. Der Schluss: **hohe Fertigkeitsspezifität der motorischen Kontrolle**.

„Einflussgröße" statt „Fähigkeit" vermeidet das Konstrukt; „einfach trainierbar" grenzt gegen die Schnelligkeit ab, die dieselben Autoren als *zusammengesetzte* Einflussgröße bestimmen. Koordination meint das Zusammenwirken der Teile eines Systems und ist deshalb auf der Ebene von Fertigkeiten zu betrachten; Fertigkeiten sind gelernte Koordinationsmuster — also ist **Koordinationstraining Fertigkeitstraining (= Techniktraining)**. Am Skiläufer: skiunspezifische, aber herausfordernde Gleichgewichtsaufgaben (Transferannahme) gegen Kurventechniken je Geländeform. Widerlegt ist der Fähigkeitsansatz damit nicht — die Vorlesung nennt ihn *zunehmend fraglich*, beschreibt Technik und Koordination als **Pole eines Generalitäts-Spezifitäts-Kontinuums** und hält die Grundformel für brauchbar. Die Frage ist nicht Fähigkeit *oder* Fertigkeit, sondern die Entfernung der Maßnahme vom Zielverhalten.

### Alter, Steuerung, Periodisierung

Die Diskussion um sensible Phasen des motorischen Lernens fällt in die 1990er Jahre. **Hirtz** nimmt ein goldenes Lernalter zwischen 10 und 13 Jahren an; **Joch/Willimczik** halten dagegen, motorisches Lernen sei zu allen Alterszeitpunkten möglich, Ältere erzielten tendenziell sogar bessere Resultate — nicht wegen einer Reifungsphase, sondern weil sie länger Bewegungen gelernt haben. Entscheidend ist die Bewegungsaufgabe: Ganzkörperkoordination mit günstigem **Kraft-Last-Verhältnis** begünstigt jüngere Kinder, neurophysiologische Aspekte spielen bei älteren eine Rolle.

Fünf Take-Home Messages (Golle et al., 2019): Die Grundformel ist eine gute Arbeitsgrundlage; **Belastungsnormative werden bisher nur marginal thematisiert**; „Wiederholen ohne Wiederholung"; **Qualität vor Quantität** — nicht im ermüdeten Zustand, außer es ist gewollt; ein erhöhtes zentralnervöses **Aktivierungsniveau** ist vorteilhaft, also kurze intensive konditionelle Beanspruchung vorschalten (Aktivierung ja, Ermüdung nein). Weil Normative fehlen, gibt die Vorlesung statt Zahlenwerten eine Rangfolge: koordinative Schwierigkeit durch Variation der Bewegungsausführung → Wiederholungszahl bei gleichbleibender Übungszeit → kürzere Pausen → Üben unter physischem und/oder psychischem Stress. Im Nachwuchs läuft Koordinationstraining ganzjährig: **allgemeines** Training in Übergangs- und Vorbereitungsphase, leichtathletisch geprägt, ca. 1/3 der Einheit unter höchster Intensität; **spezielles** in der spezifischen Vorbereitungsphase, geringerer Anteil, Akzent auf Wahrnehmungs-, Situations- und Entscheidungsprozessen — die Empfehlung wandert zur Spezifitätsseite.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **Puni (1961):** 20 Individual- und Mannschaftssportarten → **5 Anforderungsklassen**.
- **Blume (1978):** 4 Disziplinen → **7 Kategorien**; von Hirtz (1997) übernommen.
- **Roth (1982):** **2 Kriterien**; ebenso Zimmermann (1987).
- **Vereinigungsmodell (Neumaier/Mechling, 1995):** 2 Anforderungsklassen, 6 Druckbedingungen.
- **7 Elementarfertigkeiten** — Gehen, Laufen, Springen, Rollen, Klettern, Prellen, Werfen; das Beispiel der Folie 28 induziert **4 von 6** Druckbedingungen: Zeit, Präzision, Komplexität, Belastung.
- **5 Sportarten** — Rudern, Handball, Boxen, Dart, Skifahren; genannt ohne ausformulierte Analyse, also ohne Zuordnung von Druckbedingungen.
- **10 bis 13 Jahre** — goldenes Lernalter nach Hirtz; Diskussion um sensible Phasen in den **1990er Jahren**.
- **5 Take-Home Messages, 4 Stufen der Intensitätssteigerung** (Golle et al., 2019); **ca. 1/3 der Trainingseinheit** für allgemeines Koordinationstraining unter höchster Intensität.
- **Roth 1989** · **Olivier et al. 2008** · **Schmidt & Lee 2014** · **Schöllhorn et al. 2004, S. 15** (VL 8) · **Revision, S. 3** als einzige Anschlussstelle.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Komplexitätsdruck | Organisationsdruck | Sukzessiv gegen simultan, Kette gegen Bündel: Station anhängen gegen Parallelaufgabe. |
| Komplexität/Organisation | Variabilitätsdruck | Zahl der Anforderungen gegen wechselnde Bedingungen für dieselbe Anforderung. |
| Zeitdruck | Präzisionsdruck | Zeitminimierung/Geschwindigkeitsmaximierung gegen höchstmögliche Genauigkeit; beide aus Roths erstem Kriterium. |
| Efferent | Afferent | Ausführende Seite (Muskelgruppen, fein-/großmotorisch) gegen wahrnehmende (Analysator, optisch/vestibulär). |
| Induktiv | Deduktiv | Wettkampfsituationen und Disziplinprofile (Puni, Blume) gegen Modelle der motorischen Kontrolle (Roth, Zimmermann). |
| Fähigkeit | Fertigkeit | Ganze Bewegungsklassen, situationsübergreifend, vererbt, **abzählbar**, Basis vieler Fertigkeiten, Prozessebene, latentes Konstrukt gegen aufgabenspezifisch, erlernt, **nicht abzählbar**, Produktebene. Im Kontinuum: große gegen geringe Transferabilität. |
| Fertigkeit als Lerngegenstand | Fertigkeit als Vehikel | Techniktraining hält die Koordination klein, Koordinationstraining die Fertigkeitsanforderung. |
| Fähigkeitsansatz | Fertigkeitsorientierter Ansatz | Variiert wird die Aufgabe (skiunspezifische Gleichgewichtsaufgaben) gegen die Bedingungen in der Zielfertigkeit (Kurventechniken je Gelände). |
| „Wiederholen ohne Wiederholung" | Differenzielles Lernen | Wiederholung bei gezielter Variation gegen Vermeiden von Wiederholungen, keine Fehlerkorrekturen, viele Randbedingungen (VL 8). |
| Allgemeines | Spezielles Koordinationstraining | Übergangs-/Vorbereitungsphase, ca. 1/3 der Einheit gegen spezifische Vorbereitungsphase, geringerer Anteil, Akzent auf Wahrnehmung und Entscheidung. |

### Klausurfallen

- **Komplexitäts- und Organisationsdruck vertauschen.** Der Stolperstein: sukzessiv gehört zur Komplexität, simultan zur Organisation. Die simultane Bedingung heißt **Organisationsdruck**, nicht „Situationsdruck".
- **Fähigkeit und Fertigkeit gleichsetzen.** Daran hängt die Kontroverse. Falle in der Falle: „abzählbar" gilt für Fähigkeiten, die Zahl der Fertigkeiten ist unbegrenzt.
- **Puni und Blume der deduktiven, Roth der induktiven Seite zuordnen.** Genau umgekehrt. Ebenso wenig sind Punis 5 Klassen die 6 Druckbedingungen — die stammen erst aus dem Vereinigungsmodell.
- **Für das Elementarfertigkeiten-Beispiel alle sechs Druckbedingungen nennen.** Folie 28 führt nur vier an: Zeit, Präzision, Komplexität, Belastung.
- **Die Pole des Kontinuums vertauschen.** Koordinative Fähigkeit steht für große, Technik für geringe Transferabilität.
- **Den Fähigkeitsansatz für widerlegt erklären.** Die Vorlesung nennt ihn *zunehmend fraglich* (Folie 32), beschreibt ein Kontinuum (Folie 34) und hält die Grundformel für brauchbar (Folie 37).
- **„Von klein auf lohnend" als „nur im Kindesalter" lesen.** Die Kurve verführt dazu und heißt deshalb irreführend; Folie 6 und Folie 36 stellen die gesamte Lebensspanne dagegen — das goldene Lernalter wird relativiert, nicht übernommen.
- **Differenzielles Lernen dieser Vorlesung zurechnen** oder mit „Wiederholen ohne Wiederholung" gleichsetzen. Es stammt aus VL 8 und vermeidet Wiederholungen gerade.
- **Die Intensitätssteigerung mit Stufe 4 beginnen.** Müde trainieren erhöht die Beanspruchung, nicht die koordinative Anforderung. Kurze Voraktivierung ist erwünscht, Ermüdung nur als gewollter Belastungsdruck.
- **Nur die Systematik wiedergeben.** Wer bloß die sieben Fähigkeiten oder die Druckbedingungen aufzählt, hat die Vorlesung verfehlt: Prüfungsschwerpunkt ist die Kontroverse.
- **Revisionswissen unterstellen.** Es gibt für dieses Modul keine Revisionsdeckung außer der Unterscheidung Fähigkeit/Fertigkeit (Revision, S. 3).


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# Technik & Taktik

## Modul 9 · Techniktraining

> **Leitfrage:** Wie bringt man eine sportliche Technik so bei, dass sie nicht nur im Training gelingt, sondern im Wettkampf unter Druck abrufbar bleibt?

Technik ist die Instanz, die alle übrigen Voraussetzungen erst in ein sportliches Ergebnis übersetzt; darauf bauen drei Funktionen und vier Vierergruppen auf, die auseinanderzuhalten die eigentliche Arbeit dieses Moduls ist. Der zweite Strang sind die Erwerbsmodelle von Bernstein bis zum differenziellen Lernen, der dritte die Belastungssteuerung über die informationelle Beanspruchung. Quer durch alles läuft ein methodisches Kriterium: der Retentionstest.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Sportliche Technik** — Sammelbezeichnung für eine Reihe technischer Fertigkeiten eines Sportlers oder einer Sportart (Hohmann/Lames/Letzelter, 2010).
- **Technische Fertigkeit** — erprobte, zweckmäßige und effektive Bewegungsfolge zur Lösung einer definierten Aufgabe in Sportsituationen (ebd.); die drei Attribute sind die Prüfkriterien.
- **Technisches Leistungsniveau** — die Disposition, technische Fertigkeiten in hoher Qualität auszuführen (ebd.).
- **Technikleitbild** — die nach derzeitigem Erkenntnisstand optimale, personenunabhängige Bewegungsfolge zur Lösung einer sportlichen Aufgabe.
- **Differenzielles Lernen** — „ständig wechselnde Bewegungsausführungen, Vermeiden von Wiederholungen, keine Fehlerkorrekturen, Realisieren möglichst vieler Randbedingungen, die in klassischer Terminologie vor allem Bewegungsfehler beinhalten" (Schöllhorn et al., 2004, S. 15).
- **Informationelle Beanspruchung** — Steuergröße des Techniktrainings: Veränderung von Informationsverarbeitungsprozessen statt energetischer Beanspruchung.
- **Mentales Training** — sich selbst bei der Bewegungsausführung vorstellen, ohne die Bewegung tatsächlich auszuführen.

### Der Platz der Technik: drei Ebenen, drei Funktionen

Die *klassische* sportliche Leistungsfähigkeit hat drei Komponenten: Kondition (energetisch-konditionelle Voraussetzungen), Technik (die Bewegungslösung, das *Wie*), Taktik („Entscheidungshandeln zur optimalen Nutzung eigener Ressourcen im Wettkampf", das *Was*). Folie 5 und die „vier Säulen der Leistung" ergänzen die **Kognition** — kein Widerspruch, sondern eine Frage der Modellfassung: Antizipation, Entscheidung und Bewegungsvorstellung gehen nicht in Technik oder Taktik auf.

Davon zu trennen: **Fähigkeiten** sind vererbt, stabil und überdauernd, abzählbar, Basis für viele Fertigkeiten, allgemeinen Charakters, nur indirekt über Indikatoren messbar, auf der **Prozessebene**. **Fertigkeiten** entwickeln sich durch Übung, sind einfach modifizierbar, nicht abzählbar, hängen von mehreren Fähigkeiten ab, sind aufgabenspezifisch, auf der **Produktebene**. Kraft ist eine Fähigkeit, Pritschen eine Fertigkeit.

Die drei Funktionen (Hohmann et al., 2007, S. 104) steigern sich entlang des Leistungsniveaus: Die **Eintrittskartenfunktion** markiert eine Schwelle — ohne ein Minimum an technischen Fertigkeiten ist Teilnahme am Sport nicht möglich. Die **Integrationsfunktion** bündelt sämtliche Voraussetzungskomplexe zu einer „sinnvollen" Bewegung. Die **Leistungsfunktion** meint die gezielte Ausschöpfung von Ressourcen im Hochleistungssport. Wer hohe Sprungkraft und schlechte Absprungtechnik hat, springt niedrig — betroffen ist die Integration, nicht das Krafttraining. Weil im Spitzensport die Kondition angeglichen ist, liegt der Spielraum in der Technik.

### Die vier Vierergruppen

| Vierergruppe | Elemente | Was sie ordnet |
| --- | --- | --- |
| **Prinzipien** im Spitzensport (Roth et al., 1996) | Komplexität, Einsicht, Perzeptive Führung, Funktionalität | Gestaltungsregeln: *wie* trainiert wird |
| **Verdichtungsstufen/Ebenen** nach Roth (Revision) | Analyse (Verstehen), Modellierung (Idealbild schaffen), Vermittlung, Optimierung (wettkampffest machen) | Arbeitsprozess: die Reihenfolge |
| **Zielkategorien** (Hohmann/Lames/Letzelter, 2010) | Erwerben, Variieren, Anpassen, Abschirmen | Woran gearbeitet wird |
| **Informationsarten** (Kernodle & Carlton, 1992) | KR, KP, Cue, Transition | Gegenstand der Rückmeldung |

Die **Prinzipien** sind nicht theoretisch abgeleitet, sondern empirisch rekonstruiert: Leitfrage „Was machen Spitzentrainer für das Techniktraining?", Methode Rekonstruktion von Alltagstheorien erfolgreicher Trainer. Die *erste* Verdichtungsstufe hält die Hinweise konkret fest — Verbesserung der Bewegungsvorstellung (Wissen über die Sportart nötig), Abschirmung gegen psychischen und physischen Stress (erschwerte Bedingungen, Druckparameter), Sicherung der Konzentrationsfähigkeit (motivationsfördernde Bedingungen, Selbstvertrauen) —, die *zweite* verdichtet sie zu den vier Prinzipien. Prüfbar sind Namen, Autor und Herkunft; die Ausdeutung der Einzelprinzipien ist Ergänzung: Die Revision listet nur Namen, die Folie zur zweiten Stufe zeigt eine Grafik ohne Text.

Die **Ebenen** heißen in der Revision ebenfalls „Verdichtungsstufen nach Roth", meinen aber den Arbeitsprozess vom Verstehen bis zum Wettkampffestmachen; der Begriff wird nicht identisch verwendet, beide Listen sind zu kennen.

Die **Zielkategorien** ordnen zwei Dimensionen: der **Anstoß** — intern als Selbstinitiation, extern durch Wahrnehmung äußerer Konstellationen — und das **Erfolgskriterium**, korrekte Ausführung oder erfolgreiche Lösung.

| Erfolgskriterium | Anstoß intern | Anstoß extern |
| --- | --- | --- |
| korrekte Ausführung | **Erlernen** | **Anpassen** |
| erfolgreiche Lösung | **Variieren** | **Abschirmen** |

Inhaltlich: **Erwerbstraining** = Neulernen bis zur Automatisierung des dynamischen Optimums; **Variationstraining** = Varianten bis zum situationsgerechten Einsatz, besonders bei offenen Fertigkeiten; **Anpassungstraining** = Anpassen an Umwelt (Neigung, Untergrund), Raum (Gegner, Spielfeldgrenzen, Ballflug) und Zeit; **Abschirmungstraining** = Stabilisieren gegen Gegnereinfluss und konditionelle Belastungen. Die Reihung ist ausdrücklich **keine Chronologie**: Variieren, Anpassen und Abschirmen sind frühzeitig einzubauen, kommen schon bei Anfängern vor und nehmen mit steigendem Niveau zu, während der reine Erwerb sinkt. Bei **geschlossener Aufgabenstruktur** — konstante Umwelt, kein Gegnereinfluss — entfallen Anpassen und Abschirmen; in kompositorischen Sportarten sind Erwerb und Variation auf jedem Niveau anzutreffen.

Die **Informationsarten** stehen nach wachsendem Informationsgehalt: **KR** (knowledge of results) meldet nur das Ergebnis, die Wurfweite; **KP** (knowledge of performance) zeigt das Video der eigenen Ausführung ohne Rückmeldung der Weite; **Cue** sagt, auf welchen Aspekt zu achten ist; **Transition**, was wie geändert werden muss. Ergebnisfeedback ist KR, Verlaufsfeedback KP mit Cue und Transition (Ergänzung).

### Leisten ist nicht Lernen

Leisten ist das Produkt, Lernen der Prozess — beobachtbar ist nur das Produkt. Magill (2004) nennt vier typische Leistungsveränderungen: Verbesserung, Stabilität, Persistenz und Anpassbarkeit an wechselnde Umweltbedingungen mit Aufmerksamkeitsreduktion. Leistungsveränderungen lassen aber **nicht immer** auf einen Lernprozess schließen: Eine Leistung kann durch Instruktion, Feedback oder Übungssituation gestützt sein und bricht ein, sobald die Stütze wegfällt. Den Nachweis führt erst der **Retentionstest**, der nach einer Pause und ohne die Unterstützung misst. An ihm hängen die Befunde zu Feedbackhäufigkeit, Aufmerksamkeitsfokus und differenziellem Lernen.

### Erwerbsmodelle: Bernstein, Leitbildkritik, differenzielles Lernen

Aus dem „Dschungel der Lerntheorien" (Konditionieren, natürliches Lernen, Gestalttheorie, spiralförmiges und kybernetisches Lernen, Informationsverarbeitung) vertieft die Vorlesung vier Zugänge: Bernstein, Technikleitbild, differenzielles Lernen, Aufmerksamkeitsfokus.

**Bernstein** beschreibt den Erwerb als Umgang mit Freiheitsgraden: **Freezing** (Einfrieren möglichst vieler Freiheitsgrade, Ziel erste korrekte Ausführungen — Spezialbälle, feste Schlagposition) → **Releasing** (sukzessives Freisetzen, Ziel flüssige, fehlerfreie Ausführung — Schlag als Ganzkörperbewegung) → **Exploiting** (Ausbeuten geeigneter Freiheitsgrade, Ziel dynamisches Optimum — die gepeitschte Vorhand von Steffi Graf). Geltungsgrenze laut Folie: nur geschlossene Fertigkeiten unter intensiver Supervision, weil Bewegungen bei Umweltwechselwirkung nicht vollständig bewusst kontrollierbar sind. Die Phasen beschreiben den Weg *innerhalb* der Zielkategorie Erwerb.

Gegen das **Technikleitbild** stehen drei Einwände: das Bestimmungsproblem (Weltspitzenleistungen sind immer individuell, Techniken verändern sich); der Zielkonflikt Bewegungsoptimierung gegen sportlichen Erfolg — eine biomechanisch schlechtere Technik kann besser sein, wenn der Gegner sie schlechter antizipiert; die Bedeutung der Variabilität bei der Ausführung.

Das **differenzielle Lernen** macht diese Variabilität zum Prinzip und widerspricht direkt der Forderung der Folie 21, keine unpassende Ausführung zuzulassen. Er ist stark verbreitet, wird aber kontrovers diskutiert: Folie 18 stellt Schöllhorn (2004) mit einem „vs" gegen Künzell und Hossner (2012), *Differentielles Lehren und Lernen: eine Kritik*. Die Vorlesung entscheidet nicht; in der Prüfungsantwort ist die Spannung zu benennen.

### Steuerung über die informationelle Beanspruchung

Laktat und Herzfrequenz messen die energetische Seite; zwei Übungen mit gleicher Herzfrequenz können informationell verschieden schwer sein. Vier Stellschrauben: Übungsauswahl und -abfolge, Rückmeldungen, Verbindung mit anderen Trainingsinhalten, mentales Üben — qualitativ über die Aufgabengestaltung statt über Belastungsnormative.

Fünf methodische Prinzipien ordnen Auswahl und Abfolge: vom Leichten zum Schwierigen, vom Einfachen zum Komplexen, mit steigendem Bewegungstempo, zunehmender Abbau von Vereinfachungen der Ausgangsbedingungen, von konstanten zu variablen Ausführungsbedingungen — alle erhöhen die informationelle Beanspruchung schrittweise. Dosierungsinstrument sind die Druckbedingungen: **Präzisionsdruck** (höchste Genauigkeit) → kleinere Zielfelder, **Zeitdruck** (Zeitminimierung) → höhere Ballfrequenz, **Komplexitätsdruck** (sukzessive Anforderungen) → Stellungswechsel, **Organisationsdruck** (simultane Anforderungen) → auf Signal in eine Ecke spielen, **Belastungsdruck** → Ermüdung, **Variabilitätsdruck** → wechselnde Bedingungen. Voraussetzung ist die „Kochformel" nach Olivier et al.: stabil beherrschte Fertigkeiten, informationell-variabel mit Druckbedingungen „gewürzt" — ohne stabile Basis erzeugt Druck unpassende Ausführungen statt Abschirmung.

Rückmeldung ist sinnvoll, „wenn die Eigeninformation nicht ausreicht". Der **Zeitpunkt**: **synchron** während der Ausführung (Rudern über Megaphon), **Schnellinformation** unter 30 s (Kurzzeitgedächtnis, Bewegungserinnerung noch verfügbar), **Spätinformation** über 30 s (Langzeitgedächtnis). Die **Häufigkeit** ist relativ zur Zahl der Versuche: früher mehr, später weniger; eine Abnahme wirkt positiver als konstante Rückmeldung, weil häufiges Feedback die Bewegung von außen führt, statt eigene Fehlererkennung aufzubauen (Faded Feedback, Guidance-Hypothese: Ergänzung).

Beim **Aufmerksamkeitsfokus** sind Instruktionen auf die eigene Körperbewegung — Körperteile, Muskelaktivität, Gelenkpositionen — weniger effektiv als solche auf den geplanten Effekt der Bewegung auf die Umwelt. Balancieren (Wulf, 2014): „Füße auf derselben Höhe halten" gegen „Markierungspunkte vor den Füßen auf gleicher Höhe halten" — dieselbe Bewegung, nur der Bezugspunkt verschoben; im Retentionstest ohne Instruktionen signifikante Vorteile des externen Fokus. Darts (Lohse et al., 2010): „movement of your arm" gegen „flight of the dart". Die vier Rückmeldungsregeln der Revision: externer Fokus, nicht ständig Feedback, nicht nur Ergebnisfeedback, kein interner Fokus.

In Sportspielen werden Fertigkeiten aus dem Spiel gelernt, nicht das Spiel durch isolierte Fertigkeiten; die Vermittlungsmodelle sind Technik-Taktik-Methode (Teilmethode), spielgemäße Konzepte (Ganzheitsmethode, vereinfachte, aber vollständige Spielformen) und Taktikkonzepte/TGfU — „erst das Spiel verstehen, dann Technik perfektionieren". **Mentales Training** dient dem Erlernen und Verändern von Techniken, der Stabilisierung bei Verletzungen, der Kraftsteigerung sowie Aufmerksamkeit, Emotionsregulation und Wettkampfvorbereitung.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **10 %** — relative Rückmeldungshäufigkeit: 10 Informationen pro 100 Ausführungen, bezogen auf die Zahl der Versuche, nicht auf die Zeit.
- **0 < t < 30 s** Schnellinformation (Kurzzeitgedächtnis) / **t > 30 s** Spätinformation (Langzeitgedächtnis); die 30-Sekunden-Grenze markiert den Übergang.
- **100 % gegen 50 %** — 100 % zunächst schnellere Aneignung, langfristig nicht selten schlechtere oder ähnliche Behaltensleistungen als 50 %.
- **3 Komponenten** klassisch gegen **4 Säulen** (plus Kognition, Folie 5); **3 Funktionen** (Hohmann et al., 2007, S. 104); **3 Phasen** nach Bernstein; **4 Leistungsveränderungen** nach Magill (2004); **4 Prinzipien / 4 Ebenen / 4 Zielkategorien / 4 Informationsarten**, dazu 4 Stellschrauben und 4 Rückmeldungsregeln; **5 methodische Prinzipien**; **6 Druckbedingungen**.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Fähigkeit | Fertigkeit | Vererbt, abzählbar, Prozessebene gegen erlernt, nicht abzählbar, Produktebene: Kraft gegen Pritschen. |
| Sportliche Technik | Technische Fertigkeit | Sammelbezeichnung für mehrere gegen eine Bewegungsfolge für eine definierte Aufgabe. |
| Technikleitbild | Technische Fertigkeit | Personenunabhängiges Normideal gegen tatsächlich verfügbare Bewegungslösung. |
| Vier Prinzipien nach Roth | Vier Ebenen nach Roth | Gestaltungsregeln gegen Arbeitsprozess; wettkampffest machen = Optimierungsebene. |
| Variieren | Anpassen | Handlungsalternativen, intern, erfolgreiche Lösung gegen äußere Gegebenheiten, extern, korrekte Ausführung. |
| Komplexitätsdruck | Organisationsdruck | Viele hintereinandergeschaltete (sukzessive) gegen viele gleichzeitige (simultane) Anforderungen. |
| KR | KP | Nur die Weite gegen Video ohne Weitenrückmeldung; Cue sagt *worauf*, Transition *was wie*. |
| Aufmerksamkeitsfokus intern/extern | Anstoß intern/extern | Worauf die Instruktion zielt (Folie 29) gegen wodurch die Bewegung ausgelöst wird (Folie 8). |
| Leisten | Lernen | Produkt, mit Stütze gemessen gegen Prozess, im Retentionstest ohne Stütze. |
| Techniktraining | Koordinationstraining | Fertigkeit, Produktebene gegen koordinative Fähigkeiten, Prozessebene: Technik ist die Zutat, Druck das Gewürz. |

### Klausurfallen

- **Leisten und Lernen gleichsetzen.** Ein besseres Ergebnis am Ende der Übungsphase ist kein Lerneffekt — dort wird die Stütze mitgemessen; Nachweis nur im Retentionstest.
- **Häufiges Feedback für gutes halten.** 100 % verschlechtert die Behaltensleistung nicht selten gegenüber 50 %; umgekehrt ist 100 % *nicht generell* schlechter — in der Aneignung war es überlegen.
- **Die vier Vierergruppen vermischen.** Prinzipien ≠ Ebenen ≠ Zielkategorien ≠ Informationsarten; Prinzipien und Ebenen werden beide „nach Roth" zitiert und haben beide vier Elemente.
- **Die Zielkategorien als Chronologie lesen.** Ausdrücklich keine streng chronologische Reihung; die Verlaufsgrafik zeigt Anpassung schon bei Anfängern.
- **„Extern = Fokus auf Bewegungen".** Fehler der Revision: Der Fokus auf die Bewegung selbst ist der *interne* Fokus; extern heißt Fokus auf den Bewegungseffekt in der Umwelt. Die zweite Zeile — kein interner Fokus auf Körperteile, Muskelaktivität, Gelenkpositionen — ist korrekt.
- **Die Roth-Prinzipien ausdeuten und als Folienwissen ausgeben.** Gesichert sind nur Namen, Autor und Herkunft.
- **Drei oder vier Komponenten der Leistungsfähigkeit.** „Klassisch" → drei, „Modell der Vorlesung" oder „vier Säulen" → vier.
- **Bernstein auf offene Fertigkeiten anwenden.** Das Modell gilt nur bei geschlossenen Fertigkeiten unter Supervision; mit dem Gegner greifen Anpassen und Abschirmen.
- **Den Widerspruch um das Idealbild glätten.** Die Revision nennt „Idealbild schaffen" als Ziel der Modellierungsebene, die Vorlesung rät auf Folie 16 von der Orientierung am Technikleitbild ab.
- **Das differenzielle Lernen als Position der Vorlesung ausgeben.** Sie stellt es aus, statt es zu vertreten; ungeglättet bleibt auch die Spannung zwischen „keine unpassende Ausführung zulassen" und „frühzeitig variieren".

## Modul 10 · Taktik & Entscheidungshandeln

> **Leitfrage:** Wie kommt eine taktische Entscheidung im Wettkampf zustande — und wie trainiert man sie, wenn sie unter Zeitdruck gar nicht bewusst getroffen wird?

Taktik ist Entscheidungshandeln — und zugleich Oberbegriff über Strategie und Taktik im engeren Sinne. Nach den drei Definitionen und den vier Einflussfaktoren der Bedeutsamkeit folgen die vier Modelle mit je eigener Erklärungsfrage — Mahlo der Ablauf, Roth die Binnenstruktur der Entscheidung, Raab die Konkurrenz zweier Instanzen, Hoffmann der Wissenserwerb. Der Zeitdruck-Effekt sagt, welche Instanz sich durchsetzt, die Heuristiken, nach welcher Regel. Daraus folgt die Methodik: explizites Regeltraining mit drei Grenzen, implizites über Situationsdichte, dazu Kreativität und Vermittlungskonzepte.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Taktik** — System von Handlungsplänen und Entscheidungsregeln, welches das Trainings- und Wettkampfverhalten so zu regulieren gestattet, dass ein optimaler Erfolg möglich wird (Hohmann et al., 2010). Achte auf *System* statt Sammlung, Trainings- **und** Wettkampfverhalten, **optimaler** statt maximaler Erfolg.
- **Taktik** — Teilaspekt der sportlichen Leistungsfähigkeit, individuelle und kollektive Verhaltensweisen zur optimalen Nutzung der eigenen Ressourcen im Sport realisieren zu können (Olivier et al., 2008).
- **Taktik** — intelligente und rationale Nutzung des durch Regelwerke oder Regelvereinbarungen festgelegten Spielraumes zur Erreichung eines Vorteils (Hottenrott & Hoss, 2013).
- **Strategie** — taktische Planungen und Absprachen vor dem Wettkampf; **Taktik im engeren Sinne** — die konkreten Entscheidungen während des Wettkampfes.
- **Heuristik** — Faustregel, die unter Zeitdruck, Unsicherheit und eingeschränktem Wissen angewendet wird; sie sagt mit wenigen, aber wichtigen Informationen Entscheidungen vorher.
- **Antizipative Verhaltenskontrolle** — kompetent und sicher verhält sich, wer die Konsequenzen seines Handelns präzise vorhersagen kann (Hoffmann, 1993).
- **Taktische Kreativität** — Fähigkeit eines Spielers, seltene, vielseitige und erfolgreiche Lösungen für Wettkampfsituationen zu finden.

### Oberbegriff, Grenze und die vier Einflussfaktoren

Getrennt wird allein über den **Zeitpunkt relativ zum Wettkampf**: Was sich ohne Kenntnis der eingetretenen Situation festlegen lässt, ist Strategie, was erst durch sie ausgelöst wird, Taktik im engeren Sinne. Entscheidend ist das Verhältnis beider: Unter dem **Oberbegriff Taktik** stehen sie zusammen, die eine steckt in der anderen. Als Komponenten der Leistungsfähigkeit nennt die Vorlesung **Kondition, Kognition, Technik und Taktik**, die Revision daneben die drei *klassischen* (Technik, Taktik, Kondition) — kein Widerspruch, die Kognition ist die vierte, hinzugenommene Säule.

Die Bedeutsamkeit der Taktik hängt vom **Ausprägungsgrad von vier Einflussfaktoren** ab: **Freiheitsgrade im Entscheidungsspielraum der Wettkampfregeln**, **Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Partnern**, **Einfluss äußerer Bedingungen auf das Wettkampfergebnis**, **gegenseitige Beeinflussungs- und Störmöglichkeiten der Gegner**. Je stärker oder größer deren Ausprägung, desto wichtiger wird die Taktik — **graduell, nicht kategorisch**. Die Vorlesung ist deshalb sportartübergreifend angelegt, mit Schwerpunkt auf den Sportspielen, „da Bedeutung der Taktik dort am größten ist"; sportartspezifische Wettkampftaktik bleibt ausgeklammert.

### Individualtaktik, Top-down und Bottom-up

Grundlage jeglichen taktischen Verhaltens, also auch jeder Gruppen- oder Mannschaftstaktik, sind **individualtaktische Entscheidungen**; die Ebenen **Individualtaktik → Gruppentaktik → Mannschaftstaktik** bauen von unten auf. Je nach sportpsychologischer Denkrichtung gibt es dazu unterschiedliche Theorien — daher mehrere Modelle. **Top-down-Prozesse** sind kognitionsgesteuerte, verbalisierbare Erwartungs- und Zielbildungsprozesse nach Regeln der Form „Wenn Situation A, dann Reaktion X" (Revision: regel- und wissensbasiert), **Bottom-up-Prozesse** wahrnehmungsgesteuerte, nicht verbalisierbare Wahrnehmungs-Handlungsprozesse — Folienbeispiele: Abwehrverhalten im 1:1, Reaktion auf den Torwart. Unterscheidungsmerkmal ist die **Verbalisierbarkeit**: Kann die Sportlerin hinterher die Regel angeben, war der Prozess top-down. Bottom-up heißt nicht zufällig oder schlechter, nur wahrnehmungsgetrieben — und deshalb **schneller**.

### Vier Modelle, vier Erklärungsfragen

**Mahlo (1965)**: *Aus welchen Teilprozessen besteht taktisches Handeln?* Antwort: **Situation wahrnehmen → Entscheiden → Ausführen**. Die Pointe ist die Prozessannahme — taktisches Verhalten ist das Ergebnis der Interaktion zwischen den **parallel und permanent** ablaufenden Teilprozessen; während noch ausgeführt wird, wird die veränderte Situation schon wieder wahrgenommen. Sichtbar wird, wo ein Fehler entsteht; wie im Inneren des Entscheidens ausgewählt wird, sagt das Modell nicht. Ebene: Phasenstruktur des Gesamtablaufs.

**Roth**: *Wie ist die Entscheidung selbst aufgebaut?* In zwei Stufen — **Programmauswahl** (das *Was?*) und **Variation** (das *Wie?*); im Rückschlagspiel erst *Driveschlag*, dann *Richtung, oben an den Block*. Zwei Spieler können dasselbe Programm verschieden parametrisieren, Fehler entstehen auf beiden Stufen. Ebene: Binnenstruktur des Entscheidens — Roth konkurriert nicht mit Mahlo, sondern arbeitet in dessen mittlerem Teilprozess.

**Raab**: *Wer setzt sich durch, wenn zwei Instanzen unterschiedlich votieren?* **Wissens-/Wertebasis** (Top-down) und **situative Wahrnehmung** (Bottom-up) stehen **gleichwertig** nebeneinander, die Entscheidung ist das harmonisch gefundene Optimalergebnis ihres wechselseitigen Abstimmungsprozesses. Der Erklärungswert liegt im Konfliktfall: Beide können **unterschiedliche Präferenzen** haben und um die finale Handlungsentscheidung **rivalisieren**. Damit erklärt Raab, was Mahlo und Roth nicht erklären — warum dieselbe Situation je nach Randbedingung anders entschieden wird. Ebene: Konkurrenz der Prozesse.

**Hoffmann (1993)**: *Woher kommt das Wissen, das man zum Entscheiden braucht?* Im Regelkreis laufen **Ausgangssituation → Antizipation → antizipiertes Handlungsergebnis** und parallel **Handlungsrealisation → reales Handlungsergebnis** in einen **Vergleich**: **Verstärkung (+)** bei Übereinstimmung, **Differenzierung (−)** bei Abweichung, die Situation wird dann feiner unterschieden (Deutung der Vorzeichen: Ergänzung, nicht Folieninhalt). Der Lernfortschritt hängt an der **Güte der Vorhersage**, nicht am Erfolg der Handlung; so entsteht „ein immer vollständigeres Wissen darüber, welche Situation wie zu lösen ist". Ebene: **Lernmechanismus, kein Entscheidungsmodell**.

### Zeitdruck-Effekt und Heuristiken

Der **Zeitdruck-Effekt** wird als *erstes Ergebnis* zum Modell von Raab eingeführt — empirischer Befund, nicht bloße Modellannahme. Unter **Zeitdruck** dominieren die schnelleren **Prozesse der Situationswahrnehmung** die Handlungsentscheidung, unter **äquivalenten Randbedingungen der Komplexität** führen eher die **kognitiv erlernten Regeln** dazu. Den Ausschlag gibt die Verarbeitungsgeschwindigkeit: Das Ergebnis der wahrnehmungsgesteuerten Instanz liegt vor, bevor die regelbasierte fertig ist. Daraus folgt die zentrale Trainingskonsequenz — wer nur explizite Regeln vermittelt, trainiert die Instanz, die unter Wettkampf-Zeitdruck nicht den Ausschlag gibt.

Sportliche Entscheidungen fallen unter **reduzierten Wahrnehmungsbedingungen, limitierter Entscheidungszeit und Unsicherheit** — die Lage, in der Faustregeln greifen. **Take-the-Best** arbeitet auf der Ebene der **Information**: Herangezogen wird der eine beste Hinweisreiz. Im Volleyball achten Zuspieler auf aktuelle *und* durchschnittliche Leistung, wobei die aktuelle stärker wirken kann; bei gleicher Basisrate wird angespielt, wer gerade „heiß" ist. **Take-the-First** arbeitet auf der Ebene der **Handlung**: die zuerst kognizierte Problemlösehandlung, die sich im Allgemeinen als die beste herausstellt. Im Handball sank die Lösungsqualität mit der Gesamtzahl kognizierter Lösungsvarianten, und mit zunehmender **Expertise** wählten die Spieler weniger, dafür situationsangepasstere Optionen — eine lange Optionsliste ist Symptom, nicht Werkzeug.

### Explizit oder implizit — die zwei Wege des Trainings

Roth teilt die taktische Denkfähigkeit: **konvergent** ist die *Spielintelligenz*, in vorgegebenen Spielsituationen die eine richtige, optimale Lösung zu finden, **divergent** die *Kreativität*, viele Lösungsideen zu entwickeln — **ungewöhnlich → Originalität**, **vielfältig → Flexibilität**, **angemessen → Flüssigkeit**. Beide Trainingswege fördern denselben Lernmechanismus, Hoffmanns antizipative Verhaltenskontrolle.

**Explizites Taktiktraining** gibt die Regel vor: direkt erprobte Erfahrungsregeln darüber, welches Verhalten in welchen Situationen zu welchen Konsequenzen führt, dazu das Einstudieren von **Spielsystemen, Spielkonzeptionen und Spielzügen**. Konkret sind das **Wenn-dann-Antizipationsregeln** nach dem **Zergliederungsprinzip** (Teilmethode): Wenn-Teil ist ein beobachtbares **Gegnerverhalten**, Dann-Teil eine **Handlungsalternative** — rücken im 3:3-Angriffssystem Außenrechts und Halbrechts ein → Rückpass halblinks, sonst → Weiterpass halbrechts; die Regeln bilden Ketten. Drei Einwände nach Roth begrenzen den Weg: **Abdeckung** — es gibt mehr Situationen als Regeln; **Genauigkeit** — Wenn-dann-Klassen vergröbern und führen möglicherweise zu falschen Handlungsselektionen; **Ressourcen** — übermäßige Klassenbildung beansprucht kognitive Ressourcen übermäßig. Feinere Klassen lösen den zweiten Einwand und verschärfen den dritten.

**Implizites Taktiktraining** arrangiert die Situation: kein einfaches „Spielen lassen", sondern gezielte Spielformen mit entscheidungsrelevanten Situationsmerkmalen in möglichst hoher Dichte — Steuergröße ist die **Auftretenshäufigkeit der Situation**. Die **selektive Aufmerksamkeitslenkung** beschleunigt die Erfahrungsbildung: **direkt** am Zielmerkmal ((über-)deutliches, rechtzeitiges Anzeigen von Handlungsmöglichkeiten, verlangsamtes Spielen), **indirekt** über das ausgedünnte Umfeld (weniger Mit- und Gegenspieler, eingeschränkte Variabilität), **situationsübergreifend** über das Selbstbild — fehlerhafte Beurteilung der eigenen Fähig- und Fertigkeiten hat falsche Antizipationen der Verhaltenskonsequenzen zur Folge; dagegen helfen „objektive" Spielbeobachtungsdaten und Einzelgespräche.

### Kreativität, Reihungsregeln, Vermittlungskonzepte

Die **Straßenspielhypothese** (Roth, 1996): Früher wurde technische und taktische Kreativität durch vielseitiges Spielen auf Straßen, Schulhöfen oder in Parks erworben; heute fehlen Bolzplätze, der Sportunterricht wird reduziert, und Kinder treten früher als vor 30 Jahren in Vereine ein, wo sie vorrangig sportartspezifisch ausgebildet werden — „trainiert, bevor sie selbst spielen können". Der unterstellte Schaden ist nicht das Vereinstraining, sondern seine **zeitliche Vorverlegung** vor die freie Spielerfahrung; Lösung ist die Rückkehr zum vielseitigen, spielerisch-unangeleiteten Sportspielzugang. Gestützt wird sie durch **retrospektive Selbstauskünfte**: Valdo und Scholl zum Erwerbsweg, Bauermann („gestählte Roboter") zu den Kosten des rein expliziten Weges, Brand („Gefühl für Situationen") zum Transfer.

Drei **Reihungsregeln** setzen das um: „Vom Übergreifenden zum Speziellen" (Gefahren der Frühspezialisierung, Vielseitigkeit), „Vom Spielen zum Spielen und Üben" (internationaler Konsens aus spielgemäßem Konzept, genetischen Lehrwegen und Teaching Games for Understanding), „Vom impliziten zum expliziten Lernen" (Primat der Bewegung). Danach folgt das **MSIL**, das Modell des spielerisch impliziten Lernens — überliefert sind nur Titel und Abbildung.

Die Vermittlungsmodelle ordnet die Vorlesung nach zwei Dimensionen: **implizit gegen explizit**, **sportartspezifisch gegen sportartübergreifend** (nach Raab, 2013). **SMART** (*Situation Model of Anticipated Responses for Tactical decisions*) setzt an der **Situation** an: Taktik über Situationen statt über Spielzüge. **TGfU** (*Teaching Games for Understanding*) setzt am **Spielverständnis** an — erst das Spiel verstehen, dann die Technik perfektionieren — und zählt zu den Taktikkonzepten neben Technik-Taktik-Methode (Teilmethode) und spielgemäßen Konzepten (Ganzheitsmethode). **Decision Training** setzt an der **Druckbedingung** an: Wahrnehmung und Entscheidung unter Druck. Nach Hohmann et al. (2010) müssen situative Anforderungen bei Übungs- und Spielformen so gestaltet werden, dass die Wahrnehmungs- und Entscheidungsprozesse optimal angesprochen werden — Prüfstein: Muss wahrgenommen und ausgewählt oder nur ausgeführt werden?

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **Mahlo (1965)** — Wahrnehmen → Entscheiden → Ausführen; **Hoffmann (1993)** — antizipative Verhaltenskontrolle. Nur diese beiden Jahreszahlen bindet die Vorlesung ausdrücklich an ein Modell.
- **Roth (1996)** — Straßenspielhypothese; das Taktikmodell Was?/Wie? und konvergent/divergent führt die Folie **ohne Jahr**, *Programmauswahl*/*Variation* sind Revisionsbegriffe.
- **Olivier et al. (2008)** — Taktikdefinition, zugleich Quellenverweis des Roth-Modells (**S. 211**); **Hohmann et al. (2010)** — Taktikdefinition und Schlussfolgerung für die Übungsgestaltung; **Hottenrott & Hoss (2013)** — Taktikdefinition über den Regelspielraum; **Raab (2013)** in Zentgraf & Munzert, *Kognitives Training im Sport* — Heuristiken und Vermittlungsmodelle.
- Aufzählungslängen: **3** Definitionen, **4** Komponenten (klassisch **3**, ohne Kognition), **4** Einflussfaktoren, **4** Modelle (**3** zur Auswahl, **1** zum Wissenserwerb), **2** Heuristiken, **3** Einwände, **3** Kriterien der divergenten Denkfähigkeit, **3** Reihungsregeln.
- **3:3-Angriffssystem** (Handball-Wenn-dann-Beispiel), **1:1** (Folienbeispiel für Bottom-up), **vor 30 Jahren** (Vergleichszeitpunkt des Vereinseintritts).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Taktik als Oberbegriff | Taktik im engeren Sinne | Ein Wort, zwei Ebenen: Klammer gegen den im Wettkampf entschiedenen Teil. |
| Strategie | Taktik im engeren Sinne | Zeitpunkt: vorab festlegbare Planung gegen situationsausgelöste Entscheidung. |
| Drei klassische Komponenten | Vier Säulen | Beide enthalten Technik, Taktik, Kondition; allein die **Kognition** kommt hinzu. |
| Top-down | Bottom-up | **Verbalisierbarkeit**: Regel angebbar, kognitionsgesteuert gegen nicht angebbar, wahrnehmungsgesteuert, schneller. |
| Mahlo | Roth | Gleichzeitigkeit von Teilprozessen gegen zwei Stufen *innerhalb einer* Entscheidung. |
| Raab | Hoffmann | „Wer setzt sich durch?" gegen „Woher kommt das Wissen?" — Entscheidungsmodell gegen Lernmechanismus; nur Raab ist bedingungsabhängig. |
| Zeitdruck-Effekt | Heuristik | *Welche Instanz* gegen *nach welcher Regel*. Signalwort „dominieren" gegen „Faustregel", Take-the-Best. |
| Take-the-Best | Take-the-First | Ebene der Information (Hinweisreize, Volleyball) gegen Ebene der Handlung (Handball). |
| Take-the-First | Taktische Kreativität | Zeitskala: einzelne Situation unter Zeitdruck gegen Repertoire über viele Situationen. |
| Konvergent | Divergent | Viele Lösungen → die eine richtige gegen eine Situation → viele Lösungsideen. |
| Explizit | Implizit | Regel benannt gegen Situation arrangiert; Zergliederung gegen Dichte; Top-down- gegen Bottom-up-Instanz. |
| Direkte Hervorhebung | Indirekte Hervorhebung | Am Zielmerkmal gegen am Umfeld ansetzen; beide situationsbezogen — situationsübergreifend ist das Selbstbild. |
| TGfU | Decision Training | Reihenfolge von Spiel und Technik gegen Entscheidung unter Druck; SMART: die Situation. |

### Klausurfallen

- **Die vier Modelle vertauschen** (der Stolperstein). Mahlo beschreibt den Ablauf, Roth löst die Entscheidung feiner auf, Raab lässt zwei Instanzen rivalisieren, Hoffmann erklärt den Wissensaufbau — wer ihn als „drittes Entscheidungsmodell" führt, verfehlt die Pointe. Nur bei Raab hängt das Ergebnis von Randbedingungen ab.
- **Zeitdruck-Effekt und Heuristik gleichsetzen.** Der eine sagt, welche Instanz sich durchsetzt, die andere, nach welcher Regel — gleiche Ausgangslage, verschiedene Fragen.
- **Revisionsfassungen ungeprüft übernehmen.** „Parallel und permanent" gehört zu Mahlos Teilprozessen (Folie 10), nicht zur Taktikdefinition; Olivier et al. schreiben im Original „im Sport" statt „im Wettkampf" und „individuelle und kollektive" Verhaltensweisen.
- **Drei oder vier Komponenten raten.** Signalwort lesen: „klassisch" drei, „Säulen" vier; strittig ist allein die Kognition.
- **Eine Sportart für „taktiklos" erklären.** Die Faktoren wirken graduell; auch ohne Mitspieler und Gegner kann der Einfluss äußerer Bedingungen hoch sein.
- **Bottom-up als zufällig deuten, implizites Training als freies Spiel beschreiben.** Das Gegenteil bewusster Regelanwendung ist kein beliebiges Entscheidungsverhalten; implizit heißt gezielte Spielformen hoher Dichte.
- **„Je mehr Alternativen, desto besser."** Der Handball-Befund zeigt das Gegenteil: Die Lösungsqualität sank mit der Zahl kognizierter Varianten.
- **Flüssigkeit als Ideenmenge.** Die Folie ordnet *angemessen* → Flüssigkeit zu, die Kreativitätsforschung sonst die Ideenmenge (Ergänzung, nicht Folieninhalt); es gilt die Folie.
- **Decision Training als drittes Modell der Folie 35 führen.** Der Begriff steht nur in der Revision; die Folie nennt SMART und TGfU, Folie 8 nur „Entscheidungstraining", und Modellpositionen auf den Achsen darf man nicht erfinden — dort steht nur eine Abbildung.
- **Kritikpunkte zu SMART, TGfU oder Decision Training erfinden.** Weder Folien noch Revision nennen welche — Kritik gibt es nur am rein expliziten Taktiktraining.
- **Reihungsregeln als Ausschlussregeln lesen** — und die zweite lautet „Vom Spielen zum Spielen **und** Üben"; das Spielen verschwindet nicht.

## Modul 11 · Wechselwirkungen & Concurrent Training

> **Leitfrage:** Wann fördern sich zwei Trainingsinhalte gegenseitig, wann hemmen sie sich — und was folgt daraus für Reihenfolge, Umfang und Abstand im Trainingsplan?

Wechselwirkungen sind der Normalfall, weil kein Reiz sauber nur eine Fähigkeit adressiert; die Frage lautet nicht *ob*, sondern in welche Richtung und wie stark. Ohne Pfeilrichtung und ohne die vier Bedingungsfaktoren Art, Umfang, Intensität und zeitliche Anordnung trägt keine Aussage dieses Moduls. Der Hauptteil folgt der Reihenfolge der Erkenntnis: Hicksons Ursprungsstudie, die widersprüchliche Replikationslage, die Meta-Analyse von Wilson et al. (2012), die Trennung von akuter und chronischer Interferenz. Die übrigen Fähigkeitspaare brauchen dieselben Begriffe, und die methodischen Vorbehalte der Vorlesung sind eigener Prüfungsinhalt.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Wechselwirkungen sportlichen Trainings** — dass sich das Training einer Einflussgröße auch auf *andere* Einflussgrößen auswirken kann (Olivier et al., 2008, S. 253–262), weil Trainingsbelastungen immer mehrere Teilsysteme beanspruchen. Nicht gemeint: die Wirkung auf die trainierte Größe selbst — gewöhnliche Adaptation.
- **Concurrent Training** — gleichzeitiges Training mehrerer Fähigkeiten, klassisch Kraft und Ausdauer; „gleichzeitig" im selben *Trainingszeitraum*, nicht zwingend in derselben *Trainingseinheit*.
- **Interferenzeffekt** — Befund, dass gleichzeitiges Kraft- und Ausdauertraining die durch reines Krafttraining erreichbare Kraftentwicklung beeinträchtigt; Begriff aus dem Titel der Ursprungsstudie von Hickson (1980).
- **Akute Interferenz** — Beeinträchtigung innerhalb einer Einheit bzw. weniger Stunden durch reduzierte Energiespeicher (Glykogen, Kreatinphosphat) und abgesenkten intrazellulären pH-Wert; nur bei übereinstimmenden Muskelgruppen.
- **Chronische Interferenz** — über Wochen kumulierende Beeinträchtigung der Kraftentwicklung; bei Hickson erst im Verlauf der zehn Wochen sichtbar, obwohl das Krafttraining weiterläuft.
- **Massenhemmung** — einzige Ausnahme von der Regel, dass ein hochtrainierter Muskel die Beweglichkeit nicht einschränkt: Die Muskelmasse begrenzt den Bewegungsweg selbst (Folie 17 nennt sie ohne Erläuterung; Deutung: Ergänzung).

### Die Gerichtetheit und die vier Bedingungsfaktoren

Wechselwirkungen sind **gerichtet**: Die Wirkung von A auf B ist nicht die Wirkung von B auf A. Die Vorlesung belegt das dreifach — *Krafttraining → Ausdauer* positiv gegen *Ausdauertraining → Kraft* als Interferenzeffekt, *Koordination → Kondition* positiv gegen *Kondition → Koordination* kurzfristig negativ, *Beweglichkeit → Kraft* positiv gegen *Kraft → Beweglichkeit* wirkungslos. „Kraft und Ausdauer stören sich" ist damit unterbestimmt und in der geprüften Richtung falsch.

Das Vorzeichen hängt nach der Revision (S. 11) von vier Größen ab, jede mit Belegstelle. **Art (Modalität):** die „Art und Weise" des Zusammenspiels als erste Bedingung der Meta-Analyse, auf Folie 16 die Dehnart. **Umfang:** Ausdauertraining über 20–30 Minuten und öfter als 3× pro Woche vermeiden. **Intensität:** Negativ wird es vor allem hochintensiv (Folien 10 und 24). **Zeitliche Anordnung:** keine nachteiligen Effekte, wenn beides nicht in derselben Trainingseinheit liegt. Art und Umfang verändern die chronische Anpassung, Intensität und Anordnung die akute Beeinträchtigung.

Positiv oder negativ ist deshalb keine Eigenschaft des Fähigkeitspaars, sondern der Ausgestaltung — und das Problem liegt nicht in der Sportart, sondern in ihrer Lage im Spannungsfeld Kraft – Schnelligkeit – Ausdauer (Laursen & Buchheit, 2019): Am Rand (**Road cycling**, **Track and field sprints**, **Weightlifting**) dominiert eine Fähigkeit, in der Mitte kollidieren zwei Adaptationsrichtungen.

### Hicksons drei Gruppen und die Befundlage, die ihm widerspricht

Krafttraining → Ausdauer beschreibt die Vorlesung überwiegend positiv: verbesserte **anaerobe Kapazität** und **Rechtsverschiebung der Laktatleistungskurve** — derselbe Laktatwert erst bei höherer Belastung (Ergänzung) —, nachgewiesen im **Straßenradsport**, im Schwimmsport über 200 m dagegen **nicht**.

Der Interferenzeffekt ist die Gegenrichtung und trifft ausdrücklich die **Kraft**. Hickson (1980) ließ drei Gruppen zehn Wochen lang an **denselben Muskelgruppen** trainieren: **(S) Strength** 30 Minuten an 5 Tagen pro Woche, **(E) Endurance** 40 Minuten an 6 Tagen pro Woche, **(S&E)** beides kombiniert, also die Summe beider Programme. Drei Ergebnisse: Ausdauertraining erhöht die Kraft nicht (E), Krafttraining führt zu Kraftzuwachs (S), die Kombination **erst zu Kraftzuwachs und dann zu Kraftabfall**. Entscheidend ist der zweiphasige Verlauf: S&E ist nicht von Beginn an schlechter, der Einbruch kommt erst später, obwohl das Krafttraining weiterläuft — kumulativ und chronisch, keine Tagesform.

„Vorsicht: einige Limitationen in der Studie", mahnt die Vorlesung: S&E absolvierte deutlich mehr Gesamtumfang als jede Einzelgruppe, was den Kraftabfall ebenso erklären könnte, und die gleichen Muskelgruppen begünstigen den Interferenzfall maximal. Uneinheitlich ist auch die Replikationslage — bestätigt von **Dudley und Djamil (1985)** und **Kraemer et al. (1995)**, **nicht bestätigt** von **Sale et al. (1990)**, weitere Studien stützen beide Richtungen —, weil die Designs unterschiedlich sind. Tritt dasselbe Phänomen mal auf und mal nicht, ist der Effekt bedingungsabhängig.

### Von „ob" zu „unter welchen Bedingungen": die Meta-Analyse

Wilson et al. (2012) ersetzen die Ja-Nein-Frage durch drei Moderatoren: Es kommt auf **Art und Weise**, **Häufigkeit** und **Dauer** des Zusammenspiels von Kraft- und Ausdauertraining an. Als statistische Zusammenfassung vieler Studien wertet eine Meta-Analyse die Heterogenität der Designs aus, statt an ihr zu scheitern (Ergänzung).

Fünf Implikationen ergeben eine Entscheidungsregel: erst das Ziel, dann die Dosierung. (1) **Maximale Leistung oder hohe Kraftanstiegsraten, also Explosivkraft** → gleichzeitiges Training **einschränken**. (2) **Maximalkraft und Hypertrophie** → Ausdauertraining **speziell und möglichst sportartspezifisch auswählen**, nicht weglassen. (3) **Sobald beides trainiert wird** → nicht länger als 20–30 Minuten, nicht öfter als 3× pro Woche. (4) **Geringer Hypertrophie-Kraftzuwachs bei hohem Fettverlust** → eher Ausdauerlaufen mit erhöhter Intensität. (5) **Ziel Ausdauerleistung** → Krafttraining gezielt einsetzen. Sie widersprechen sich nicht, sondern sind an verschiedene Zielgruppen adressiert; plausibel ist die Abstufung, weil die Kraftanstiegsrate an der schnellen neuromuskulären Ansteuerung hängt, Hypertrophie dagegen strukturell und langsamer ist.

### Akute gegen chronische Interferenz

Hochintensives Ausdauertraining senkt die Kraftleistung kurzfristig über zwei Größen: **reduzierte muskuläre Energiespeicher** (Glykogen, Kreatinphosphat) und einen **abgesenkten intrazellulären pH-Wert**. Weil beides in der belasteten Muskulatur selbst wirkt, ist die Beeinträchtigung **lokal, nicht systemisch**: Sie tritt nur auf, wenn die beanspruchten Muskelgruppen beider Belastungen übereinstimmen — Folie 24 nennt dieselbe Bedingung wortgleich für koordinative Aufgaben, Radergometrie und Oberkörperkrafttraining stören sich also nicht.

Die chronische Interferenz liegt auf einer anderen Zeitebene, und für sie nennt die Vorlesung **keinen Mechanismus**; gesteuert wird sie über Modalität, Häufigkeit und Dauer des Ausdauertrainings. Nur die akute lässt sich durch **Umlegen im Tagesplan** beseitigen, die chronische betrifft die Anpassung selbst. Aus der akuten Ebene stammt darum die einzige Anordnungsregel: keine nachteiligen Effekte, wenn Kraft und Ausdauer **nicht in derselben Trainingseinheit** liegen und die Erholung zwischen den Trainingssätzen ausreicht — geleerte Speicher und gesenkter pH-Wert sind vorübergehend.

Auch der Trainingszustand entscheidet: Bei **untrainierten Personen** nennt die Vorlesung **keine negativen Effekte**, bei **erfahrenen Athleten** sind die Effekte durch alleiniges Krafttraining größer — das kombinierte Training kostet sie etwas, weil nahe am Maximum pro Reiz nur noch kleine Zuwächse zu holen sind (Quantitätsgesetz, Ergänzung). Die Interferenzdebatte ist ein Leistungssportproblem.

### Die übrigen Fähigkeitspaare

**Ausdauer → Schnelligkeit.** Langfristiges Ausdauertraining kann die Muskelfaserstruktur verändern (De Marées, 2003), doch die *Verteilung* der Fasertypen ist genetisch festgelegt; trainierbar ist nur eine Bandbreite um den individuellen Wert. **Niederfrequente** Elektrostimulation erzeugt nach Wochen faser-I-typische Fasern (Kapillardichte ↑, aerobe Energiebereitstellung ↑), **Typ-II-Fasern** dagegen nur bei diskontinuierlich hochfrequenter Stimulation — die Umwandlung ist asymmetrisch und praktisch kaum möglich. Schnelligkeit hängt wesentlich von **Schnellkraft und Koordination** ab; die Schnellkraft kann theoretisch leiden, die Koordination nicht stärker. Der Nettoeffekt bleibt „eher gering", was nicht „kein Effekt" heißt.

**Beweglichkeit ↔ Kraft.** Die Dehnart entscheidet: **Statisches Dehnen** kann die Schnellkraft kurzfristig senken, doch durch zwischenzeitliche Aktivierung mit vorbereitenden Bewegungsabläufen bleiben die Effekte sehr gering; **dynamisches Dehnen** verändert die Dehnungsspannung kaum und hat keinen Einfluss. Langfristig gilt das Gegenteil: Eine gut ausgeprägte **Bewegungsreichweite** beeinflusst die Kraftleistung positiv. Umgekehrt hat ein hochtrainierter Muskel **keinen negativen Einfluss** auf die Beweglichkeit — Ausnahme Massenhemmung. Nóbrega et al. (2005) prüften das mit vier Gruppen über zwölf Wochen (F, R, FR, sitzende Kontrollgruppe C): Beweglichkeit steigt nur aufgrund spezifischen Trainings, auch bei parallelem Krafttraining — weder schädlich noch förderlich.

**Koordination, Technik, Taktik.** Koordination spielt als Ausführungsqualität bei allen komplexen Leistungen eine Rolle, ihre Verbesserung steigert daher auch Kraft- und Ausdauerleistungen; umgekehrt verbessert Krafttraining die intra- und intermuskuläre Koordination. Kurzfristig aber stört Kondition die Koordination, insbesondere hochintensiv und nur bei übereinstimmenden Muskelgruppen — Technik- und Koordinationstraining gehört an den Anfang der Einheit. Technik und Taktik beeinflussen sich stark: Früher galt „erst Technik, dann Taktik", heute steht das **variable Techniktraining**, dessen Programmparameter von taktischen Situationsbedingungen abhängig gemacht werden können — die einzige Wechselwirkung, die als Gestaltungsprinzip statt als Störgröße auftritt.

### Was die Vorlesung nicht sagt

Die Grenze des Belegten ist selbst Prüfungsstoff. Die Vorlesung nennt **keine Reihenfolge** — ob erst Kraft und dann Ausdauer oder umgekehrt, steht auf keiner Folie —, **keine Stundenzahl** für den Erholungsabstand und **keinen Mechanismus** für den chronischen Kraftabfall; auch der Umkehrzeitpunkt bei Hickson ist nicht beziffert, und ein eigener Abschnitt zu Kraft ↔ Schnelligkeit fehlt (das Paar läuft nur über die Schnellkraft, Folien 14 und 16). Dazu fünf ausdrückliche Vorbehalte: Limitationen bei Hickson (Folie 7), Befunde in beide Richtungen bei schwer vergleichbaren Designs (Folie 8), Bedingungen statt Ja-Nein-Aussage (Folie 9), Abhängigkeit vom Trainingszustand (Folie 10), Selbsteinschränkung der Autoren der Beweglichkeitsstudie — *considering the characteristics of the subjects and training protocols*, n = 9 bis 13 gesunde junge Erwachsene (Folie 21). Zusammen ergeben sie die These „So einfach ist es nicht" — diese Grenze zu markieren ist stärker, als eine Zahl zu erfinden.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **3 Gruppen, 10 Wochen, dieselben Muskelgruppen** — Hickson (1980), *Eur J Appl Physiol Occup Physiol*, 45(2–3), 255–263: **(S)** 30 min, 5× pro Woche; **(E)** 40 min, 6× pro Woche; **(S&E)** Summe beider.
- **20–30 Minuten je Einheit, mehr als 3× pro Woche** — beim gleichzeitigen Training zu vermeidender Umfang (Folie 9); einzige Dosierungsangabe der Vorlesung, von Hicksons Gruppe E überschritten.
- **3 Moderatoren** (Art und Weise, Häufigkeit, Dauer), **5 Implikationen** — Wilson et al. (2012), *J Strength Cond Res*, 26(8), 2293–2307. **4 Bedingungsfaktoren** (Revision, S. 11), **5 methodische Vorbehalte** (Folien 7, 8, 9, 10, 21).
- **4 Gruppen, 12 Wochen, Pre-/Posttest** — Nóbrega et al. (2005), *J Strength Cond Res*, 19(4), 842–846: F 2×/Woche, 40 min, n = 13; R 2×/Woche, 60 % 1RM, 8–12 Wiederholungen, n = 11; FR n = 9; C sedentary n = 10.
- **> 200 m Schwimmsport** — hier ist die Rechtsverschiebung nicht nachgewiesen.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Wechselwirkungen | Concurrent Training | Oberbegriff gegen den engeren Fall Kraft + Ausdauer; Folie 3 setzt beide gleich. |
| Krafttraining → Ausdauer | Ausdauertraining → Kraft | Anaerobe Kapazität und Laktatleistungskurve gegen Interferenzeffekt: gleiches Paar, gegensätzliche Befunde. |
| Akute Interferenz | Chronische Interferenz | Stunden, Mechanismus benannt, nur gleiche Muskelgruppen, umlegbar — gegen Wochen, kein Mechanismus, nur über Umfang und Modalität steuerbar. |
| „Einschränken" | „Sportartspezifisch auswählen" | Explosivkraft gegen Maximalkraft und Hypertrophie (Folie 9). |
| 20–30 min / 3× pro Woche | 30 min / 5× und 40 min / 6× | Empfehlung der Meta-Analyse gegen Studienprotokoll bei Hickson. |
| Statisches Dehnen (kurzfristig) | Bewegungsreichweite (langfristig) | Leicht negativ auf die Schnellkraft gegen positiv auf die Kraft, beide Folie 16; dynamisch wirkt gar nicht. |
| Kraft → Beweglichkeit: nicht schädlich | Kraft → Beweglichkeit: förderlich | „Kein negativer Einfluss" (Folie 17) ist kein Zuwachs: Beweglichkeit steigt nur spezifisch (Folie 21). |

### Klausurfallen

- **Wechselwirkungen symmetrisch lesen.** Dass Krafttraining der Ausdauerleistung nützt, heißt nicht, dass Ausdauertraining der Kraft im gleichen Maß schadet: In jede Antwort gehört die Pfeilrichtung.
- **Akute und chronische Interferenz vermischen.** Gegen den Anpassungsverlust über Wochen hilft kein Umlegen im Tagesplan, gegen akuten Kraftverlust keine Umfangkürzung.
- **„Die Kombination ist schlechter."** S&E legt zunächst genauso zu wie S; der zweiphasige Verlauf ist der Befund.
- **Den Interferenzeffekt auf die Ausdauer beziehen.** Betroffen ist die Kraft; die Meta-Analyse empfiehlt Krafttraining sogar zur Erhöhung der Ausdauerleistungsfähigkeit.
- **Die beiden Empfehlungen der Folie 9 vertauschen.** Explosivkraft → einschränken, Maximalkraft und Hypertrophie → sportartspezifisch auswählen.
- **Hicksons Protokollzahlen als Empfehlung wiedergeben.** 30 min/5× und 40 min/6× sind Gruppenbelastungen, 20–30 min und 3× pro Woche die Vermeidungsgrenze.
- **Hickson als gesicherten Befund darstellen.** Limitationen und Replikationslage gehören dazu; „nicht bestätigt" bei Sale et al. (1990) heißt nicht „widerlegt".
- **Statisches Dehnen gegen Beweglichkeitstraining ins Feld führen.** Die Einschränkung gilt nur statisch, nur kurzfristig, mit sehr geringen Effekten.
- **„Koordination und Kondition beeinflussen sich negativ."** In einer Richtung falsch: Koordination → Kondition ist positiv; die Gegenrichtung stört nur kurzfristig und lokal.


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# Kognition & Wahrnehmung

## Modul 12 · Kognitives & mentales Training, Talent

> **Leitfrage:** Wie viel sportliche Leistung entsteht im Kopf — beim Training der bloßen Bewegungsvorstellung ebenso wie bei der Frage, ob ein Talent gefunden oder erarbeitet wird?

Zuerst trennt das Modul kognitives von psychologischem Training; dann folgt die Frage, warum eine bloße Bewegungsvorstellung wirkt — zwei Erklärungsfamilien mit ihrer Kritik, zugespitzt im Kraftzuwachs ohne Bewegung. Die zweite Hälfte beginnt mit der Talentdefinition, weil diese die Diagnostik bereits entscheidet: Ist Talent die Zuschreibung eines Potenzials, scheitert die Prognose absehbar an Cut-off-Werten, Geburtsmonat und Umwelt. Die Antwort des Expertiseansatzes lautet deshalb nicht schärfer sichten, sondern breiter fördern.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Psychologisches Training** — auch **mentales Training**: das Üben mentaler Fertigkeiten im weitesten Sinne (Emotionsregulation, Entspannungsverfahren, Selbstwirksamkeitstraining). Der weitere Begriff.
- **Kognitives Training** — zielt auf die kognitiven Anteile komplexer sportlicher Leistungen: Bewegungsvorstellungen, Entscheidungen, Antizipation, Aufmerksamkeitsprozesse. Der engere, leistungsbezogene Ausschnitt.
- **Bewegungsvorstellungstraining (BVT)** — Athleten ziehen eine spezifische Fertigkeit (Freiwurf samt Treffen des Korbes) gedanklich nach oder vorweg; die Bewegung wird intern simuliert, inklusive propriozeptiver Informationen.
- **Talent im Spitzensport** (Conzelmann 2004, modifiziert nach Hohmann & Carl, 2002) — eine Person, die unter Berücksichtigung des bereits realisierten Trainings, im Vergleich mit Referenzgruppen ähnlichen biologischen Entwicklungsstandes und ähnlicher Lebensgewohnheiten überdurchschnittlich sportlich leistungsfähig ist und bei der man unter Berücksichtigung endogener Leistungsdispositionen und realisierbarer exogener Leistungsbedingungen begründbar annimmt, dass sie in einem nachfolgenden Entwicklungsabschnitt sportliche Spitzenleistungen erreichen kann.
- **Deliberate Practice** — gezieltes, konzentriertes und intensives Üben (Ericsson, 1990); sehr erfolgreiche Athleten zeichnen sich durch ein hohes Maß daran aus.

### Der Gegenstand trennt, nicht der Ort

Ein Entspannungsverfahren vor dem Start ist psychologisches, ein Antizipationstraining am Videobildschirm kognitives Training — beides geschieht „im Kopf", getrennt wird über den **Gegenstand**. Die Gegenthese der Vorlesung: Kognitive Prozesse sind ein bedeutender Faktor sportlicher Leistungen, während Interventionen sonst an Fähigkeitsbereichen, Technikerwerb oder Material ansetzen. Die Landkarte liefert das Buch „Kognitives Training im Sport" mit zehn Feldern; vertieft wird Kapitel 1, das BVT (Munzert, Reiser & Zentgraf), ergänzt um Aufmerksamkeit (Memmert), Antizipation, Entscheidung (Raab) und Bewegungsstörungen. BVT ruft Bewegungsvorstellungen systematisch aus **expliziten**, bewusst zugänglichen Repräsentationen hervor: Nach dem Modell der Teilprozesse (Farah, 1984) werden sensorische Informationen aus dem Langzeitgedächtnis im Arbeitsgedächtnis zur Vorstellung — berichtbar, kopierbar, mit Sinneseindrücken vergleichbar. Beteiligt sind alle Sinnesmodalitäten, auch die akustische.

### Perspektive, funktionelle Äquivalenz und die zwei Erklärungsfamilien

Motor Imagery und Mental Imagery trennt die **Perspektive**, nicht der Inhalt: Motor Imagery (Munzert et al., 2014) ist die interne — selbst Akteur sein, sehen und fühlen — und spricht verstärkt Hirnregionen an, die auch an der Ausführung beteiligt sind; Mental Imagery ist die externe visuelle, man sieht sich von außen wie im Video. Die Überlappung heißt **funktionelle Äquivalenz** (Ergänzung, nicht Folieninhalt): eine abgeschwächte Simulation der Ausführung, bei Immobilisation über nahezu identische neuronale Netzwerke.

Das **ideomotorische Prinzip** erklärt die Wirkung peripher: Die Vorstellung aktiviert die Muskulatur geringer als die physische Ausführung — Indiz sind Mitbewegungen beim Fußballzuschauen, Beleg die im EMG nachgewiesene unterschwellige Aktivität —, deren Rückinformationen die motorische Programmierung optimieren sollen. Zwei Einwände: Die sensorische Rückinformation ausgeführter und vorgestellter Bewegung unterscheidet sich erheblich, ausdrücklich die der Muskelspindeln; und es gibt Studien ohne jede muskuläre Aktivität mit dennoch nachweisbaren Leistungsverbesserungen. Muskelaktivität ist weder hinreichend erklärend noch notwendig.

Die **kognitiven Erklärungstheorien** setzen an der zentralen Bewegungsrepräsentation an: Mentales Üben stützt deren Aufbau und Ausdifferenzierung, etwa der räumlich-zeitlichen Merkmale, durch wiederholte visuelle Bewegungsvorstellungen — trainiert wird das innere Modell, nicht der Muskel. Ihre Bedingung: Gestärkte Repräsentationen wirken nur, wenn das notwendige Innervationsmuster direkt umgesetzt werden kann, also vorangegangene physische Lernsituationen kognitive und motorische Repräsentationsebene verbunden haben. Deshalb ist eine Abfolge bereits beherrschter Teilbewegungen mental neu lernbar, eine unbekannte Bewegung nicht. Zweite Voraussetzung ist die getestete Bewegungsvorstellungsfähigkeit; erforscht wird über fMRT und EEG. Die Zusammenfassung postuliert beide Familien nebeneinander — der Wirkweg ist nicht abschließend geklärt.

### IMK-Training: Kraftzuwachs ohne Bewegung

**IMK** — imaginierte maximale Kontraktion — nutzt ein vielfach beobachtetes Phänomen: Die Maximalkraft nimmt auch ohne physisches Training zu, klassisch beim unilateralen Training, bei dem die Kraft auf der nicht trainierten Seite mitwächst; daraus folgt die Bedeutung zentralnervöser Einflussfaktoren der Kraftproduktion. Direkter Nachweis ist die isometrische Fingerabduktion über 4 Wochen; der Effekt besteht auch bei größeren, besser trainierten Muskeln (M. pectoralis major). Am aussagekräftigsten: IMK plus gleichzeitige leichte physische Ausführung ergab über 20 % Kraftzunahme, die leichte Ausführung allein keine — da beide Bedingungen dieselbe mechanische Belastung enthalten, stammt der Zuwachs aus dem imaginierten Anteil, besonders bei kinästhetisch akzentuierten Vorstellern. Für die Kraft gilt **BVT + KT > KT > BVT**: An der Beinpresse schlug BVT plus Krafttraining das Krafttraining allein, beim Bankdrücken zeigten sich keine Unterschiede — daher die Frage nach Muskelgruppenabhängigkeit. Für den Leistungssport sprechen geringerer Aufwand und Prävention. Bei Immobilisation ist die Kombination von BVT und aktivem Training ausgeschlossen; 3 mentale Übungsphasen pro Tag zu je 5 Minuten über 10 Tage reduzierten den Kraftverlust. Der Mechanismus ist neuronal: Immobilisation senkt nachweislich die neuronale Aktivität in kortikal motorischen Gehirnarealen, BVT verringert das teilweise. Daneben hält es die Zieltechnik aufrecht und optimiert physiotherapeutische Übungen — vielversprechend, aber bisher wenige experimentelle Studien.

### Aufmerksamkeit, Antizipation, Entscheidung — und der Yips

Vorstufe ist die Aufmerksamkeit — vier Subprozesse am Beispiel fußballspezifischer Anforderungen (Furley & Memmert, 2009), dazu dynamische räumliche Aufmerksamkeit und Tracking (Faubert & Sidebottom, 2012; Faubert, 2013). Im Spiel entscheidet nicht nur, wie schnell jemand handelt, sondern worauf er seine begrenzte Kapazität richtet. **Antizipation**, die gedankliche Vorwegnahme eines (Bewegungs-)Ereignisses zur zeitlich adäquaten Ausrichtung der eigenen Handlung, ist nötig, weil die Zeit zwischen Reizerscheinen und notwendiger Reaktion oft kürzer ist als die Reaktionszeit — vorverlagert wird der Handlungsbeginn, verkürzt nicht die Reaktionszeit. Gemessen wird sie im progressiven temporalen Okklusionsparadigma (Farrow & Abernethy, 2002): Die Bildinformation wird um den Schläger-Ball-Kontakt (SBK, t3) in gleichen diskreten Abständen davor (t1, t2) und danach (t4) abgeschnitten; gelingt die Vorhersage schon bei t1 oder t2, nutzt die Person die Bewegung des Gegners. Unter Zeitdruck dominiert die Wahrnehmung (Bottom-up), entschieden wird über Heuristiken: **Take-The-Best** anhand des besten Hinweisreizes unter Ignorieren der übrigen, Take-the-first über die zuerst generierte Option. Am motorischen Ende steht der **Yips**, eine aufgabenspezifische Bewegungsstörung: Eine zuvor gelernte Bewegung ist im gegebenen Kontext plötzlich gestört oder unmöglich, während sie in anderem Kontext ungestört bleibt. Betroffen sind Profis, nicht Nervöse.

### Talent als Zuschreibung: die Definition und die zwei Zugänge

Einem Talent wird ein besonderes Potenzial für spätere Spitzenleistungen und -erfolge zugeschrieben — etwas Zukünftiges und Unbeobachtbares, während beobachtbar immer nur die aktuelle Leistung ist. Die Diagnostik muss also von gegenwärtiger Beobachtung auf einen zukünftigen Zustand schließen. Jede der fünf Bedingungen der Spitzensportdefinition kann die Zuschreibung verhindern. Güllich (2013) zieht die Konsequenz: Wer außergewöhnliche sportmotorische Fähigkeiten, Leistungsfortschritte und körperbauliche Voraussetzungen besitzt, dem es aber an körperlicher Belastbarkeit, Trainingsmöglichkeiten, Trainingsmotivation oder sozialer Unterstützung mangelt, gilt folglich nicht als Talent — Talent wird damit teilweise zu einer Eigenschaft der Umwelt.

Der **Begabungsansatz** verfolgt Talente prospektiv bis zum Spitzensport (wer wird es?); sein Hebel ist die Diagnose, und aus ihm folgen vier Schritte: Talentsuche/-sichtung (Grundgesamtheit) → Talenterkennung/-diagnose (Unterscheidung höheren und geringeren Potenzials) → Talentauswahl (Aufnahme in ein Förderprogramm) → Talentförderung (Strukturen und Maßnahmen der Intervention). Der **Expertiseansatz** untersucht Spitzensportler rückblickend auf ihre frühe Entwicklung im Kindes- und Jugendalter, verglichen mit Sportlern oder Novizen (was haben die Erfolgreichen gemacht?); Spitzenexperten erbringen herausragende Leistungen dauerhaft und stabil, nicht einmalig oder zufällig. Beide gelten als sich **ergänzende**, nicht als konkurrierende Strategien.

### Cut-off-Schwelle, Relative Age Effect und die Antwort der Expertiseforschung

Die Cut-off-Abbildung (Hohmann & Carl, 2002, S. 10) legt eine **Selektions-Schwelle** zwischen jugendliche und zukünftige Leistung: Ausgewählt wird auf der heute messbaren Größe, das Ziel liegt auf der anderen. Vier Felder entstehen — erwartete Top-Athleten (richtig ausgewählt), unerwartete Top-Athleten (fälschlich aussortiert), unerwartete „Nicht-Erreicher" (fälschlich ausgewählt), erwartete „Nicht-Erreicher" (richtig aussortiert). Solange beide Variablen nicht perfekt zusammenhängen, erzeugt jede Schwelle beide Fehlertypen: Eine strengere Schwelle senkt die fälschlich Ausgewählten und erhöht die fälschlich Aussortierten — verschieben statt beseitigen. Verzerrt ist die jugendliche Leistung zudem durch realisiertes Training, biologischen Entwicklungsstand und Umweltbedingungen.

Der **Relative Age Effect**: Spitzensportler sind häufig in den ersten Monaten des Jahres geboren, weil Altersgruppen nach Stichtag eingeteilt werden — der am 12.12.2004 Geborene zählt 2014 zu den Zehnjährigen, der am 03.01.2005 Geborene zu den Neunjährigen, bei einem Monat tatsächlichem Unterschied. Die Kette: Altersunterschiede bis zu einem Jahr innerhalb der Gruppe → enorme Auswirkungen bezüglich Größe, Schnelligkeit und Kraft → mehr Aufmerksamkeit und Förderung → größere Leistungsentwicklung. Der zunächst rein biologisch-relative Vorteil wird so dauerhaft. Das Person-Umwelt-Konzept (Güllich, 2013) hält dagegen: Was die Person mitbringt, entfaltet sich erst in der Auseinandersetzung mit Umweltreizen, woraus die individuelle Höchstleistung resultiert.

Deliberate Practice hat drei Merkmale: **Umfang** — mindestens 10 Jahre intensive Arbeit, dann kann jede und jeder Experte in einer Domäne werden; **Qualität** — optimale äußere und motivationale innere Bedingungen, keine Ressourcenengpässe, bestens ausgebildete Trainer mit altersgemäßen optimalen Entwicklungsreizen; und der **evtl. freudlose** Anteil harter, fremdbestimmter Arbeit. Conzelmann (2007) gliedert die zehn Jahre in Phase I (Motivation, Interesse, lustvolle Erfahrungen, oft familiär), Phase II (systematische Ausbildung, langfristiger Plan, dramatisch steigender Umfang), Phase III (Profi, ausschließlich Höchstleistung) — ohne die Bindung aus Phase I hält niemand den freudlosen Anteil durch. Daraus folgen Einstiegsalter mindestens 10 Jahre vor dem Höchstleistungsalter, das **Schwellenkonzept** (hinreichend vielen Nachwuchssportlern Zugang zur Deliberate Practice) und die genetische Disposition nur als Mindestvoraussetzung — der initialen Talentdiagnostik kommt geringere Bedeutung zu. Lames und Werninger (2011) fassen das in sechs Rahmenleitlinien: langfristiger Leistungsaufbau, Phasenmodell, psychologische Variablen, „Nature or Nurture", prozessuale Talentdiagnostik ohne Alles-oder-Nichts-Sichtungen, Sichern von Deliberate Practice.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **4 Wochen** — isometrische Fingerabduktion: Kraftzunahme durch BVT, der direkte Nachweis.
- **über 20 %** — Kraftzunahme durch IMK plus leichte physische Ausführung; leichte Ausführung allein: keine.
- **BVT + KT > KT > BVT** — Rangfolge der Kraftwirkung; Beinpresse BVT + KT > KT, Bankdrücken keine Unterschiede.
- **3 Übungsphasen täglich zu je 5 Minuten über 10 Tage** — 15 Minuten täglich, 30 Phasen: Reduzierung des Kraftverlusts bei Immobilisation.
- **mindestens 10 Jahre** — Umfangsmerkmal der Deliberate Practice (Phasen I bis III); als Einstiegsalter derselbe Wert vor dem Höchstleistungsalter: bei 25 Jahren spätestens mit etwa 15 Jahren.
- **6 Rahmenleitlinien** (Lames & Werninger, 2011, S. 27); **5 Bedingungen** der Talentdefinition; **4 Cut-off-Felder**; **4 Schritte** der Talentförderung.
- **12.12.2004 gegen 03.01.2005** — 2014 Zehnjährige gegen Neunjährige bei 1 Monat Abstand; in der Gruppe bis zu 1 Jahr.
- **75 cm** — Sprungrekord Dietharts aus dem Stand; mit 21 Jahren Sieg der ersten kompletten Vierschanzentournee.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Psychologisches (mentales) Training | Kognitives Training | Gegenstand, nicht Ort: mentale Fertigkeit gegen leistungserzeugende Informationsverarbeitung. |
| Motor Imagery | Mental Imagery | Intern, sehen *und* fühlen, ausführungsbeteiligte Hirnregionen, gegen extern-visuell. |
| Vorstellungsperspektive intern/extern | Aufmerksamkeitsfokus intern/extern | Im Techniktraining ist extern das Bessere, hier die weniger bewegungsnahe Variante. |
| Ideomotorisches Prinzip | Kognitive Erklärungstheorien | Periphere Muskelaktivierung gegen zentrale Bewegungsrepräsentation. |
| Antizipation | Entscheidung | Aussage über die Welt gegen Aussage über das eigene Handeln. |
| Talenterkennung | Talentauswahl | Einschätzung des Potenzials gegen Entscheidung über die Aufnahme — hier wirkt die Schwelle. |
| Begabungsansatz | Expertiseansatz | Prospektiv, Hebel Diagnose, gegen retrospektiv, Hebel Systemstruktur; ergänzend, nicht konkurrierend. |
| Relative Age Effect | Biologischer Entwicklungsstand | Stichtag allein gegen Reifestatus relativ zum kalendarischen Alter. |

### Klausurfallen

- **Nur das ideomotorische Prinzip nennen.** Verlangt ist die Gegenüberstellung samt Kritik; Folie 22 postuliert kognitive *und* motorische Mechanismen und lässt den Wirkweg offen.
- **„Kraftaufbau im Gips".** Bei Immobilisation ist nur von *Reduzierung* des Verlusts die Rede; die Begründung über Durchblutung oder Muskelaufbau durch Anspannung ist falsch, der Effekt ist neuronal.
- **IMK mit höherem Kraftpotenzial begründen.** Die Gründe sind Aufwand und Prävention; das Kraftpotenzial bleibt geringer als beim Krafttraining. Die Rangfolge gilt zudem für Kraftleistungen, nicht allgemein.
- **Widerspruch bei den Einsatzzeitpunkten.** Die Revision nennt zwei — vor dem Wettkampf, bei Verletzung oder Krankheit; nach Folie 9 gehört das laufende Training dazu. Beide Fassungen nennen.
- **Die vier Cut-off-Felder vertauschen.** Unerwartete Top-Athleten sind jugendlich schwach und später stark, also *fälschlich aussortiert* (Prototyp Diethart); unerwartete „Nicht-Erreicher" sind jugendlich stark und später schwach, also *fälschlich ausgewählt*. Beseitigen lassen sich beide Fehlertypen nicht, nur verschieben.
- **Relative Age Effect mit dem biologischen Entwicklungsstand gleichsetzen.** Der RAE entsteht durch den Stichtag allein, unabhängig vom Reifestatus.
- **Die 10 Jahre als kalendarisches Einstiegsalter lesen.** „Mindestens 10 Jahre vor dem Höchstleistungsalter" ist ein Abstand, kein Zeitpunkt — anders als die 10-Jahres-Regel, die die Übungsdauer meint. Die populäre 10.000-Stunden-Regel verkürzt dieselbe Forschungslinie; die Vorlesung argumentiert über Jahre (Ergänzung, nicht Folieninhalt).
- **Zahlen behaupten, wo die Folien nur Abbildungen zeigen.** Subprozesse der Aufmerksamkeit, Tracking-Studien, „Unterscheidungen beim Talentbegriff" und das Beispiel Tennis (Auswahlkriterien, Trefferquote früher Förderung) enthalten keine Werte im Folientext. Der Fall Diethart ist didaktischer Einstieg, kognitive Parameter in der Talentdiagnose eine Anregung — kein Befund.

## Modul 13 · Propriozeption & Mechanorezeptoren

> **Leitfrage:** Welche Information liefern die Sensoren von Haut, Muskeln und Sehnen — und was geschieht mit der Bewegung, wenn diese Rückmeldung ausfällt?

Am Anfang steht eine Begriffsentscheidung: Diese Vorlesung fasst propriozeptive Wahrnehmung weit und rechnet Haut, Muskel und Gelenk zusammen, während andere Disziplinen sie auf die Muskulatur beschränken. Geordnet wird die Sensorik über den adäquaten Reiz; aus zweien seiner Merkmale — Feldgröße und Adaptationsverhalten — entsteht das Vier-Felder-Raster der Hautrezeptoren. Darauf folgen die Propriozeptoren im engeren Sinn nach der Merkformel Länge – Spannung – Winkel, deren Kern die Gegenüberstellung von Muskelspindel und Golgi-Sehnenorgan ist. Die Bedeutung des Sinnes zeigt die Vorlesung durchweg an seinem Ausfall.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Propriozeptive Wahrnehmung** — Wahrnehmung von Informationen aus der Körperperipherie, aus Haut-, Muskel- und Gelenkrezeptoren; als **Tiefenwahrnehmung** informiert sie über Position und Bewegung des Körpers im Raum und die relative Stellung der Körperteile zueinander.
- **Somatosensorische Wahrnehmung** — Name derselben weiten Fassung in den Disziplinen, die Propriozeption auf die Muskulatur beschränken; der Vorlesungstitel setzt beide gleich.
- **Adäquater Reiz** — die Reizform, für die ein Rezeptor die niedrigste Schwelle hat; andere erregen ihn nur mit deutlich höherer Energie.
- **Mechanorezeptor** — Übersetzer von mechanischer Kraft in einen Nervenimpuls (Revision, S. 11); reagiert auf physische Verformungen: „vibrieren, drücken, leicht berühren, dehnen, Haare verbiegen".
- **Rezeptives Feld** — Hautareal, von dem aus ein Mechanorezeptor erregt werden kann; bestimmt durch wiederholtes Berühren der Haut mit einer **Reizsonde**.
- **Adaptation** — Absinken der Entladungsrate bei konstant anhaltendem Reiz; allein das Zeitverhalten der Antwort, nicht die Empfindlichkeit.
- **Muskelspindel** — Propriozeptor, „auf die Wahrnehmung von Längenänderungen spezialisiert"; Reiz sind Muskeldehnung und Dehnungsgeschwindigkeit, Reizantwort anhaltend (Revision, S. 12).
- **Golgi-Sehnenorgan** — „die Spannungsmesser der Muskulatur" am Muskel-Sehnen-Übergang; Normalfunktion: die Muskelspannung in einem optimalen Bereich halten.

### Zwei Begriffe, ein Ordnungsprinzip

Die Vorlesung warnt: „Propriozeption wird in einigen Wissenschaftsdisziplinen auf Informationen aus der Muskulatur beschränkt." Daraus folgt eine Doppelregel. Wird nach **Propriozeptoren** gefragt, sind Muskelspindel, Golgi-Sehnenorgan und Gelenkrezeptoren gemeint — so überschreibt die Vorlesung ihre Folien 18 bis 22; wird nach *propriozeptiver Wahrnehmung* gefragt, gehören die Hautrezeptoren dazu. Der **Tastsinn** ist nur der Hautanteil.

Weil die Rezeptoren auf verschiedene Reizarten ansprechen, „können diese Verformungen klar unterschieden werden" — die Trennung leistet bereits die Peripherie. Der Weg dorthin ist die **Transduktion**: Verformung der Membran → mechanisch gesteuerte **Ionenkanäle** → abgestuftes **Rezeptorpotenzial** → oberhalb der Schwelle **Aktionspotenziale**, deren **Entladungsfrequenz** die Reizstärke kodiert (Ergänzung); daraus folgt die Adaptation. Vier Merkmale unterscheiden die Mechanorezeptoren: **Reizart**, **Empfindlichkeit**, **Größe des rezeptiven Feldes** und **Dauer der Antwort bei lang anhaltenden Reizen** — die beiden letzten spannen das Raster auf.

### Das Vier-Felder-Raster der Hautrezeptoren

|  | **kleines Feld** — feine Ortsauflösung | **großes Feld** — grobe Ortsauflösung |
| --- | --- | --- |
| **langsam adaptierend** — meldet den *Zustand* | **Merkelzellen** — Druck, Form, Kanten („Kurven, Kanten, Punkte"); 100/cm², unter 1 mm; Form- und Texturwahrnehmung, Druck beim Halten optimieren; oberflächlich an der Grenze Epidermis/Dermis | **Ruffinikolben** — Hautdehnung, mittelbar Gelenkstellung; geringe Dichte; Wahrnehmung von Stellungen und Beteiligung an der Bewegungswahrnehmung; tief in der Dermis |
| **rasch adaptierend** — „insensitiv bei langanhaltenden Reizen", meldet die *Änderung* | **Meissnerkörperchen** — leichte Berührung, Bewegung auf der Haut; 150/cm² (höchste Dichte), unter 3 mm; Slip Detection und Griffkontrolle; oberflächlich in den Papillen | **Pacinikörperchen** — Vibration, schnelle Druckänderung; kaum Ortsauflösung; zwiebelschalenartige Kapsel fängt statischen Druck ab; tief in der Subkutis |

Die Lage erklärt die Feldgröße: Oberflächlich erreicht der Reiz den Sensor fast unverändert, das erregte Areal bleibt klein; tief hat sich die Verformung längst verteilt — **oberflächlich = fein, tief = grob** (anatomische Zuordnung: Lehrbuchwissen). Merkel drückt, Meissner streicht, Pacini vibriert, Ruffini zieht.

### Was die Haut daraus macht

Rauigkeit entsteht erst durch Bewegung: Jede Unebenheit erregt die Meissnerkörperchen mit einem Impuls, „je näher die Unebenheiten aneinander liegen, desto schneller die Impulskaskade ⇒ Rauigkeit" — die *räumliche* Struktur wird in eine *zeitliche* Frequenz übersetzt. **Glätte** ist das Ausbleiben der Kaskade bei konstantem Druck der Merkelzellen; fiele auch dieser Anteil weg, hieße die Antwort „kein Kontakt". Beim Greifen melden Ruffinikörperchen als „Dehnungssensoren" das Rutschen, Merkelzellen müssen den Druck optimieren, Meissnerkörperchen liefern über Slip Detection das Änderungssignal (Johansson & Flanagan, 2009).

Drei Messverfahren sind auseinanderzuhalten: **Von-Frey-** bzw. **Semmes-Weinstein-Filamente** messen die **Kraftschwelle** (die Kraft wächst bis zum Durchbiegen und bleibt danach konstant — Materialeigenschaft des Filaments, nicht des Untersuchers), der **Büroklammertest** das räumliche Auflösungsvermögen, die **Reizsonde** die Größe eines einzelnen Feldes. Die **Zweipunktschwelle** — kleinster Abstand zweier *gleichzeitig* aufgesetzter Spitzen, bei dem noch zwei Punkte gespürt werden, geprüft an **unbehaarter** Haut — steht in „enger Beziehung" zur cortikalen Repräsentation auf dem **somatotop** organisierten, nicht flächentreuen und durch Training veränderlichen Cortex.

### Muskelspindel gegen Golgi-Sehnenorgan

| Merkmal | Muskelspindel | Golgi-Sehnenorgan |
| --- | --- | --- |
| Lage und Schaltung | im Muskelbauch, **parallel** zu den Arbeitsfasern | Übergang Muskel–Sehne, **in Reihe** |
| Adäquater Reiz | Dehnung bzw. Längenänderung **und** Dehnungsgeschwindigkeit: wie *lang* ist der Muskel? | Muskelspannung bzw. Kraft: wie *stark* zieht er? |
| Reizantwort | anhaltend | anhaltend |
| Afferenz | Ia (primäre), II (sekundäre Endigung) | Ib |
| Verschaltung | **monosynaptisch** auf das α-Motoneuron desselben Muskels | über ein **hemmendes Interneuron**, nicht monosynaptisch |
| Reflexwirkung | **Erregung** — Dehnungsreflex | **Hemmung** — Eigenhemmung |
| Funktion | hält die Länge stabil, Grundbaustein der Haltungskontrolle | Spannung im optimalen Bereich halten, Schutz vor Überlastung |

Die Schaltung erklärt den Reiz: Was den Muskel verlängert, verlängert auch den parallel liegenden Sensor — er misst **Länge**; was der Muskel an Kraft entwickelt, zieht durch den seriellen Sensor hindurch — er misst **Spannung**. Gegenprobe: Ein isometrisch angespannter Muskel ändert seine Länge nicht, die Spindel meldet nichts Neues, das Sehnenorgan sehr wohl. Weil die Spindel bei Muskelverkürzung erschlaffen und während der Bewegung verstummen würde, spannen **γ-Motoneurone** über die kontraktilen Pole der intrafusalen Fasern ihren sensorischen Mittelteil nach. Für den Dehnungsreflex gilt: „Die Stärke des Dehnungsreflexes ist von der Dehngeschwindigkeit des Muskels abhängig" — ballistisches Dehnen arbeitet daher gegen sein eigenes Ziel (Afferenzen, Verschaltung, γ-Innervation: Ergänzung). Dritte Gruppe sind die **Gelenkrezeptoren** in Kapseln und Bändern: Reiz sind Winkel- und Geschwindigkeitsveränderungen; die meisten melden Bewegungen, „aber auch in Ruhe erhalten wir Informationen über unsere Gelenkstellungen".

### Wenn die Rückmeldung ausfällt

Ian Waterman verlor mit 19 Jahren nach einer Virusinfektion binnen weniger Tage das Fühlen vom Hals abwärts (akutes sensorisches Neuropathie-Syndrom); er weiß nur, wo seine Gliedmaßen sind, wenn er hinschaut, und Bewegung ist nur möglich, „wenn sie zentral gesteuert wird". Dass Schmerz- und Temperaturempfindung blieben, erklärt die Trennung der Bahnen: feine Berührung, Vibration und Propriozeption über das dicke, myelinisierte **Hinterstrangsystem**, das erst in der Medulla oblongata kreuzt, Schmerz und Temperatur über den dünnfaserigen **Vorderseitenstrang**, der schon im Rückenmark kreuzt. Fallen selektiv die dicken Afferenzen aus, passt der Befund genau. Ersetzt wird der Kanal visuell — Gleichgewicht beruht auf drei Quellen, propriozeptiv, visuell und vestibulär, deren Gewicht das Zentralnervensystem verschiebt (Bahnen und Redundanz: Ergänzung).

Fünf Ausfallbelege — beeinträchtigt ist nie die Kraft, sondern die Rückmeldung:

- **Ian Waterman** — Propriozeption vom Hals abwärts, Schmerz und Temperatur bleiben → Bewegung nur zentral gesteuert und visuell kontrolliert.
- **Alter und diabetische Polyneuropathie** — visuelles, akustisches System und Propriozeption zugleich, dazu das Druckempfinden bei Durchblutungsstörung → keine Reserve zum Umgewichten; Mikrotraumata → Druckgeschwüre → Infektionen → Teufelskreis → Amputation.
- **Handschuhe** (Park et al., 2016) — Feedback der rasch adaptierenden Fingerrezeptoren → veränderte Griffkraft, schlechtere Erkennung von Unebenheiten, sensomotorisches Gedächtnis intakt.
- **Eiswasser an der Fußsohle** (Taylor et al., 2004) — Hautafferenz der Fußsohle → Anstieg der Körperschwankung, veränderte Abrollstrategie.
- **Deafferentiation** nach Sprunggelenkverletzung — Rezeptoren in Kapsel und Bändern → wiederholtes Umknicken, Teufelskreis; Training bessert die Symptomatik, Mechanismus offen.

Gezielt beeinflusst wird die Sensorik durch **künstliche Ischämie** (Ausfall zuerst der dicken, schnellen Afferenzen), **Eiswasser**, ein **Lokalanästhetikum** wie Lidocain und **Muskelvibratoren**. Die Eiswasserstudie zur Fußsohle hat fünf Bausteine: Kühlprozedur, Überprüfung der Sensibilität — die **Manipulationskontrolle** —, Schwankungs-, Druckverteilungs- und Ganganalyse. Unter Eis stieg die Körperschwankung an (medio-lateral und antero-posterior, in Millimetern), weil die „reduzierte Möglichkeit der Lokalisation des Druckzentrums zu einer verspäteten Korrektur der Haltung" führt. Im Gehen folgt eine „veränderte Strategie des Abrollverhaltens": mehr Kontaktfläche pro Zeiteinheit als Maßnahme, Vermeidung von Spitzendrücken als Ziel, laterale Lastverteilung an Vor- und Mittelfuß als Umsetzung.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **ca. 2 m², ca. 10 kg** — Fläche und Gewicht der Haut als größtem Organ; daneben Schutzfunktion und Thermoregulation, unterschieden in behaarte und unbehaarte Haut.
- **100/cm² gegen 150/cm²** — Rezeptordichte im Fingerballen: Merkelzellen gegen Meissnerkörperchen (höchste der vier).
- **unter 1 mm gegen unter 3 mm** — räumliche Auflösung im Fingerballen: Merkelzellen (bester Wert aller vier) gegen Meissnerkörperchen.
- **1 mm Erhebung, 2,3 mm Punktabstand, 3 Reihen × 2 Spalten** — Maße der Braille-Schrift.
- **bis 600 Buchstaben pro Minute** — Lesegeschwindigkeit Blinder, verglichen mit lautem Vorlesen.
- **19 Jahre** — Alter Ian Watermans bei der Virusinfektion.
- **6 Versuche normal, 2 pro Durchgang unter Eis** — Testprozedur der Eiswasserstudie, danach Nachkühlen bis ebenfalls sechs erreicht sind (Folie 30).
- **2 %, 16 %, 29 %, 50 %, 75 % der Bodenkontaktphase** — Messzeitpunkte der Druckverteilung: Fersenkontakt, zweimal Lastübernahme, mittlere Standphase, Abstoß.
- **Quellen** — Johansson & Flanagan (2009); Park et al. (2016); Taylor et al. (2004); Cole (2006) zu Waterman.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Propriozeptive Wahrnehmung | Propriozeption (eng) | Haut + Muskel + Gelenk gegen nur Muskulatur; die weite Fassung heißt dort somatosensorisch. |
| Adäquater Reiz | Empfindlichkeit | Worauf spezialisiert gegen wie wenig genügt; beides ist nicht die Adaptation (Zeitverhalten). |
| Rezeptives Feld | Rezeptordichte | Areal, von dem aus *ein* Rezeptor erregbar ist, gegen Zahl je Fläche: Meissner dichter, Merkel feiner auflösend. |
| Merkelzellen | Ruffinikolben | Beide anhaltend; klein und Druck/Kanten gegen groß und Hautdehnung. |
| Meissnerkörperchen | Pacinikörperchen | Beide rasch; klein und Berührung/Slip gegen groß und Vibration ohne Ortsangabe. |
| Ruffinikolben | Gelenkrezeptoren | Beide melden Stellung: Ruffini in der **Haut** über deren Dehnung, Gelenkrezeptoren in **Kapsel und Bändern**. |
| Muskelspindel | Golgi-Sehnenorgan | Parallel und Länge gegen in Reihe und Spannung; isometrisch meldet die Spindel nichts Neues. |
| Dehnungsreflex | Eigenhemmung | Derselbe Muskel, umgekehrtes Vorzeichen: Ia monosynaptisch **erregend** gegen Ib über Interneuron **hemmend**. |
| α-Motoneuron | γ-Motoneuron | Extrafusale Fasern und Kraft gegen intrafusale Fasern und Messempfindlichkeit (Ergänzung). |
| Kinästhesie | Stellungssinn | Bewegungssinn aus den auf Änderungen antwortenden Gelenkrezeptoren gegen Stellungsmeldung in Ruhe. |
| Von-Frey-Filamente | Büroklammertest / Reizsonde | Kraftschwelle gegen räumliche Auflösung gegen Größe eines einzelnen Feldes. |
| Hinterstrang | Vorderseitenstrang | Berührung, Vibration, Propriozeption, dicke Fasern, Kreuzung in der Medulla oblongata, gegen Schmerz und Temperatur, dünne Fasern, Kreuzung im Rückenmark. |
| Deprivation | Zusatzreiz | Ischämie, Eiswasser und Lokalanästhetikum entziehen Information, der Muskelvibrator fügt eine falsche Längenmeldung hinzu. |

### Klausurfallen

- **Muskelspindel und Golgi-Sehnenorgan vertauschen.** Der Stolperstein: Die Spindel meldet Dehnung und Dehnungsgeschwindigkeit, das Sehnenorgan die Muskelspannung. Ebenso vertauscht werden Meissner und Pacini (rasch, Änderung) mit Merkel und Ruffini (langsam, Dauerzustand).
- **„Nennen Sie die Propriozeptoren."** Gefragt sind Muskelspindel, Golgi-Sehnenorgan und Gelenkrezeptoren; die Hautrezeptoren gehören zur *propriozeptiven Wahrnehmung*.
- **Anhaltend heißt empfindlicher, Dichte heißt Auflösung.** Beides falsch: Adaptation ist allein das Zeitverhalten bei gleichbleibendem Reiz, und Meissner ist mit 150/cm² zwar dichter, löst mit unter 3 mm aber gröber auf. Die Folie nennt bei beiden „kleine rezeptive Felder"; mikroneurographisch sind sie an der Fingerbeere gleich groß (Johansson & Vallbo), der Vorsprung stammt aus dem schärferen Empfindlichkeitsprofil (Ergänzung).
- **Widerspruch in VL 12 selbst.** Folie 7 nennt „Slip Detection & Griffkontrolle" als wichtigste Funktion der **Meissnerkörperchen**, Folie 9 schreibt das Melden des Rutschens den **Ruffinikörperchen** zu. Sichere Antwort: Griffkraftregelung ist ein Zusammenspiel, kein Einzelrezeptor.
- **Der Daumen spürt Braille nicht.** Doch — er scheitert an der Auflösung, nicht an der Empfindlichkeit: „Zweipunktschwelle zu groß" für 2,3 mm Punktabstand.
- **Die Spitzen nacheinander aufsetzen.** Dann trennt die Versuchsperson die Reize zeitlich statt räumlich; zusätzlich gilt: nur an unbehaarter Haut.
- **Die Eigenhemmung als Notbremse gegen Sehnenrisse.** Die Vorlesung spricht von Schutz vor Überlastung unter Extrembelastungen und betont die Normalfunktion der Spannungsregulation; die Bedeutung für die Feinmotorik markiert sie als „vermutlich".
- **Propriozeptionstraining verbessert die Rezeptoren.** Offen bleibt, ob die Erregbarkeit der Sensoren oder das neuromuskuläre Zusammenspiel besser wird — daher „sogenanntes" Training.
- **Den Muskelvibrator zu den Deprivationsverfahren zählen.** Er fügt Information hinzu, statt sie zu entziehen.
- **Die veränderte Abrollstrategie als Defizit lesen.** Gekühlt ist die Meldung, nicht die Muskulatur: gleiche Kraft auf mehr Fläche ist eine Schutzstrategie, und die größere Schwankung folgt aus verspäteter Korrektur, nicht aus schwächeren Muskeln.

## Modul 14 · Lernen & visuelle Wahrnehmung

> **Leitfrage:** Was verändert sich beim Lernen im Nervensystem — und wie entsteht aus Licht auf der Netzhaut die Wahrnehmung, auf die sich Sportlerinnen und Sportler verlassen?

Das Modul hat zwei Hälften, und ihre Reihenfolge ist selbst ein Argument. Zuerst trennt Magill (2004) Leisten und Lernen, ohne die jede Aussage über Trainingswirkung unscharf bleibt; danach wechselt die Vorlesung von der Verhaltens- auf die Zellebene und folgt der Kandel-Kette von Cajal über die Aplysia bis zum Wachstum neuer Synapsen. Die zweite Hälfte geht denselben Weg von außen nach innen: Auge, Sehbahn, spezialisierte Areale — und die Einsicht, dass Sehen Konstruktion ist und keine Abbildung. Am Ende steht die Anwendung: Antizipation, ihre drei Messverfahren und die Frage nach der Trainierbarkeit. Beide Hälften bestreiten dasselbe Abbildmodell, hier vom Gedächtnis, dort vom Sehen.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Motorisches Lernen** — „Prozess der zeitlich überdauernden, erfahrungsabhängigen Veränderung der koordinativen Funktionskapazitäten (,motorischen Kompetenzen')" (Müller, 2006).
- **Lernen** — „eine Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotenzial eines Organismus in einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zurückgeht" (Bower & Hilgard, 1983).
- **Motorisches Lernen** — „Vorgang, der aufgrund der Aufnahme, Verarbeitung und Speicherung von Informationen zu relativ stabilen Änderungen im Verhaltenspotenzial führt" (Singer & Munzert, 2004).
- **Habituation** — wiederholte leichte Berührung führt zu einer progressiven Abschwächung des Reflexes; „das Tier lernt zu erkennen, dass der Reiz harmlos ist".
- **Sensitivierung** — „das Versetzen des Kopfes mit einem starken Elektroschock führt zu einer schädlichen oder unangenehmen Empfindung und löst in Folge einen übermäßigen Reflex auf eine leichte Berührung aus".
- **Hebbsche Lernregel** — „Je häufiger ein Neuron A gleichzeitig mit Neuron B aktiv ist, umso bevorzugter werden die beiden Neuronen aufeinander reagieren"; kurz: „what fires together, wires together".
- **Sensation** gegen **Perception** — „a message our brain receives from sensory receptors that have been stimulated" gegen „the set of cognitive processes through which we interpret the message our senses provide".
- **Antizipation** — „Gedankliche Vorwegnahme eines (Bewegungs-)Ereignisses mit dem Ziel, die eigene motorische Handlung adäquat daran auszurichten."

### Leisten ist nicht Lernen

Magill (2004) trennt Produkt und Prozess an vier Merkmalen: Die **Leistung** ist beobachtbares Verhalten, vorläufig, nicht zwingend Folge des Übens und durch Leistungsvariablen beeinflussbar; das **Lernen** ist nicht direkt beobachtbar, relativ dauerhaft, Folge des Übens und durch Leistungsvariablen nicht beeinflussbar. **Leistungsvariablen** sind kurzfristige Einflüsse — Ermüdung, Motivation, Aufregung, Tagesform, Umgebungsbedingungen —, die verschieben, was jemand zeigt, ohne den Lernstand zu ändern: In der 3-Ball-Jonglage heute 20 Würfe und morgen 5 zu schaffen heißt nicht, etwas verlernt zu haben. Beobachtbar ist der Prozess trotzdem nur über Leistungsveränderungen (Verbesserung, Stabilität, Persistenz, Anpassbarkeit), und die Vorlesung setzt dagegen: „Leistungsveränderungen lassen nicht immer auf einen Lernprozess schließen". Erst der **Retention-Test** nach einer Pause weist einen überdauernden Effekt nach. Der sportmotorische Lernprozess ist zudem **umweltbedingt** und ausdrücklich nicht auf **Reifung** (genetische Anlage) und **Wachstum** (Vergrößerung von Körperbaumerkmalen) zurückzuführen. Die drei Definitionen treffen sich in vier Punkten: Prozess statt Zustand, erfahrungs- und übungsabhängig, überdauernd, gerichtet auf das **Verhaltenspotenzial** — gelernt ist etwas auch dann, wenn es gerade nicht gezeigt wird. Eine einheitliche Lerntheorie gibt es nicht: Die Vorlesung stellt einen „Dschungel" aus klassischem und operantem Konditionieren, natürlichem Lernen, Gestalttheorie, spiralförmigem und kybernetischem Lernen, Lernen als Informationsverarbeitung und 3-Phasen-Modell zusammen (Gudjons 2003; Singer & Munzert 2004; Göhlich, Wulf & Zirfas 2007) und geht keinen dieser Wege, sondern wechselt die Ebene.

### Die Kandel-Kette: von Cajal zum Wachstum neuer Synapsen

**Ramón y Cajal (1906)** formulierte drei Prinzipien: Die **Neuronen** sind die **Grundbausteine** und die **elementaren Signaleinheiten** des Gehirns; **innerhalb** der Nervenzelle überträgt sich Information durch **elektrische Signale**, die **Aktionspotenziale**; **zwischen** Nervenzellen durch **chemische Signale**, die **Neurotransmitter**. Daran hängt die ganze Argumentation: Chemische Übertragung ist regelbar — mehr oder weniger Transmitter, mehr oder weniger Rezeptoren —, eine rein elektrische Weiterleitung wäre es kaum. Deshalb kann Lernen an der **Synapse** stattfinden, und deshalb lautet der Kernsatz, kurzzeitige Verhaltensänderungen gingen mit Veränderungen der **synaptischen Stärke** zwischen den verantwortlichen Neuronen einher. Ein Aktionspotenzial wird durch eine **Depolarisation der Membran über den Schwellenwert hinaus** ausgelöst, ist ein **Alles-oder-nichts-Ereignis** und kodiert die Reizstärke über die **Frequenz**; die Kette heißt „von elektrischen zu chemischen Signalen und wieder zurück". **Eric Kandel** (Nobelpreis 2000) verfolgt den reduktionistischen Weg: „Man muss erst verstehen, wie die Nervenzelle funktioniert, bevor man Gehirnfunktionen verstehen kann." Drei Eigenschaften machen die Meeresschnecke **Aplysia** geeignet — ein Nervensystem mit **geringer Zellzahl**, **sehr große und leicht zugängliche** Zellen und mit dem **Kiemenrückziehreflex** eine einfache, durch Lernen veränderbare Verhaltensweise (Berührung des **Siphos** → Zurückziehen der **Kieme**). Die Wahl ist methodisch, keine Aussage über anatomische Ähnlichkeit; die Übertragung markiert die Vorlesung als **Vermutung**: „Bestimmte Lernmechanismen zeigen sich bei allen Lebewesen".

An diesem Reflex zeigen sich zwei **nicht-assoziative** Lernformen mit entgegengesetztem Vorzeichen — bewertet wird jeweils ein einzelner Reiz, während die **klassische Konditionierung** zwei Reize verknüpft und in dieser Vorlesung nur als Eintrag im Lerntheorien-Dschungel steht. Die **Habituation** schwächt den Reflex ab, weil das Tier ihn als harmlos bewertet; das ist keine Erschöpfung des Apparats, denn auf einen neuartigen Reiz bleibt er voll auslösbar. Die **Sensitivierung** wirkt **unspezifisch**: Der Schock trifft den Kopf, verstärkt wird die Antwort auf eine Berührung des Siphos. Das wichtigste Wort des Befundes ist **parallel** — mit der Habituation nahm die Amplitude des Kiemenrückziehreflexes ab und schwächte sich die synaptische Verbindung schrittweise ab (**long-term depression**), mit der Sensitivierung nahm die Reflexstärke zu und verstärkte sich die Verbindung (**long-term potentiation**). Verändert wird weder der Reiz noch der Muskel, sondern die Übertragungsstärke dazwischen. Die **Hebbsche Lernregel** nennt dazu die Bedingung: **Gleichzeitigkeit**; unkorrelierte Aktivität verstärkt nichts. Fürs Training folgt daraus „Je häufiger eine Bahnung genutzt wird, umso einfacher ist die Übertragung" — und weil auch ein **fehlerhaftes** Muster gebahnt wird, die Forderung, „keine unpassende Ausführung zuzulassen".

Die Gedächtnisform hängt an einer einzigen Variablen, der **Anzahl der Anregungen**. Wird das System „nur einmal" angeregt, „werden mehr Transmitter ausgeschüttet"; wird es „wiederholt" angeregt, „werden Gene aktiviert, die neue synaptische Verbindungen wachsen lassen". Das **Kurzzeitgedächtnis** ist damit eine **funktionale** Veränderung in bereits existierenden Synapsen und hält einige Minuten, das **Langzeitgedächtnis** eine **Änderung der Gesamtzahl der Synapsen**. Zwischen Genaktivierung und neuer Synapse liegt zwangsläufig die **Proteinsynthese**; Transkription und Translation brauchen Minuten bis Stunden, weshalb Gelerntes nicht sofort stabil ist, sondern **konsolidieren** muss und verteiltes Üben der einen langen Einheit überlegen ist (Proteinsynthese und Konsolidierung: Ergänzung, nicht Folieninhalt). Nach dem Inhalt teilt sich das Langzeitgedächtnis in das **deklarative (explizite)** Gedächtnis — sprachlich wiedergebbar, etwa Abseitsregel oder Spielzug — und das **nicht-deklarative (implizite, prozedurale)**, das sich nur im Vollzug zeigt (3-Ball-Jonglage, Salto, Fahrradfahren); motorisches Lernen gehört zum zweiten System. Vier Folgerungen zieht die Vorlesung selbst: die Bahnungsregel; **Gedächtnisleistung und Fertigkeitserwerb** hängen von der Veränderung der **synaptischen Stärke** ab; **wiederholte Stimuli (Training)** führen zu einer **besseren Vernetzung innerhalb des neuronalen Netzes**; **Training verändert Areale innerhalb des somatosensorischen Cortex**.

### Das Auge: Strahlengang, Rezeptoren und ein Fehler der Revision

Das visuelle System besteht aus vier Einheiten, die zugleich die Verarbeitungskette bilden: eine **Struktur**, die Umweltreize **sammelt**; **Rezeptoren**, die Reizinformationen in **elektrische Signale umwandeln**; **Neuronen**, die weiterleiten und vorverarbeiten; **zentrale Neuronen**, die in **perzeptuelles Erleben** umsetzen. Der Strahlengang macht die Zuordnungen überprüfbar: **Cornea (Hornhaut)** → **Pupille**, deren Weite die **Iris** als Blende regelt → **Linse**, verformt vom **Ciliarmuskel** → Glaskörper → **Retina** mit **Fovea** im Zentrum und **Peripherie** außen. Von den fünf Zuordnungen der Revision (S. 12) stimmen vier — auch die häufig bezweifelte Zeile **Iris = Blende**; falsch ist allein **Cornea = Linse**. Die **Cornea** ist die durchsichtige, gewölbte Außenschicht vorn, **fest geformt** und nicht verstellbar, mit dem **größten Teil der Brechkraft**; die **Linse** liegt hinter Iris und Pupille, ist **elastisch verformbar** und liefert den **einstellbaren** Anteil. Bei der **Akkommodation** kontrahiert der ringförmige Ciliarmuskel, die **Zonulafasern erschlaffen**, die Linse wird **kugeliger**, die Brechkraft steigt — Nahsicht ist Muskelarbeit, Fernsicht der entspannte Zustand. **Stäbchen** sind rund **1000-mal lichtempfindlicher** als **Zapfen**, arbeiten bei schlechten Lichtverhältnissen, liefern aber nur **Graustufen** und sitzen vor allem in der bewegungssensiblen **Peripherie**; **Zapfen** brauchen höhere Lichtstärke, leisten in **drei Arten (RGB)** das **Farbsehen** und stehen dicht in der **Fovea** mit kaum Bewegungssensibilität. Der **blinde Fleck** ist das Loch, an dem der Sehnerv das Auge verlässt: kein Platz für Photorezeptoren — und trotzdem kein Loch im Bild.

### Sehfeld, Sehbahn und die zwei Pfade

Der Blick geradeaus erfasst **ca. 190°**, die **Fovea centralis** aber nur **ca. 1–2°**, den Bereich des schärfsten Sehens; „die Schärfe nimmt vom Zentrum zur Peripherie hin ab". Scharf ist damit rund **ein Prozent** des Gesichtsfelds. Grund ist die höchste Zapfendichte bei nahezu einzelner Verschaltung, während in der Peripherie viele Rezeptoren auf ein Neuron zusammenlaufen: mehr Empfindlichkeit, weniger Auflösung. Die **zentrale** Sicht leistet **Objektidentifizierung und -unterscheidung**, die **periphere** vermittelt **Raum-, Orientierungs- und Bewegungseindrücke** — im Fußball genügt im 1 gegen 1 die zentrale Sicht, im 11 gegen 11 entscheidet die periphere. Weil nur die Fovea hoch auflöst, muss der Blick geführt werden: **Fixation** (der Blick ruht), **Sakkade** (schneller ruckartiger Sprung), **Folgebewegung** (langsames Mitführen eines bewegten Ziels); aufgenommen wird die Information **in den Fixationen**, nicht während der Sakkade. Der Weg zum Cortex lautet **Retina → Sehnerv → Sehnervkreuzung → CGL (Corpus geniculatum laterale) → V1 → V2–V6**; weil die Bahn vor der Kreuzung die Information eines Auges führt und dahinter die einer Gesichtsfeldhälfte beider Augen, verrät das Muster eines Ausfalls den Ort der Schädigung. Ab **V1** (Eingang, „Informationen laufen zusammen") zerfällt das Bild in parallele Merkmalsströme: **V2** komplexe Formen und Gestalt, **V3** Ecken und Kanten, **V4** Farben, **V5** Körperteile und Bewegung, **V6** Tiefe und Entfernung. **Ventral** beantwortet das *Was* (Form und Farbe, V4), **dorsal** das *Wo* (Bewegung, V5); beide Ströme arbeiten **gleichzeitig und unabhängig** und werden erst danach zusammengeführt.

### Sehen ist Konstruktion, nicht Abbildung

Der Vergleich „visuelle Wahrnehmung – Kamera" ist **unzureichend**, mit drei Belegen: Die **zweidimensionale Abbildung auf der Retina** wird dreidimensional wahrgenommen, obwohl die Tiefeninformation physikalisch nicht im Netzhautbild steckt; ein Objekt wird als dasselbe erkannt, obwohl sein Abbild bei wechselndem Licht und bei Bewegung variiert; das System „registriert nicht einfach nur Bilder, sondern transformiert sie in mentale Gebilde einer stabilen dreidimensionalen Welt". Bei einer Täuschung ist die **Sensation korrekt**, falsch ist die **Perception**, weil das Gehirn **Annahmen** anwendet — deshalb verschwindet eine Illusion nicht, wenn man sie durchschaut. Namentlich genannt sind **Müller-Lyer**, **Ponzo**, **Kanizsa-Dreieck**, **Objektbeziehungen** und **Ebbinghaus**; erkennbar sind daran Kontextannahmen (Größe relativ zur Umgebung) und Vervollständigungsannahmen (fehlende Konturen werden ergänzt). Nur die Ebbinghaus-Illusion wird auf eine sportliche Leistung bezogen: Im **Putt-Experiment** waren die Teilnehmenden „erfolgreicher beim Putten auf das größer wahrgenommene Loch"; als „mögliche Erklärung" nennt die Vorlesung ein erhöhtes **Selbstvertrauen**, gestützt auf die Metaanalyse von **Woodman & Hardy (2003)**. **Biologische Bewegung** wird auch bei stark begrenztem Reiz erkannt: **G. Johansson** untersuchte die zweidimensionale Perzeption menschlicher Bewegungen, das Paradigma ist der **Point-light walker** — im Standbild eine sinnlose Punktwolke, in Bewegung ein gehender Mensch samt Geschlecht, Stimmung oder Absicht. Die Information steckt also im Bewegungsmuster, nicht in der Form; das leisten dorsaler Pfad und V5.

### Antizipation: drei Methoden, zwei Arten von Aussage

Hohe Ballgeschwindigkeiten stellen hohe Anforderungen an die visuelle Wahrnehmung; beim **Elfmeter im Fußball** hat der Torhüter „nur wenige Millisekunden, um zu reagieren". Reicht die Zeit nach dem Ereignis nicht, muss die Handlung davor beginnen — die entscheidende Information verschiebt sich von der **Ballflugbahn** auf die **Körperbewegung des Gegners**. Daraus folgen die Verfahren. Die **zeitliche Verschlusstechnik** klärt das *Wann*: Eine realitätsnahe gegnerische Bewegung in typischer Spielperspektive (Tennisaufschlag aus Sicht des Returnspielers) „bricht an unterschiedlichen Zeitpunkten ab", vorherzusagen sind Flugrichtung (links/rechts) oder Schlagtyp (slice, glatt, top-spin). In der Cricket-Studie von **Müller et al. (2006)** codieren Farben die Abbruchpunkte: **grün** Kontakt Fuß hinten, **blau** Fuß vorn, **rot** Ballabgabe, **gelb** Vollendung. Entscheidend ist der Vergleich vor und nach der Ballabgabe — gelingt die Vorhersage schon bei grün oder blau, wird antizipiert; gelingt sie erst bei gelb, wird auf die Ballflugbahn reagiert. „Überzufällig" steht in der Frage, weil bei zwei Alternativen schon Raten 50 % trifft. Die **räumliche Verdeckungstechnik** klärt das *Wo*: Ausgewählte Bereiche wie Rumpf oder Schläger „werden unkenntlich gemacht"; bricht die Vorhersage ein, war die Quelle **notwendig**, bleibt sie unverändert, wurde die Quelle nicht genutzt — ein **kausaler** Test. Im Cricket waren **Arm und Hand** „both necessary", der **Handgelenkswinkel** der kritische Hinweisreiz. Die **Blickbewegungsmessung** (Loffing et al., 2012) misst nur das Blickverhalten: häufig fixierte Bewegungsregionen sind aus Sicht der Probanden bedeutsam, selten fixierte weniger bedeutsam. Gezählt werden Fixationen, weil nur in ihnen hoch aufgelöst gesehen wird; die Aussage bleibt **korrelativ**, denn man kann auf einen Punkt blicken und peripher etwas anderes verarbeiten. Erst die Kreuzung der Verfahren zeigt, welches Merkmal wann relevant ist. Die Bilanz: **Generelles Wahrnehmungstraining** (Tiefenwahrnehmung, visuelle Schärfe, peripheres Sehen) zeigt „exemplarisch bessere Werte von Experten im Vergleich zu Novizen", die Forschungslage ist „eher unbefriedigend" und der Nutzen für sportartspezifische Anforderungen „noch unklar"; **sportartspezifisch** liegen Interventionsstudien mit Kontrollgruppe vor — Tennis (Farrow et al., 1998): signifikant schnellere Entscheidung und rechtzeitiger Return; Squash: signifikant bessere Vorhersage von Länge und Richtung nach Videosimulationstraining.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **ca. 190°** — Gesichtsfeld beim Blick geradeaus; **ca. 1–2°** — Ausdehnung der Fovea centralis, Ort des schärfsten Sehens, also rund **ein Prozent** des Gesichtsfelds.
- **1000-mal lichtempfindlicher** — Stäbchen gegenüber Zapfen; **3 Arten von Zapfen (RGB)** tragen das Farbsehen, Stäbchen gibt es nur in einer Sorte.
- **einige Minuten** — Dauer der Kurzzeiterinnerung nach einmaliger Anregung; **Minuten bis Stunden** — Transkription und Translation, daher die Konsolidierungszeit (Ergänzung, nicht Folieninhalt).
- **50 %** — Ratewahrscheinlichkeit bei zwei Antwortalternativen (links/rechts), Bezugsgröße für „überzufällig gut".
- **20 gegen 5 Würfe** — 3-Ball-Jonglage an zwei Tagen, das Beispiel für schwankende Leistung bei gleichem Lernstand.
- **1 gegen 1 und 11 gegen 11** — Fußballbeispiel für den Vorrang zentraler bzw. peripherer Sicht.
- **V1 bis V6** — sechs visuelle Kortizes; **vier Einheiten** des visuellen Systems; **vier Merkmale** der Trennung Leisten/Lernen; **drei Prinzipien** nach Cajal; **drei Eigenschaften** der Aplysia; **vier Folgerungen** für das Training.
- **Autor und Jahr** — Cajal 1906; Kandel, Nobelpreis 2000; Magill 2004; Müller 2006; Bower & Hilgard 1983; Singer & Munzert 2004; Müller et al. 2006 (Cricket); Farrow et al. 1998 (Tennis); Loffing et al. 2012 (Eye-Tracking) und 2013 (Antizipationstraining); Woodman & Hardy 2003 (Putt-Experiment).
- **Literatur** — zum Lernteil „keine zusätzliche Literatur, Folien und Video ausreichend"; zum Wahrnehmungsteil Loffing et al. (2013) in Zentgraf & Munzert (2013) sowie Bear et al. (2018), *Neurowissenschaften*, Kapitel 10, S. 349–356.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Leisten (Produkt) | Lernen (Prozess) | Beobachtbar, vorläufig, durch Leistungsvariablen verschiebbar gegen nicht beobachtbar, relativ dauerhaft, Folge des Übens. |
| Lernen | Reifung und Wachstum | Umweltbedingt und durch Übung erworben gegen genetische Anlage und Vergrößerung von Körperbaumerkmalen. |
| Fähigkeit | Fertigkeit | Vererbt, stabil und überdauernd gegen durch Übung entwickelt und durch Training einfach modifizierbar (Revision, S. 3). |
| Innerhalb der Nervenzelle | Zwischen Nervenzellen | Elektrisch (Aktionspotenzial) gegen chemisch (Neurotransmitter); nur die chemische Stufe ist regelbar. |
| Habituation | Sensitivierung | Leichte Berührung, Reflex schwächer, LTD gegen Elektroschock am Kopf, Reflex stärker, LTP. |
| Hebbsche Lernregel | LTP und LTD | Bedingung der Änderung (Gleichzeitigkeit) gegen Ergebnis (verstärkte bzw. abgeschwächte Übertragung). |
| Nicht-assoziatives Lernen | Assoziatives Lernen | Ein Reiz wird neu bewertet gegen Verknüpfung zweier Reize; die Konditionierung wird am Aplysia-Präparat nicht ausgeführt. |
| Kurzzeitgedächtnis | Langzeitgedächtnis | Funktionale Veränderung an bestehenden Synapsen gegen Änderung der Gesamtzahl der Synapsen. |
| Deklaratives Gedächtnis | Nicht-deklaratives Gedächtnis | Sprachlich wiedergebbar gegen nur im Vollzug zeigbar; motorisches Lernen gehört zum zweiten. |
| Cornea | Linse | Hornhaut vorn, fest, größter Brechkraftanteil gegen innen hinter der Iris, verformbar, einstellbar. |
| Iris | Pupille | Die Blende selbst (Gewebe) gegen die Öffnung in ihr; das Fokussierelement dahinter ist die Linse. |
| Stäbchen | Zapfen | 1000-mal empfindlicher, Graustufen, Peripherie, bewegungssensibel gegen Farbsehen in drei RGB-Arten, Fovea. |
| Fovea centralis | Blinder Fleck | Maximale Auflösung gegen null: dort verlässt der Sehnerv das Auge, kein Platz für Photorezeptoren. |
| Zentrale Sicht | Periphere Sicht | Objektidentifizierung gegen Raum-, Orientierungs- und Bewegungseindrücke; peripher ist anderes, nicht schlechteres Sehen. |
| Ventraler Pfad | Dorsaler Pfad | „Was": Form und Farbe, V4 gegen „Wo": Bewegung, V5; beide parallel und unabhängig. |
| Sensation | Perception | Signal gegen Bedeutung; bei einer Täuschung ist die Sensation korrekt, die Perception falsch. |
| Fixation | Sakkade | Informationsaufnahme gegen Blicksprung mit unterdrückter Wahrnehmung; die Folgebewegung braucht ein bewegtes Ziel. |
| Zeitliche Verschlusstechnik | Räumliche Verdeckungstechnik | Wann wird die Information verfügbar gegen wo steckt sie; zeitlich abbrechen gegen Bildbereiche dauerhaft unkenntlich machen. |
| Räumliche Verdeckung | Blickbewegungsmessung | Kausal (welche Quelle gebraucht wird) gegen korrelativ (wohin geschaut wird). |
| Antizipation | Reaktion | Setzt vor dem Ereignis ein gegen nach dem Reiz. |
| Generelles Wahrnehmungstraining | Sportartspezifisches Training | Experten-Novizen-Querschnitt gegen Interventionsstudie mit Kontrollgruppe. |

### Klausurfallen

- **Leisten mit Lernen gleichsetzen.** Der Stolperstein des Moduls: Eine bessere Leistung während des Übens belegt kein Lernen, weil Leistungsvariablen sie nach oben verzerren. Nachweis nur im Retention-Test nach einer Pause, bei ausgeschlossener Reifung und Wachstum.
- **Cornea gleich Linse.** Die Revision (S. 12) setzt an Position 5 Cornea = Linse; das ist falsch, Cornea = Hornhaut. Der Fehler stammt allein aus der Revision, denn die Folien 25, 31 und 32 sind reine Abbildungen und enthalten die Wörter Cornea, Hornhaut und Linse nicht — mitlernen als korrigierte Zeile. Die ebenfalls bezweifelte Zeile Iris = Blende ist dagegen richtig und wird nicht korrigiert.
- **Stäbchen und Zapfen vertauschen.** Lichtempfindlicher sind die Stäbchen, die drei RGB-Typen gehören zu den Zapfen. Und die Peripherie ist nicht schlechteres Sehen, sondern anderes: der Schärfe unterlegen, der Bewegungserkennung überlegen.
- **Ventral und dorsal vertauschen.** „Ventral" klingt nach unten und damit nach Ort — genau falsch herum: ventral ist das Was-System (Form, Farbe, V4), dorsal das Wo-System (Bewegung, V5).
- **Innerhalb chemisch, zwischen elektrisch.** Umgekehrt: innerhalb elektrisch (Aktionspotenzial), zwischen chemisch (Neurotransmitter). Wo ein Spalt ist, muss etwas hinüberschwimmen — und nur diese Stufe ist regelbar.
- **Habituation als Ermüdung deuten.** Das Tier „lernt zu erkennen, dass der Reiz harmlos ist"; auf einen neuartigen Reiz bleibt der Reflex voll auslösbar, und parallel ist die Synapse messbar abgeschwächt.
- **Hebb mit LTP/LTD verwechseln.** Hebb nennt, *wann* sich etwas ändert (Gleichzeitigkeit), LTP und LTD, *was* sich geändert hat.
- **1–2° als Sehschärfe lesen.** Es ist die Ausdehnung der Fovea, nicht die Sehschärfe und nicht der Bereich, in dem Bewegung erkannt wird.
- **Aplysia wegen Ähnlichkeit zum Menschen gewählt.** Die Wahl ist rein methodisch; die Übertragbarkeit ist die ausdrücklich als „Vermutung" bezeichnete Annahme, kein Beleg — dasselbe gilt für die Übertragung des LTD/LTP-Befundes auf komplexes menschliches Lernen.
- **Klassische Konditionierung als Lernform am Kiemenrückziehreflex nennen.** Gefragt sind Habituation und Sensitivierung; die Konditionierung steht in dieser Vorlesung nur im Lerntheorien-Dschungel.
- **Eye-Tracking als kausalen Nachweis lesen.** Es zeigt nur, wohin jemand schaut. Notwendigkeit einer Informationsquelle zeigt allein die räumliche Verdeckung.
- **Den Putt-Mechanismus als bewiesen darstellen.** Belegt ist der Effekt; das Selbstvertrauen ist ausdrücklich „eine mögliche Erklärung", gestützt auf eine Metaanalyse zu kognitiver Angst und Selbstvertrauen.
- **Generelles Wahrnehmungstraining für wirksam halten.** Aus „Experten haben bessere Werte" folgt kein Trainingseffekt: Der Querschnitt lässt offen, ob die besseren Werte Ursache, Folge oder Begleiterscheinung der Expertise sind. Trainiert wird nicht die Wahrnehmung als Grundfunktion, sondern die Nutzung sportartspezifischer Informationsquellen.


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# Sonderthemen

## Modul 15 · Leichtes Schädelhirntrauma (Concussion)

> **Leitfrage:** Was ist ein leichtes Schädelhirntrauma, woran erkennt man es auf dem Platz — und wie führt man Betroffene sicher zurück in Schule und Sport?

Das Modul folgt einem Fall vom Ereignis bis zur Vorbeugung. Zuerst die Definition mit ihren drei Nicht-Voraussetzungen — weder Kopftreffer noch Bewusstlosigkeit noch Bildbefund. Second Impact, Second Impact Syndrom und CTE begründen, warum jedes weitere Ereignis schwerer wiegt und die Erholungsphase selbst die Präventionsmaßnahme ist. Darauf bauen Erkennen (Symptomkatalog, Sideline-Screening) und Handeln (zehn Stufen, Buffalo Concussion Treadmill Test) auf. Zuletzt der Fußball: Exposition gegen kritische Ereignisse, Einstiegsalter, Prävention mit Evidenzgrad.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Leichtes Schädelhirntrauma (LSHT)** — meist kurze Leistungsstörung des Gehirns: rasche, kurze Beeinträchtigung neurologischer Funktionen, in der Regel spontan reversibel, mit oder ohne Bewusstseinsstörung, fast nie mit radiologisch nachweisbaren strukturellen Schäden, häufig abgestufte Erholung (Gänsslen & Schmehl, 2015).
- **Second Impact** — eine zweite oder weitere Gehirnerschütterung; mit jedem LSHT steigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren und damit die für Komplikationen.
- **Second Impact Syndrom** — Komplikation nach einer zweiten oder weiteren Gehirnerschütterung, im Vordergrund teilweise erhebliche Hirnschwellungen; kann sogar tödlich sein.
- **CTE** — progressive degenerative Hirnerkrankung durch *wiederholte* Kopftraumata, im Verlauf kognitiv, motorisch und psychiatrisch; neuropathologisch diagnostiziert (McKee et al., 2014).
- **King-Devick-Test** — Sideline-Screening auf Störungen der sakkadischen Augenbewegungen; auffällig heißt Verdacht auf ein Kopftrauma (Galetta et al., *Neurology*).
- **HRt** — mittlere Herzfrequenz der letzten Testminute vor dem BCTT-Abbruch (Polargürtel); Maß der **Belastungstoleranz**, nicht der aeroben Leistungsfähigkeit. Daneben **ΔHR = HRt − HR-Ruhe**.
- **Leichte und kurzzeitige Verschlimmerung** — Anstieg von höchstens 2 Punkten auf der Skala 0–10 für weniger als eine Stunde, gemessen am Ausgangswert *vor* der körperlichen Aktivität.
- **Odds Ratio** — Chancenverhältnis OR = (a·d)/(b·c); 1 kein Zusammenhang, > 1 erhöhte Chance zu erkranken.

### Die Definition und ihre drei Nicht-Voraussetzungen

Ein LSHT entsteht auf zwei Wegen: durch **direkten Schlag** gegen Kopf, Hals oder Gesicht — oder durch **Gewalteinwirkung an anderer Stelle**, die am Kopf-Hals-Segment Beschleunigung oder Entschleunigung erzeugt. Entscheidend ist nicht der Kontaktort, sondern der übertragene Impuls; die Vorlesung hebt wörtlich hervor: *Ein direktes Trauma am Kopf ist nicht Voraussetzung für das Entstehen eines LSHTs.* Der direkte Schlag ist der **häufigere**, nicht der **notwendige** Mechanismus. Bewusstlosigkeit ist das auffälligste, aber weder das häufigste noch ein notwendiges Zeichen. Ein unauffälliges CT oder MRT schließt nichts aus: Die Störung ist **funktionell**, Bildgebung stellt Strukturen dar; struktureller Nachweis spricht für **mindestens ein mittelschweres SHT**. Weil die Symptome nacheinander verschwinden — **abgestufte Erholung** —, ist die Rückkehr stufenweise organisiert und trennt kognitive von körperlicher Belastung. Halten die Beschwerden an: **PPCS**.

### Second Impact, Second Impact Syndrom, CTE

Mit jedem LSHT steigt die Wahrscheinlichkeit eines weiteren und damit die für Komplikationen wie erhebliche Hirnschwellungen. Trifft ein zweites Trauma auf ein noch nicht erholtes Gehirn, droht das **Second Impact Syndrom** — die Begründung dafür, mit Symptomen nicht weiterzuspielen. Beim Zweit- oder Mehrfachtrauma kommt die **Neurodegeneration** hinzu: **CTE, Parkinson, Demenz**; akut die Schwellung, chronisch die Degeneration. Die **CTE** ruht auf drei Merkmalen: Sie schreitet fort und bildet sich nicht zurück, ihre Ursache sind *wiederholte* Kopftraumata, und sie zeigt sich **im Verlauf** kognitiv, motorisch und psychiatrisch. Zuerst beim Boxen beschrieben, wies McKee et al. (2014) sie neuropathologisch bei American-Football-Spielern, Boxern, Eishockeyspielern, Wrestlern, Fußballern, Rugbyspielern und einem Baseballspieler nach. Das NFL-Risiko von 0,1 ist eine Größenordnung aus eingesandten Gehirnen, keine Populationsrate (Ergänzung).

### Erkennen: Hirnregionen, Symptomkatalog, Sideline-Screening

**Frontallappen** (Stirn): Motorik, Handlungsplanung, Impulskontrolle, motorische Sprache, Aufmerksamkeit → Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen. **Parietallappen** (Scheitel): Sensorik, räumliche Orientierung, Körperwahrnehmung → Gleichgewichtsprobleme. **Temporallappen** (Schläfe): Hören, Sprachverständnis, Gedächtnis mit Hippocampus → Erinnerungslücken, Lärmempfindlichkeit. **Okzipitallappen** (Hinterkopf): Sehen → verschwommenes Sehen, Lichtempfindlichkeit. Dazwischen der **temporoparietale Übergang**: multisensorische Integration, Aufmerksamkeit, Sprachverarbeitung.

Der Symptomkatalog hat **vier Kategorien**: *körperlich* (Kopfschmerzen, Druck im Kopf, Nacken-/Halsschmerzen, Übelkeit, Schwindel, verschwommenes Sehen, Gleichgewichtsprobleme, Licht- und Lärmempfindlichkeit, Müdigkeit), *kognitiv* (verlangsamtes Denken, „wie im Nebel", Konzentrations- und Gedächtnisprobleme, Verwirrtheit), *emotional* (Reizbarkeit, Traurigkeit, Nervosität) und *Schlaf* (Ein- und Durchschlafstörungen, mehr oder weniger Schlaf, Schläfrigkeit). Davon abgesetzt **sechs Warnzeichen** mit sofortiger ärztlicher Abklärung: Bewusstlosigkeit, Krampfanfall, zunehmende oder starke Kopfschmerzen, wiederholtes Erbrechen, zunehmende Verwirrtheit, Nackenschmerzen. Instrumentenkette: Sideline-Screening (King-Devick-Test) → **SCOAT6** bzw. **Child SCOAT6** in der Sprechstunde → BCTT. „Office Assessment" heißt: nicht für die Sideline gedacht.

### Die zehn Stufen der Rückkehr und ihre drei Steuerregeln

Das Schema des Amsterdam-Konsensus 2022 besteht aus **4 Stufen Return-to-Learn und 6 Stufen Return-to-Sport** (Patricios et al., 2023). Die Schule kommt zuerst, weil kognitive Belastung früher möglich ist als körperliche; beide laufen teilweise parallel, die Schule hat Vorrang. Return-to-Learn: symptomlimitierte Alltagsaktivitäten bei minimierter Bildschirmzeit → schulische Aktivitäten außerhalb des Klassenzimmers → Teilzeitrückkehr mit mehr Ruhepausen → voller Schultag samt Nachholen versäumter Arbeiten. Länger dauert es bei größerer Symptomlast, PPCS, Migräne-Anamnese, vorherigen Gehirnerschütterungen, Alter unter 12 Jahren und falsch dosierter Aktivität.

Return-to-Sport: symptombegrenzte Aktivität (Gehen) → aerobes Training (**2A** leicht, **2B** mäßig) → individuelles sportartspezifisches Training außerhalb der Mannschaft → berührungsfreie Übungen bis hohe Intensität im Team → Vollkontakttraining → normale Spieltätigkeit. Gesteuert wird über die **Symptomtoleranz**, nicht über die Zeit; dafür gelten drei Regeln. **Abbruch- und 24-Stunden-Regel (Stufen 1–3):** Steigt die Symptomatik um mehr als 2 Punkte, wird unterbrochen und erst am nächsten Tag fortgesetzt. **Eintrittsvoraussetzung (Stufen 4–6):** Symptome, kognitive Störungen und klinische Befunde müssen abgeklungen sein, *auch bei und nach* körperlicher Anstrengung. **Rückschrittregel (Stufen 4–6):** Wer dort Symptome entwickelt, kehrt auf **Schritt 3** zurück, vor das Kontaktumfeld — jeder Kopfimpakt auf ein nicht erholtes Gehirn wäre ein Second Impact. Droht in Schritt 3 ein unbeabsichtigter Kopfaufprall, gehört davor eine ärztliche Abklärung.

### Belasten statt schonen: der Buffalo Concussion Treadmill Test

Gesteigert wird ausschließlich über die Steigung, bei konstanter Geschwindigkeit (Leddy et al.): Die Laufkoordination ändert sich dann nicht, die Herzfrequenz steigt gleichmäßig und fein abgestuft — erst dadurch wird sie interpretierbar. Der BCTT ist kein Ausbelastungstest, sondern ein **Provokationstest**. Von den vier Abbruchkriterien ist nur eines concussion-spezifisch: Ende des Laufbands, Verschlimmerung der Post-Concussion-Symptome, Müdigkeit, **RPE ≥ 17**.

**Niedrige** Werte sind das Alarmzeichen, nicht hohe: Bei **HRt ≤ 135 bpm** ist die Wahrscheinlichkeit einer längeren Erholungszeit **45-fach größer**, und ein **ΔHR ≤ 50 bpm** sagt ebenfalls eine verlängerte Genesung voraus. Wer schon bei niedriger Herzfrequenz abbricht, verträgt wenig Belastung — geringe Toleranz, langer Verlauf. Die Schwelle ist zugleich **Dosierungsgröße**: Haider et al. (2019) trainierten aerob mit **80 % der Schwelle**, **20 Minuten täglich**, und verkürzten die Erholung signifikant.

### Kopfball, Einstiegsalter und Prävention

**Exposition und Schaden fallen auseinander:** frontal 81,3 % der Kopfbälle, aber nur 16,0 % der kritischen Ereignisse; facial 0,7 % gegen 28,0 % (Weber et al., 2022). Den Unterschied macht die **muskuläre Kompensation der abrupten Kopfbeschleunigung** — frontal kompensiert die Hals- und Nackenmuskulatur ausreichend, facial, temporal und occipital nicht: Der frontale Kopfball ist der antizipierte, bei dem die vorgespannte Muskulatur Kopf und Rumpf zu größerer effektiver Masse koppelt. Der beabsichtigte Kopfball braucht daher eine hohe Dosis — erst **mehr als 46 heading activities in zwei Wochen** erhöhen ZNS-Symptome —, während **ein einziger unerwarteter Kopfstoß** genügt (Stewart et al., 2017).

Kopfballtraining ist **frühestens ab 14 Jahren** sinnvoll. Erster Strang: **muskuläre Kontrolle** (Tierney et al., 2008) — Kinder haben weniger Nackenkraft und eine unreifere Ansteuerung, dieselbe Ballenergie erzeugt eine größere Beschleunigung. Zweiter Strang: **visuelle Kontrolle** — von den drei optischen Flussfeldern (translational, rotational, radial) entsteht durch Eigenbewegung das **radiale**, aus dem das Gehirn Geschwindigkeit und Ankunftszeit ableitet, und ausgerechnet dieses reift am spätesten. Die Revision ergänzt trainingsmethodisch: zuverlässige Übungsvermittlung und ausgebaute koordinative Fähigkeiten.

Auch unterschwellige Belastung hinterlässt Spuren: Koerte et al. (2012) fanden bei langjährigen Profis **ohne** je diagnostizierte Gehirnerschütterung Veränderungen der weißen Substanz präfrontal und frontal, im Parietalcortex, im Corpus callosum und im Fasciculus longitudinalis — mit DTI, nicht mit Routinebildgebung. Bei Jugendlichen zeigt sie sich als geringerer Lernzuwachs gegenüber Kontrollen (Koerte et al., 2017), bei jungen Erwachsenen bildete sie sich in einer 6-monatigen Pause zurück (Mayinger et al., 2018). Prävention hat drei Ansatzpunkte: **Kraft** erhöht die Belastbarkeit (Nackenkrafttraining im Aufwärmen), **Regeln** senken die Exposition, **Technik und Material** verbessern die Ausführung (leichtester Ball, niedrigster Druck). Programme: **FIFA 11+ Kids**, **FUNBALL**, **Knee Control in Handball**.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **4 + 6 = 10 Stufen**; Start **5–15 min/Tag**; Return-to-Learn **ca. 10 Tage bei 93 %** (Patricios et al. 2023; Putukian et al. 2023); **< 12 Jahre** einer von sechs Risikoindikatoren.
- **ca. 55 % / 70 % maxHR** — Stufe 2A / 2B; **maxHR = 220 − Alter**.
- **≤ 2 Punkte (0–10), < 1 Stunde, Referenz vor der Belastung** — leichte Verschlimmerung.
- **0°, 3,2–3,6 mph (5,2–5,8 km/h), nach 1 min 1°, dann +1°/min** — BCTT; Abbruch u. a. **RPE ≥ 17** (Borg 6–20).
- **HRt ≤ 135 bpm → OR ≈ 45**; **ΔHR ≤ 50 bpm**; normale Erholung **≤ 30 Tage**; Therapie **80 % der Schwelle, 20 min/Tag** (Leddy et al.; Haider et al. 2019; ca. 15 Jahre).
- **0,1 = 10 %** — NFL-Risiko, eine CTE zu erhalten und daran zu versterben (Ann McKee).
- **5,7 Kopfbälle je Feldspieler und Spiel** — 100 Spiele Bayernliga 2015–2016; rund 170 pro Jahr (Weber et al. 2022).
- **3827 Kopfbälle, 37 kritische Ereignisse, 34 Spiele** (4. Liga) — Exposition/Ereignisse: frontal 3113 (81,3 %)/12 (16,0 %); temporal 367 (9,6 %) + parietal 184 (4,8 %)/temporoparietal 20 (26,7 %); occipital 136 (3,6 %)/16 (21,3 %); facial 27 (0,7 %)/21 (28,0 %); neck 6 (8,0 %).
- **> 46 headings / 2 Wochen** oder **1 unerwarteter Kopfstoß** → ZNS-Symptome; Median 15, IQR 5,75–46,25; 222 TN, 481 Fragebögen (Stewart et al. 2017).
- **1,7 Kopfverletzungen, 0,5 Concussions je 1000 player hours** — Norwegen/Island 1999–2000; davon rund 29 % Concussions (Andersen et al. 2004).
- **frühestens ab 14 Jahren** — radial **< 8 Jahre** keine Geschwindigkeitsunterscheidung; 12 J. 69 %/56 %, 14 J. 78 %/61 %, 16 J. 88 %/64 % des Erwachsenenniveaus (Speed 5,5/s bzw. 1,5/s; Joshi & Falkenberg 2015); translatorisch **≥ 75 %** (Falkenberg et al. 2014). Rechtlich: **USA < 10 Jahre keine, 11–13 eingeschränkt; UK < 12 keine; Deutschland keine.**
- **GRADE high / moderate** — Bodychecking-Verbot gegen neuromuskuläres Aufwärmen (Eliason et al. 2023); FIFA 11+ Kids 7–13 Jahre; Nackenkrafttraining 15–18 Jahre (Müller & Zentgraf 2021).

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| LSHT | mittelschweres SHT | Der bildgebende Befund, nicht die Heftigkeit des Ereignisses. |
| Second Impact | Second Impact Syndrom | Ereignis gegen akute Komplikation (Hirnschwellung, potenziell tödlich). |
| Second Impact Syndrom | CTE | Akut, Stunden bis Tage, gegen chronisch-progressiv über Jahre. |
| Motorische Sprache (frontal) | Sprachverständnis (temporal) | Produktion gegen Verstehen; der temporoparietale Übergang ist eine dritte Zone. |
| Sideline-Screening | Office Assessment | King-Devick am Platz gegen SCOAT6 in der Sprechstunde. |
| Abbruchregel Stufen 1–3 | Rückschrittregel Stufen 4–6 | Am nächsten Tag fortsetzen gegen Rücksprung auf Schritt 3. |
| HRt | maxHR = 220 − Alter | Gemessene Schwelle gegen Rechengröße; ΔHR ist die Spanne dazwischen. |
| 10 Tage | 30 Tage | Return-to-Learn bei 93 % gegen normale Gesamterholung. |
| GRADE high | GRADE moderate | Regeländerung gegen Erhöhung der individuellen Belastbarkeit. |
| Radiologische Bildgebung | DTI | Struktur gegen Faserbahnen; einzelnes Ereignis gegen Jahre. |

### Klausurfallen

- **Die HRt-Richtung umdrehen.** Eine **niedrige** HRt (≤ 135 bpm) bzw. ein niedriges ΔHR (≤ 50 bpm) kündigt die verlängerte Erholung an; die Revision behauptet mit „HRt über Mittelwert" das Gegenteil und ist falsch. Es gilt die Folienfassung (Folien 35 und 37).
- **Kopftreffer, Bewusstlosigkeit oder Bildbefund als Ausschlusskriterium nutzen.** Keines gehört zur Definition. Auch „leicht = harmlos" ist falsch (PPCS).
- **Second Impact und Second Impact Syndrom vertauschen** oder die CTE als Steigerung des Syndroms lesen: Ereignis → akute Komplikation → chronische Summenfolge.
- **Die Stufenregel falsch zuordnen.** Symptome im Vollkontakttraining heißen Rücksprung auf Schritt 3, nicht eine Stufe zurück, nicht ein Tag Pause.
- **Die Verschlimmerungsdefinition beschneiden.** Höchstens 2 Punkte, Skala 0–10, unter einer Stunde, Referenz vor der Belastung.
- **Beschwerdefreiheit in Ruhe genügen lassen.** Die Stufen 4–6 verlangen Abklingen aller Befunde *auch nach* Anstrengung.
- **Die 10 Tage als Sportfreigabe lesen.** Sie gelten für die Schule bei 93 %; der Sport hat eigene Kriterien.
- **Exposition und Schaden verwechseln.** Frontal ist der häufigste (81,3 %), aber unkritischste Kopfball (16,0 %); facial stellt bei 0,7 % Anteil 28,0 % der Ereignisse. Bezugsgrößen: Andersen je 1000 player hours, Weber je Kopfball.
- **Die Dosisgrenzen vertauschen.** Über 46 headings in zwei Wochen gilt für den *beabsichtigten* Kopfball; beim *unerwarteten* genügt einer.
- **Die 14 Jahre als Rechtsnorm ausgeben.** Physiologische Empfehlung; Deutschland kennt keine rechtlichen Einschränkungen.
- **Präventionsbelege überdehnen.** FUNBALL senkt belegt die Verletzungsrate, nicht die Zahl der Gehirnerschütterungen.
- **Jahreszahlen ungeprüft übernehmen.** King-Devick: Folien 2015, Verzeichnis 2011; BCTT: Folie 35 nennt 2019, das Verzeichnis 2018 — es gilt das Verzeichnis.

## Modul 16 · Training im Schulsport & Leistungsdiagnostik

> **Leitfrage:** Wird im Schulsport trainiert — und mit welchen Verfahren lässt sich zuverlässig messen, ob es etwas bewirkt?

Zuerst der Rahmen — drei Wochenstunden, 27 Pflichtkombinationen, Notenpflicht —, denn er legt fest, wie viel Training Platz hat. Dann die Begriffsfrage, die nicht der Unterricht entscheidet, sondern die gewählte Trainingsdefinition. Erst danach die empirische Prüfung, ob Ausdauer- und Krafttraining unter diesen Bedingungen wirken. Der zweite Block beantwortet, wie man das misst: sportmotorischer Test, Hauptgütekriterien und ihre Hierarchie, T-Werte, MFT gegen DMT 6-18. Das Thema fehlt in der Revision vollständig; alles stammt aus VL 10.

### Definitionen, die sitzen müssen

- **Training (über das Ergebnis)** — „systematische Wiederholung gezielter überschwelliger Muskelanspannungen mit morphologischen und funktionellen Anpassungserscheinungen zum Zwecke der Leistungssteigerung" (Hollmann & Hettinger, 1976).
- **Training (über das Vorgehen)** — „planmäßige und systematische Realisation von Maßnahmen (Trainingsinhalte und Trainingsmethoden) zur nachhaltigen Erreichung von Zielen (Trainingsziele) im und durch Sport" (Hohmann/Lames/Letzelter, 2010).
- **(Sport-)motorischer Test** — wesentliches Verfahren zur Beschreibung sportmotorischer Leistungszustände, interindividueller Differenzen und intraindividueller Veränderungen.
- **Objektivität (Anwenderunabhängigkeit)** — Grad, in dem die Testergebnisse unabhängig vom Untersucher und von situativen Einflüssen sind.
- **Reliabilität (Zuverlässigkeit)** — Grad der Zuverlässigkeit, mit der ein bestimmtes Persönlichkeitsmerkmal erfasst wird: Erzielt eine Versuchsperson unter gleichen Bedingungen ähnliche Ergebnisse?
- **Validität (Bestimmung des inhaltlichen Wertes)** — Grad der Genauigkeit, mit dem der Test das Merkmal, welches getestet werden soll, auch tatsächlich misst. „Wenn ein Test nicht hinreichend valide ist, dann ist er wertlos."
- **Nebengütekriterien** — **Normierung**: „Können Messwerte zu Normwerten in Bezug gesetzt werden?"; **Ökonomie**: räumlich, zeitlich, personell, gerätespezifisch durchführbar.

### Der Rahmen: Auftrag, Achsen, Stundentafel

Leitidee ist der **Doppelauftrag**: Sport ist Gegenstand *und* Mittel der Bildung. Die umfassende Handlungskompetenz spannt sich über drei Achsen — drei **Kompetenzbereiche** (Sach-, Methoden-, Urteilskompetenz), sechs **Inhaltsfelder** (a) bis (f), neun **Bewegungsfelder und Sportbereiche** —, und alle Kompetenzen müssen für alle Bewegungsfelder erreicht werden: 3 × 9 = 27 Kombinationen, „das ist durchaus eine Herausforderung". Von den drei Wochenstunden entfällt bei mehrperspektivischem Unterricht höchstens eine auf einen Trainingsakzent, praktisch 20–30 Minuten. Dazu räumliche Bedingungen, Pflichtteilnahme, Heterogenität und die Notenpflicht — weil Zensuren verbindlich sind, ist der Diagnostikteil die methodische Voraussetzung des ersten Teils. Legitimiert ist Ausdauer ausdrücklich: Bewegungsfeld 3 führt „Formen ausdauernden Laufens" als inhaltlichen Kern, und Ende der Klassen 5–6 steht eine gesundheitsorientierte **Mittelzeitausdauerleistung (MZA I) bis zu 10 Minuten**. Knapp ist nicht die Legitimation, sondern die Zeit.

### Zwei Trainingsdefinitionen, zwei Urteile über denselben Unterricht

**Hollmann & Hettinger (1976)** definieren über das **Ergebnis**; ihre vier Bestimmungsstücke sind systematische Wiederholung, gezielte überschwellige Muskelanspannungen, morphologische und funktionelle Anpassungserscheinungen, Zweck Leistungssteigerung. Weil die eingetretene Anpassung Definitionsmerkmal ist, müsste man erst fragen, ob sie stattfindet — bei einer Sportstunde pro Woche häufig nicht, und dann ist Schulsport definitionsgemäß kein Training.

**Hohmann/Lames/Letzelter (2010)** definieren über das **Vorgehen**: planmäßig und systematisch, Realisation von Maßnahmen, nachhaltige Zielerreichung, „im und durch Sport" — der Anpassungsnachweis gehört nicht dazu. Folge: Der Schulsport ist ein „reguläres" **Anwendungsfeld der Trainingswissenschaft**, denn es werden planmäßig Inhalte realisiert, um Ziele im oder durch Sport zu erreichen. Die Vorlesung entscheidet sich: Das sportmedizinisch-leistungsphysiologische Verständnis sei „nicht mehr angemessen" — „aber vielleicht haben ihre Sportlehrer:innen das so im Studium gelernt?".

Der **offene Trainingsbegriff** macht keine Vorgabe über Inhalte oder Intensitäten: Training ist offen für alle Ziele im und durch Sport — Leistungssteigerung, systematische körperliche Beanspruchung, eigenverantwortliche Bewegungsaktivität in der Freizeit —, und für jedes Ziel ist separat zu entscheiden, ob Trainieren dazu beiträgt; beliebig heißt das nicht, Planmäßigkeit und Systematik bleiben zwingend. Besonderheit der Schule ist die Heterogenität: Gleiche Anforderungen zeigen größere Zuwächse bei Leistungsschwächeren, wobei alle profitieren; Binnendifferenzierung verbessert das Ergebnis.

### Wirkt es? Ausdauer und Kraft im Sportunterricht

In der Lehrkräftebefragung von Thienes (2008, S. 254) wird regelmäßigen Ausdauerbelastungen **hohe Relevanz** beigemessen, während die Bedingungen für Krafttraining überwiegend als unzureichend gelten. Vier ältere Studien (Letzelter, Steinmann, Jung et al., Müller) belegen Steigerungen, alle mit Kontrollklasse und **mindestens zwei Einheiten pro Woche**; zudem war der Sportunterricht damals anders, ein ausdauerspezifischer Schwerpunkt war möglich. Die Beispielstudie von Thienes bildet die realistische Bedingung ab: je drei Klassen Dauermethode, Intervallmethode und Kontrolle, 1×/Woche über 10 Wochen, 12-Minuten-Lauf. Das Ergebnis ist zweiteilig zu lesen: Klassen nicht vergleichbar — und insgesamt kein Einfluss des Trainings.

Die Diagnose im Wortlaut: **„… dass weniger eine zu geringe Intensität oder ein zu geringer Gesamtumfang pro Sportstunde als vielmehr eine zu geringe Trainingshäufigkeit das Hauptproblem kennzeichnen"** (Thienes 2008, S. 283). Daraus die drei Schlussfolgerungen: 1×/Woche 20–30 Minuten sind unzureichend für deutliche und mittelfristig nachhaltige Veränderungen; nötig sind längerfristige Zeiträume mit regelmäßig wiederkehrenden Anforderungen; großes Problem im Setting Schule sind Motivation und Einstellung. Dagegen hilft die methodische Gestaltung: Zusatzaufgaben und Bewegungsformen, die vom „normalen" Laufen abweichen, schaffen koordinative und kognitive Reize, lenken von der Belastung ab und verhindern Monotonie, Langeweile und Überbeanspruchung (Biathlon, Memorylauf). Das Häufigkeitsproblem löst sie nicht.

Beim Krafttraining kehrt sich das Bild um: **80 % der Lehrkräfte** nennen schlechte Bedingungen (Zeitbudget, materielle Ressourcen, Voraussetzungen der Lernenden), doch in Kombination mit zusätzlichem Krafttraining über 12 Wochen lassen sich überdauernde Effekte erzielen, und „VORSICHTIG" kann von einer Verbesserung der Kraft gesprochen werden. Möglich macht das das **sanfte Einsatz-Krafttraining** (Curl-up, Back-Test, Push-ups, flexed-arm hang).

### Was ein sportmotorischer Test leisten kann

Drei Leistungsbegriffe als Erweiterungsfolge: **motorische** Leistung (bewegungsbezogener Kern), **sportliche** Leistung (plus Technik, Taktik, Wettkampf), **schulsportliche** Leistung (plus Bildungsauftrag, Inhaltsfelder, Kompetenzbereiche) — sie ist mehrperspektivisch und nur so bewertbar. Die Einsatzbereiche zerfallen nach Messzeitpunkten: mit **einer** Messung Screening, Eingangsdiagnose, Leistungsprofil, Defizitanalyse, Charakterisierung von Subpopulationen; **mindestens zwei** brauchen Entwicklungsverläufe, Evaluation von Interventionen, Kohorteneffekte; schulisch kommt die Bindung an ein Inhaltsfeld hinzu, etwa (d) Leistung oder (f) Gesundheit. Verfahren: KTK und KiKo (Koordination), MFT und DMT 6-18 (Fitness), dazu AST, MOBAQ, MOT 4-6, M-ABC-2, *Die Abenteuer der kleinen Hexe*. Zuerst aber die wichtigste Frage: **Sind die Testgütekriterien überprüft worden?** Erst danach die fünf Passungsfragen — Zweck, Ziel, Komponente der Leistungsfähigkeit, Adressatengruppe, Anwendbarkeit im Schulsport.

### Die Hierarchie der Hauptgütekriterien

Hauptgütekriterien — Validität, Reliabilität, Objektivität — sind **unabdingbar**; fehlt eines, ist der Test wertlos. Nebengütekriterien schränken nur ein: ohne Normierung bleibt der intraindividuelle Vergleich möglich, ohne Ökonomie ist der Test praktisch kaum einsetzbar.

**Objektivität** zerfällt in **Durchführungs-** (wer nimmt ab), **Auswertungs-** (aus denselben Rohdaten dieselben Werte) und **Interpretationsobjektivität** (aus denselben Werten dieselben Schlüsse). Voraussetzung ist hohe Standardisierung von Aufbau, Materialien und Testanweisungen; erfüllt ist sie, wenn das Testmanual zu allen drei Schritten präzise Angaben und Hilfestellungen gibt **und** die Anwendenden sich präzise daran halten.

**Reliabilität** wird über den **Test-Retest** geprüft und über die **Korrelationskoeffizienten der Rangreihen** beurteilt; Einflussfaktor sind **Übungseffekte**, und zwar die differentiellen, die die Rangreihe verschieben. Neben den Retest treten Paralleltest, Testhalbierung und interne Konsistenz, Letztere bei einer Testbatterie wie dem DMT nicht erwartbar (Zusatzverfahren: Ergänzung).

**Validität** bestimmt den inhaltlichen Wert. Arten: **Inhaltsvalidität** (logisch-fachliche Prüfung, Expertenurteil), **Kriteriumsvalidität** (Korrelation mit einem Außenmaß, in den Unterformen **Übereinstimmungsvalidität** — Kriterium zeitgleich — und **Vorhersagevalidität** — Kriterium in der Zukunft) und **Konstruktvalidität** (Passung zum theoretischen Gefüge; Arten: Ergänzung).

Folie 49 im Wortlaut: **„Ein valider Test ist auch reliabel und objektiv."** — **„Ein Test, der nicht objektiv ist, wird auch nicht reliabel und somit auch nicht valide sein."** — **„Ein Test, der objektiv und reliabel ist, muss nicht valide sein"**, er kann inhaltlich etwas anderes messen. Jede Stufe ist notwendige, nicht hinreichende Bedingung der nächsten. Zielscheibe: weit gestreute Treffer = nicht reliabel und somit nicht valide; eng gruppierte **neben** dem Zentrum = reliabel, nicht valide; eng gruppierte **im** Zentrum = beides. Streuung = Reliabilität, Treffpunkt = Validität; geprüft wird von unten nach oben.

### Normwerte, T-Wert und die Grenzen der Normstichprobe

Ein Rohwert allein sagt nichts: „14 Liegestütze" wird erst zur Aussage, wenn bekannt ist, was Gleichaltrige desselben Geschlechts erreichen. Der T-Wert entsteht in zwei Schritten — **z = (x − M) / SD** gegen Mittelwert und Standardabweichung der Normstichprobe, dann **T = 50 + 10 · z**. Beispiel: 27 Wiederholungen bei M = 22 und SD = 5 → z = 1 → T = 60, eine Standardabweichung über dem Durchschnitt. Transformiert wird, weil Rohwerte verschiedene Einheiten und Streuungen haben; erst die gemeinsame Skala macht sie addierbar und erlaubt ein Leistungsprofil. Vier Probleme können eine Normstichprobe unbrauchbar machen: fehlende **Repräsentativität**, **Positivauswahl** (die Normwerte von 2005 werden von Sportlehrern freiwillig zurückgeschickt), fehlende **Qualitäts- und Durchführungskontrolle**, **veraltete Normen**. Größe hilft nicht: Eine große verzerrte Stichprobe schätzt den falschen Wert nur präziser.

### MFT gegen DMT 6-18 — vier Punkte

„WICHTIG!!! Bitte benutzen Sie den MFT nicht!!!" Die vier Ablehnungsgründe: Gütekriterien **nicht transparent überprüft** (es existieren KEINE Aussagen dazu), Durchführungsanweisungen **oft unklar** (dazu der nicht vorgegebene Materialzustand, etwa das Prellverhalten der Bälle), **Übungen nicht optimal gewählt**, **keine repräsentative Normstichprobe**. Der DMT 6-18 (Bös et al., 2009; in NRW **MT1**) erfüllt dieselben vier Punkte positiv: aufwändige Konstruktion mit Einordnung der Aufgaben in die Systematik motorischer Fähigkeiten, transparent überprüfte Gütekriterien, klare und mit Videomaterial unterstützte Anweisungen, repräsentative Normstichprobe.

Empfohlen wird er nur „eher", denn trotz hoher Objektivität bleiben Fehlermöglichkeiten: **Sit-ups** — Versuchsleiter:innen unterschiedlich streng bei der Schulterposition; **modifizierte Liegestütze** — unbekannte Bewegung, die Kinder fokussieren auf die Ausführung und werden langsamer; **Motivierung** einheitlich handhaben; **Personal** — gut ausgebildete Testhelfer:innen nötig (Oberstufenkurs möglich, Kolleg:innen unwahrscheinlich). Abhilfe: Schulung und feste Versuchsleiter:innen an einer Station, damit ein Restfehler konstant wirkt. Vier Regeln: nie unkommentiert an die Eltern („auf KEINEN Fall"); Tests ordnen ein, sind kein alleiniges Maß der Beurteilung; Vorhersagekraft kritisch prüfen (MT1 zur Zulassungsauswahl für Volleyball, Basketball, Leichtathletik); vorher intensiv mit Durchführung *und* Auswertung vertraut machen.

### Zahlen, Werte, Grenzen

- **3 Sportstunden/Woche** (NRW), Klassen 1–4 und 11–13; Klassen 5–6 **3 (+1)** = 7 Stunden aus zwei Jahrgängen; Klassen 7–10 **3 (−1)** = 11 statt 12 aus vier Jahrgängen.
- **3 Kompetenzbereiche × 9 Bewegungsfelder = 27 Kombinationen**, dazu 6 Inhaltsfelder (a)–(f).
- **105 Std. Obligatorik / 15 Std. Freiraum** (Jahrgangsstufe 5) = 87,5 % gegen 12,5 %.
- **MZA I bis zu 10 Minuten** (Ende Klassen 5–6); **1×/Woche, 20–30 Minuten** als Ausdauerakzent unzureichend.
- Studien: **Letzelter 1982** (3. Klasse, 2×/Woche, 10 min, 2 Monate → 600 m/2000 m), **Steinmann 1980** (Klasse 7, 2×/Woche, 7 Wochen → ebenso), **Jung et al. 1983/1984** (Klasse 5, 3×/Woche, 30 min, 12 Wochen → 12-Minuten-Lauf), **Müller 1991** (Klasse 7–10, 2×/Woche, 10–20 min → **8 %** im 8-Minuten-Lauf), **Thienes 2008** (1×/Woche, 10 Wochen, 3 Testzeitpunkte, Tempomacher für 2 Runden → kein Einfluss; S. 283 bzw. 254).
- **80 %** der Lehrkräfte: schlechte Bedingungen für Krafttraining; **12 Wochen** zusätzliches Krafttraining → überdauernde Effekte.
- **T = 50** Mittelwert, **40 bis 60** zwei Drittel, **< 40** unterdurchschnittlich, **> 60** überdurchschnittlich, Spanne **20 bis 80**.
- **MFT-Normierungen**: N = 269 (1991, Sportförderunterricht 11–14, Kinder 9–17), N = 1169 (1994, bayerische Gymnasiasten), N = 750 000 (2005, niedersächsische Schulen); Tabelle 1995 gegen 2005 → Leistungsklasse 1 gegen 3.

### Trennscharf

| A | B | Woran man sie unterscheidet |
| --- | --- | --- |
| Kernlehrplan | Schulinterner Lehrplan | Kompetenzerwartungen des Landes gegen Unterrichtsvorhaben mit Dauer und Stundenkontingent. |
| „Ist der Schulsport Training?" | „Ist der Schulsport wirksam?" | Definitionsfrage gegen empirische Frage; nach Hollmann & Hettinger fallen beide zusammen. |
| Einsatztraining | Sanftes Krafttraining | Anzahl der Sätze (Umfang) gegen Nähe zur Ausbelastung (Intensitätssteuerung). |
| Motorische Leistung | Schulsportliche Leistung | Bewegungsbezogener Kern gegen mehrperspektivische Leistung samt Kompetenzbereichen. |
| Interindividuelle Differenzen | Intraindividuelle Veränderungen | Zwischen Personen, braucht Normwerte, gegen innerhalb einer Person, braucht Reliabilität. |
| Hauptgütekriterien | Nebengütekriterien | Fehlen macht wertlos gegen Fehlen macht eingeschränkt brauchbar. |
| Reliabilität | Validität | *Wie genau* gegen *was* gemessen wird; Streuung gegen Treffpunkt. |
| Übereinstimmungsvalidität | Vorhersagevalidität | Beide Kriteriumsvalidität; Kriterium zeitgleich gegen in der Zukunft. |
| Stichprobenumfang | Repräsentativität | Präzision gegen Richtigkeit: N = 750 000 schätzt den falschen Wert präziser. |
| Screening, Eingangsdiagnose | Prognose (MT1-Zulassungsauswahl) | Aktueller Stand gegen künftige Leistung. |

### Klausurfallen

- **Reliabilität und Validität verwechseln.** Ein Test kann bei jeder Wiederholung nahezu identische Werte liefern und trotzdem das falsche Merkmal messen; „reliabel, also valide" ist falsch.
- **Zuschreibung der Ergebnisdefinition.** VL 10, Folie 20 nennt Hollmann & Hettinger (1976); wortgleich steht sie in VL 1, Folie 13, dort Martin et al. (1991, S. 16) zugeschrieben. Der Widerspruch stammt aus den Folien; hier gilt Hollmann & Hettinger.
- **Intensität statt Häufigkeit als Hauptproblem.** Thienes nennt ausdrücklich *nicht* Intensität oder Gesamtumfang, sondern die zu geringe Trainingshäufigkeit.
- **Die Beispielstudie einteilig lesen.** Zwei Aussagen: Klassen nicht vergleichbar (methodisch), kein Einfluss des Trainings (inhaltlich).
- **Ältere Studien als Beleg für heute.** Alle arbeiteten mit mindestens zwei Einheiten pro Woche und ausdauerspezifischem Schwerpunkt.
- **Einschätzung und Befund gleichsetzen.** Gegenläufig: Ausdauer gute Einschätzung, uneinheitlicher Befund; Kraft schlechte Einschätzung (80 %), vorsichtig positiver Befund.
- **Nebengütekriterium als „unwichtig".** Einer der vier MFT-Ablehnungsgründe ist der Normierungsmangel — dieselbe Rohleistung ergibt mit der Tabelle von 1995 Leistungsklasse 1, mit der von 2005 Leistungsklasse 3.
- **N = 750 000 als Qualitätsbeleg.** Umfang ist Präzision, nicht Richtigkeit; auch der T-Wert gilt nur relativ zu dieser Norm.
- **Zuordnung des Sit-up-Falls.** Die Quelle schwankt zwischen „Durchführungs- und Auswertungsobjektivität" und der genaueren Zuordnung: Weil nur die Bewertung differiert, ist es die **Auswertungs**objektivität (Ergänzung).
- **Passungsfragen vor die Gütekriterienfrage stellen.** Ein Test ohne geprüfte Gütekriterien wird auf Passung gar nicht mehr geprüft.
- **Testwert als Note.** Testergebnisse ordnen ein, sind aber kein alleiniges Maß zur Beurteilung der Leistung im Sportunterricht.
---

# Querschnitt

## Die Abgrenzungen, die mehrfach wiederkehren

Was in mehreren Vorlesungen auftaucht, ist selten Zufall. Diese Paare tragen den größten Teil der
trennscharfen Klausurfragen:

| Paar | Kriterium | Module |
| --- | --- | --- |
| Fähigkeit ↔ Fertigkeit | vererbt, stabil, abzählbar, Prozessebene ↔ erlernt, modifizierbar, nicht abzählbar, Produktebene | m1, m8, m9, m12 |
| Leisten ↔ Lernen | beobachtbares Produkt ↔ nicht beobachtbarer, überdauernder Prozess; Nachweis nur im Retentionstest | m1, m9, m14 |
| Belastung ↔ Beanspruchung | äußere, objektiv erfassbare Vorgabe ↔ individuelle Auswirkung, Grad der Ressourcenausschöpfung | m2, m5, m9 |
| intramuskulär ↔ intermuskulär | innerhalb eines Muskels ↔ zwischen mehreren Muskeln | m5, m7, m9 |
| Komplexitätsdruck ↔ Organisationsdruck | sukzessiv, viele hintereinander ↔ simultan, viele gleichzeitig | m8, m9 |
| Objektivität → Reliabilität → Validität | jede Stufe notwendig, keine hinreichend für die nächste | m4, m16 |
| aerobe (2 mmol/l) ↔ anaerobe Schwelle (4 mmol/l) | Lage auf der Kurve; dazu fix ↔ individuell als zweite Achse | m3, m4 |
| Antizipation ↔ Entscheidung | Vorwegnahme dessen, *was kommt* ↔ Auswahl dessen, *was man tut* | m10, m12, m14 |
| Top-down ↔ Bottom-up | verbalisierbare Regel ↔ nicht verbalisierbare Wahrnehmungssteuerung | m10, m12 |
| akut ↔ chronisch (Interferenz) | Stunden, lokal, umlegbar ↔ Wochen, betrifft die Anpassung selbst | m11 |

## Wo Revision und Vorlesung auseinandergehen

Diese Stellen sind bewusst nicht geglättet. Wo nichts anderes steht, gilt in der Klausur die
Vorlesung.

| Modul | Stelle | Revision | Vorlesung | Was gilt |
| --- | --- | --- | --- | --- |
| m4 | „AS" | feste **an**aerobe Schwelle, 4 mmol/l | **aerobe** Schwelle, 2 mmol/l (AnS = anaerob) | am Zahlenwert ablesen, nicht am Kürzel |
| m4 | GA2 | Beginn an der **aeroben** Schwelle | GA2 an der **anaeroben** Schwelle | Vorlesung |
| m4 | IAS | „Laktatbildung > Abbau" | an der Schwelle **Gleichgewicht**, erst darüber Akkumulation | Vorlesung — sonst wäre es keine Dauerleistungsgrenze |
| m5 | Synchronisation | unter den Adaptationen geführt | Folie 14 nennt als Steuergrößen nur Rekrutierung und Frequenzierung | bei Adaptationsfragen beide Fassungen nennen |
| m6 | Immobilisation in Dehnung | „Muskel wird länger" | Folie 12: Gesamtmuskellänge unverändert, Sarkomerzahl steigt, Sarkomerlänge sinkt | Folie |
| m6 | CR-AC | „beste Methode" | schlechte empirische Datenlage, keine Methodenempfehlung | Vorlesung |
| m9 | externer Fokus | „extern (Fokus auf Bewegungen)" | extern = Fokus auf den Bewegungs**effekt** in der Umwelt | Vorlesung — die Revision beschreibt den internen Fokus |
| m9 | Modellierungsebene | „Idealbild schaffen" | Folie 16 rät von der Orientierung am Technikleitbild ab | beide Fassungen kennen |
| m10 | Taktikdefinition | „parallel und permanent" als Teil der Definition | gehört zu Mahlos Teilprozessen (Folie 10) | Vorlesung |
| m10 | Decision Training | als drittes Modell geführt | Folie 35 nennt nur SMART und TGfU | Vorlesung |
| m12 | BVT-Einsatzzeitpunkte | zwei: vor dem Wettkampf, bei Verletzung/Krankheit | Folie 9 zählt das laufende Training dazu | beide nennen |
| m14 | Auge, Position 5 | Cornea = Linse | Cornea = Hornhaut, vorn und mit festem Brechwert | Vorlesung — reiner Revisionsfehler |
| m15 | HRt | „HRt über Mittelwert" sagt verlängerte Erholung voraus | **niedrige** HRt (≤ 135 bpm) bzw. niedriges ΔHR (≤ 50 bpm) sagt sie voraus | Vorlesung — die Revision dreht die Richtung um |

## Widersprüche innerhalb der Vorlesung selbst

Hier hilft kein Nachschlagen, sondern nur, beide Stellen zu kennen:

- **m1 / m16 — Autorschaft der Muskelanspannungs-Definition.** VL 1, Folie 13 schreibt sie Martin
  et al. (1991, S. 16) zu, VL 10, Folie 20 wortgleich Hollmann & Hettinger (1976). Sicher ist nur
  der Inhalt; nach dem Autor gefragt, gehören beide Fassungen in die Antwort.
- **m3 — intensive Intervallmethode.** Folie 33 nennt anaerobe Ausdauer sowie ATP- und
  CP-Bereitstellung, Folie 40 die Optimierung anaerober Speicher- und Nutzungskapazitäten, die
  Revision VO₂max, anaerobe Kapazität und Laktattoleranz.
- **m13 — Slip Detection.** VL 12, Folie 7 nennt sie als wichtigste Funktion der
  **Meissner**körperchen, Folie 9 schreibt das Melden des Rutschens den **Ruffini**körperchen zu.
  Sichere Antwort: Griffkontrolle über die rasch adaptierenden Rezeptoren.
- **m15 — Jahreszahlen.** King-Devick: Folien 2015, Literaturverzeichnis 2011. BCTT: Folie 35
  nennt 2019, das Verzeichnis 2018. Es gilt jeweils das Verzeichnis.

## Wo das Material selbst lückenhaft ist

Diese Stellen sind sichtbar offen gelassen statt plausibel gefüllt:

- Die **vier Roth-Prinzipien des Techniktrainings** (m9) werden in keiner Quelle ausformuliert
  erklärt — nur benannt.
- Der **Symptomkatalog zum leichten Schädelhirntrauma** (m15) liegt in den Folien ausschließlich
  als Abbildung vor.
- Für **Schnelligkeit** (m7) gibt es keinerlei Revisionsdeckung, für **Koordination** (m8) nur die
  Unterscheidung Fähigkeit/Fertigkeit (Revision, S. 3). Beide Module werden allein nach der
  Vorlesung geprüft.
- Die **vier Belastungsnormative** (m3) stehen auf der Folie mit dem Zusatz „usw."; erst die
  Revision legt sie als *die vier* fest.
- Der Mechanismus der **chronischen Interferenz** (m11) wird von der Vorlesung ausdrücklich nicht
  benannt — ebenso wenig eine Reihenfolgeempfehlung Kraft/Ausdauer innerhalb eines Tages oder eine
  Stundenzahl für den Erholungsabstand.

## Formalia

**Foliennummern-Versatz.** In VL 5 (ab etwa Folie 31), VL 7 Schnelligkeit und VL 10 weichen
Marker- und gedruckte Seitenzahl um +1 voneinander ab. Wer beim Nachschlagen eine Folie danebenliegt,
hat nicht falsch zitiert.

**Zahlenformat.** Alle Werte stehen so, wie die Vorlesung sie nennt — einschließlich der Fälle, in
denen zwei Folien für dieselbe Sache unterschiedliche Spannen angeben. Wo eine Zahl gerundet oder
umgerechnet wurde, steht die Ausgangsangabe daneben.
